{"id":70045,"date":"2025-11-21T12:00:24","date_gmt":"2025-11-21T11:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/aus-liebe-zum-waldgeschmack\/"},"modified":"2025-11-21T12:00:24","modified_gmt":"2025-11-21T11:00:24","slug":"aus-liebe-zum-waldgeschmack","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/aus-liebe-zum-waldgeschmack\/","title":{"rendered":"Aus Liebe zum Waldgeschmack"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Pilzklopse<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Greiffenberg (heute Gryf\u00f3w \u015al\u0105ski). Im Jahr 1919 wurde hier eine \u00e4u\u00dferst erfolgreiche Pilzausstellung organisiert, auf der man die au\u00dfergew\u00f6hnlich vielf\u00e4ltige Waldwelt des Riesengebirges n\u00e4her kennenlernen konnte. Die Ausstellung war in vier Bereiche gegliedert: Waldpilze, ihre Modelle, Kulinarik und Literatur<\/strong>.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Insgesamt wurden 145 lokal vorkommende Pilzarten pr\u00e4sentiert. Es war eine Zeit allgemeinen Nahrungsmangels, nicht nur in den St\u00e4dten. Vielleicht war es das Ziel, auf den Reichtum der W\u00e4lder aufmerksam zu machen, die ein schmackhaftes, nahrhaftes und aromatisches Produkt bieten. Eine \u00e4hnliche Ausstellung hatte bereits 1913 in Breslau stattgefunden. Sie war Teil einer gro\u00dfen Gartenkunstschau in der neu er\u00f6ffneten Jahrhunderthalle. Pr\u00e4sentiert wurden fast 50 Pilzarten aus der Umgebung von Deutsch Lissa, Zobten und Obernigk.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Frische Pilze kann man selbstverst\u00e4ndlich auf dem Markt oder am Stra\u00dfenrand kaufen. Doch die Verbindung von Bewegung im Wald, dem Anblick der gl\u00e4nzenden H\u00fcte im Sonnenlicht und dem eigenen Sammeln ist unvergleichlich.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Zur\u00fcck von dieser historischen Reise bedauere ich, dass sich die diesj\u00e4hrige Pilzsaison dem Ende zuneigt, obwohl sie insgesamt erfolgreich war. Von mehreren Waldspazierg\u00e4ngen brachten wir Pilze mit, manchmal nur eine kleine Probe. Manche Ausfl\u00fcge brach ich jedoch fr\u00fcher ab, denn bei mir gilt eine eiserne Regel: Ich sammle nur so viele Pilze, wie ich schnell verarbeiten kann, damit das Produkt frisch und von bester Qualit\u00e4t bleibt. Ein Teil der Ernte wurde eingelegt, einige Gl\u00e4ser mit Pilzso\u00dfe fanden ihren Platz in der Speisekammer, und viele Pilze wurden frisch gegessen.<\/p>\n<h2><strong>Ende der Pilzsaison<\/strong><\/h2>\n<p>Mit Sicherheit kann ich sagen, dass wir in einem Pilzparadies leben und gl\u00fccklicherweise auch heute nicht mit leeren H\u00e4nden aus dem Wald zur\u00fcckkehren. Selbst wenn die Menge gering ist, l\u00e4sst sich daraus immer ein k\u00f6stliches Gericht zubereiten.<\/p>\n<div id=\"attachment_67691\" style=\"width: 341px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-67691\" class=\" wp-image-67691\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG-20251105_160407-180x300.jpg\" alt=\"\" width=\"331\" height=\"552\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG-20251105_160407-180x300.jpg 180w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG-20251105_160407-614x1024.jpg 614w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG-20251105_160407.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 331px) 100vw, 331px\" \/><p id=\"caption-attachment-67691\" class=\"wp-caption-text\">Das Ende der Pilzsaison naht.<br \/>Foto: M. Janik<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Frische Pilze kann man selbstverst\u00e4ndlich auf dem Markt oder am Stra\u00dfenrand kaufen. Doch die Verbindung von Bewegung im Wald, dem Anblick der gl\u00e4nzenden H\u00fcte im Sonnenlicht und dem eigenen Sammeln ist unvergleichlich.<\/p>\n<h2><strong>Mehr Genuss als Nahrungsmittel<\/strong><\/h2>\n<p>Nicht immer jedoch war das \u201eF\u00fcllhorn der Natur\u201c in Schlesien so reich. 1902 musste man auf dem Breslauer Markt lange nach Pilzen suchen:<\/p>\n<p><em>\u201eAusnahmsweise rar sind die Pilze; langj\u00e4hrige Marktbesucherinnen werden sich gewi\u00df kaum zu erinnern wissen, da\u00df um die jetzige Zeit die Reihe der Pilzh\u00e4ndlerinnen auf dem Ringe l\u00e4ngst des Stadthauses so l\u00fcckenhaft war, wie sie sich heute zeigte. In nennenswerter Menge waren nur Galuschel [schl\u00e4s\u2019sch: Kochmandl], das Liter 15 Pf., vertreten; ihnen am n\u00e4chsten kamen die Sch\u00e4lpilze, von allen \u00fcbrigen gab es nur kleine Proben. Seltsam ist das v\u00f6llige Ausbleiben der Rehpilze, die sonst um die jeztige Zeit auf den Markt gebracht werden. Die Sch\u00e4lpilze gelten nach dem Glauben der Pilzh\u00e4ndlerinnen f\u00fcr die Vorl\u00e4ufer der Steinpilze, soda\u00df wir diesen Vornehmsten seiner Genossen nun bald begr\u00fc\u00dfen k\u00f6nnen werden. Fr\u00fcher hate man stark \u00fcbertriebene Vorstellungen \u00fcber den N\u00e4hrwerth der Pilze, den man dem des Fleisches gleichstellte, soda\u00df man ein Pilzgericht sogar als \u201dvegetabilisches Beefsteak\u201d bezeichnete. Die neuere Chemie aber hat nachgewiesen, da\u00df zwischen beiden doch ein sehr bedeutender Unterschied herrscht, soda\u00df man etwa zehnt Pfund Pilze verzehren m\u00fc\u00dfte, um den K\u00f6rper den N\u00e4hrstoff eines Pfundes Rindfleisch zuzuf\u00fchren. Ebensowenig k\u00f6nnen die Pilze mit N\u00e4hrstoffen wie Milch und Eiern auf gleiche Stufe gestellt werden. Sie entsprechen vielmehr ihrem Werthe nach durchaus unseren frischen Gem\u00fcsen; was ihnen aber f\u00fcr immer ihre Bedeutung in der K\u00fcche sichern mu\u00df, das ist ihr Wohlgeschmack, den man auch dann nicht wird missen m\u00f6gen, wenn man wei\u00df, da\u00df man in den Pilzen mehr ein Genu\u00df-, als ein Nahrungsmittel zu sehen hat.\u201d<\/em> (Schlesische Zeitung, 1902, Nr. 661)<\/p>\n<div id=\"attachment_67692\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-67692\" class=\"size-medium wp-image-67692\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/SDB-Oppelner-Kreisblatt-1930-nr-32-300x287.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/SDB-Oppelner-Kreisblatt-1930-nr-32-300x287.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/SDB-Oppelner-Kreisblatt-1930-nr-32-1024x978.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/SDB-Oppelner-Kreisblatt-1930-nr-32-768x734.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/SDB-Oppelner-Kreisblatt-1930-nr-32.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-67692\" class=\"wp-caption-text\">Oppelner Kreisblatt, 1930, nr 32.<br \/>Quelle: Schlesische Digitale Bibliothek<\/p><\/div>\n<p>Auch die historischen Kochb\u00fccher geben Einblick. Therese Adam, Autorin des \u201eSchlesischen Kochbuchs\u201c (Buchholz &amp; Diebel, Troppau 1900), behandelt Pilze eher stiefm\u00fctterlich und liefert lediglich ein Rezept f\u00fcr Pilzso\u00dfe zu Rinderbraten. Sie weist jedoch zu Recht darauf hin, dass getrocknete Pilze auf dem Markt oft verf\u00e4lscht sind und dass es am sichersten ist, Pilze selbst zu trocknen, einzulegen oder im Steingut zu salzen.<\/p>\n<p>Henriette Pelz wiederum widmet in ihrem Breslauer Werk der schlesischen K\u00fcche dem Thema Pilze deutlich mehr Raum. Zahlreiche Rezepte finden sich dort, und eines davon geh\u00f6rt zu meinen Favoriten: \u201ePilzschnitten\u201c, Pilzklopse, ein klassisches Herbst- und Wintergericht meiner Familie.<\/p>\n<h3><strong>Pilzklopse<\/strong><\/h3>\n<div id=\"attachment_67696\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-67696\" class=\" wp-image-67696\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_20251015_133819-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"530\" height=\"530\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_20251015_133819-300x300.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_20251015_133819-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_20251015_133819-150x150.jpg 150w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_20251015_133819-768x768.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_20251015_133819.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><p id=\"caption-attachment-67696\" class=\"wp-caption-text\">Pilzklopse sind ein klassisches Herbst- und Wintergericht.<br \/>Foto: M. Janik<\/p><\/div>\n<h4><strong>Zutaten (f\u00fcr 8 Klopse)<\/strong><\/h4>\n<ul>\n<li>1 trockenes Br\u00f6tchen<\/li>\n<li>1 Ei<\/li>\n<li>350 g gemischte Pilze (frisch, getrocknet oder<\/li>\n<li>1 Zwiebel<\/li>\n<li>2 Knoblauchzehen<\/li>\n<li>25 g Grie\u00df<\/li>\n<li>50 g geriebene Semmelbr\u00f6sel<\/li>\n<li>Petersilie<\/li>\n<li>Schnittlauch<\/li>\n<li>Gew\u00fcrze (Salz, Pfeffer, Paprika)<\/li>\n<li>Pflanzen\u00f6l<\/li>\n<li>Butter<\/li>\n<\/ul>\n<h4><strong>Zubereitung:<\/strong><\/h4>\n<p>Pilze, Zwiebel und Knoblauch durch den Fleischwolf drehen und in Butter d\u00fcnsten, dann 10-15 Minuten in eigenem Saft garmachen. Auf einem Durchschlag abtropfen lassen (die ablaufende Fl\u00fcssigkeit kann f\u00fcr eine Suppe oder So\u00dfe verbraucht werden).<\/p>\n<p>Eingeweichtes und ausgedr\u00fccktes Br\u00f6tchen mit etwas Pflanzen\u00f6l glatt r\u00fchren.<\/p>\n<p>Pilze, Ei, Gew\u00fcrze, Petersilie, Schnittlauch und Grie\u00df unter die Br\u00f6tchenmasse mischen. Ca. 30 Minuten stehen lassen.<\/p>\n<p>Flache Klopse formen, diese nach dem Umwenden in geriebener Semmel in hei\u00dfem Pflanzen\u00f6l braun braten.<\/p>\n<p>Dazu schmeckt gr\u00fcner oder Kartoffelsalat sehr gut<\/p>\n<p><strong>Mein Tipp:<\/strong> Die Klopse kann man alternativ 25 Minuten bei 175\u00b0C im Backofen backen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pilzklopse Greiffenberg (heute Gryf\u00f3w \u015al\u0105ski). Im Jahr 1919 wurde hier eine \u00e4u\u00dferst erfolgreiche Pilzausstellung organisiert, auf der man die au\u00dfergew\u00f6hnlich vielf\u00e4ltige Waldwelt des Riesengebirges n\u00e4her kennenlernen konnte. Die Ausstellung war in vier Bereiche gegliedert: Waldpilze, ihre Modelle, Kulinarik und Literatur.<\/p>\n","protected":false},"author":295,"featured_media":67695,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4224],"tags":[4864,4865,4866,4867,4868,4869,4870,4871,4872,2302,2097],"redaktor":[],"class_list":["post-70045","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-de","tag-gartenkunstschau","tag-greiffenberg","tag-gryfow-slaski","tag-grzyby","tag-jahrhunderthalle","tag-kotlety-z-grzybow","tag-pilzausstellung","tag-pilze","tag-pilzklopse","tag-przepisy","tag-rezept"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70045","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/295"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70045"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70045\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/67695"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70045"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70045"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70045"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=70045"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}