{"id":69991,"date":"2025-11-28T12:00:04","date_gmt":"2025-11-28T11:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/die-pastete-ist-nicht-fur-die-gaste\/"},"modified":"2025-11-28T12:00:04","modified_gmt":"2025-11-28T11:00:04","slug":"die-pastete-ist-nicht-fur-die-gaste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/die-pastete-ist-nicht-fur-die-gaste\/","title":{"rendered":"\u201eDie Pastete ist nicht f\u00fcr die G\u00e4ste\u201d"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Von der h\u00f6fischen Kunst zur schlesischen Tradition<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Es ist das Jahr 1780 \u2013 vielleicht ein wenig fr\u00fcher oder etwas sp\u00e4ter. Der franz\u00f6sische Koch Jean Pierre Clause bereitet eine zarte Pastete aus G\u00e4nselebern zu. Er tut dies auf seine ganz eigene Art. Ihren Geschmack veredeln sp\u00e4ter die Hofk\u00f6che des deutschen Kaisers, Urbain Dubois und \u00c9mile Bernard, die eine magische Zutat hinzuf\u00fcgen: die Tr\u00fcffel. Und so findet bis heute im Elsass das Festival du Foie Gras statt \u2013 ein kulinarisches Fest und zugleich ein besonderes Ereignis f\u00fcr Pastetenb\u00e4cker und Liebhaber der traditionellen franz\u00f6sischen K\u00fcche, die damals wie heute als Vorbild f\u00fcr viele angehende K\u00f6chinnen und K\u00f6che gilt.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Auch in der schlesischen K\u00fcche nehmen Pasteten einen besonderen Platz ein. Sie bereichern allt\u00e4gliches Fr\u00fchst\u00fcck und Abendbrot, werden aber ebenso zu besonderen Anl\u00e4ssen serviert \u2013 etwa zu den Feiertagen oder an Silvester. Man bereitet sie nicht nur aus Reh, Rebhuhn, Zunge, Hase, Fisch oder Innereien zu. Beliebt sind auch Pasteten nach r\u00f6mischer Art oder solche auf Basis von Kartoffeln oder K\u00e4se. Und zu den ungew\u00f6hnlichen Zutaten, die nicht nur den Geschmack beeinflussen, geh\u00f6ren u. a. Hahnenk\u00e4mme, Sauerkraut, Mark, Schweinskopf oder Lammf\u00fc\u00dfe. In der Presse jedoch begegnet man am h\u00e4ufigsten der klassischen Variante.<\/p>\n<p>So ist etwa in der \u201eSchlesischen Zeitung\u201c (1905) zu lesen, dass ein gewisser Emil Scheibe aus Guhrau (heute: G\u00f3ra) seine schlesische G\u00e4nseleberpastete anpreist. Sie wird t\u00e4glich aus frischer Ware gebacken \u2013 selbstverst\u00e4ndlich mit franz\u00f6sischen Tr\u00fcffeln verfeinert. Eine Dose f\u00fcr 10\u201312 Personen kostet 5 Mark pro St\u00fcck. Das klingt k\u00f6stlich und erlesen, wie gemacht f\u00fcr eine feine Gesellschaftsrunde.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>In den Best\u00e4nden der Oppelner Digitalen Bibliothek fand ich zudem eine andere \u201ePerle\u201d aus dem Jahr 1808 \u2013 beinahe 100 Seiten \u00fcber Pasteten in der von Johann Georg Kr\u00fcnitz herausgegebenen Enzyklop\u00e4die, die insgesamt 242 B\u00e4nde umfasst!<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In den Best\u00e4nden der Oppelner Digitalen Bibliothek fand ich zudem eine andere \u201ePerle\u201d aus dem Jahr 1808 \u2013 beinahe 100 Seiten \u00fcber Pasteten in der von Johann Georg Kr\u00fcnitz herausgegebenen Enzyklop\u00e4die, die insgesamt 242 B\u00e4nde umfasst! Eine detaillierte Beschreibung der Herstellungsverfahren, Zutaten, Techniken und Pastetenarten findet man im Band 108. Ein umfassendes Kompendium \u00fcber die fr\u00fchere Kochkunst.<\/p>\n<div id=\"attachment_67967\" style=\"width: 662px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-67967\" class=\" wp-image-67967\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DBUB-Brockauer-Zeitung.-Zeitung-fuer-den-Landkreis-Breslau-1916-Nr.14-300x192.png\" alt=\"\" width=\"652\" height=\"417\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DBUB-Brockauer-Zeitung.-Zeitung-fuer-den-Landkreis-Breslau-1916-Nr.14-300x192.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DBUB-Brockauer-Zeitung.-Zeitung-fuer-den-Landkreis-Breslau-1916-Nr.14.png 565w\" sizes=\"auto, (max-width: 652px) 100vw, 652px\" \/><p id=\"caption-attachment-67967\" class=\"wp-caption-text\">Brockauer Zeitung. Zeitung f\u00fcr den Landkreis Breslau 1916 Nr.14<br \/>Quelle: DBUB<\/p><\/div>\n<p>Mit roten Wangen bl\u00e4tterte ich durch die vergilbten Seiten, las Rezepte, Ratschl\u00e4ge und Empfehlungen zur Zutatenwahl \u2013 obwohl ich Pasteten h\u00f6chstens ein- oder zweimal im Jahr backe. Es sei denn, eine besondere Gelegenheit verlangt danach.<\/p>\n<h2><strong>Die Geschichte hinter dem gefl\u00fcgelten Wort<\/strong><\/h2>\n<p>Eine solche ergab sich vor vielen Jahren und ist bis heute in gewisser Weise aktuell. Eine Freundin \u00e4u\u00dferte den Wunsch, eine wirklich gute Pastete zu essen, und bat mich, eine f\u00fcr sie zuzubereiten. Ich entgegnete, dass das wohl schwierig sei \u2013 woher sollte man gerade jetzt Wildbret bekommen? Doch zu Hause dachte ich weiter \u00fcber unser Gespr\u00e4ch nach. Maria erwartete bald ein Kind. Einer Schwangeren, zudem einer engen Freundin, schl\u00e4gt man keinen Wunsch aus. Vor meinem inneren Auge sah ich schon die M\u00e4use \u00fcber mich hinwegtrampeln \u2026 Beim n\u00e4chsten Treffen kam mir jedoch eine L\u00f6sung: Marias Vater hatte Bekannte, die gelegentlich zur Jagd gingen. So hatte ich am darauffolgenden Wochenende bereits Wildbret, kaufte die n\u00f6tigen Innereien und verbrachte einen ganzen Tag damit, die Pastete zuzubereiten. F\u00fcr Maria.<\/p>\n<div id=\"attachment_67968\" style=\"width: 568px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-67968\" class=\" wp-image-67968\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Der-Oberschlesische-Wanderer-1909-No.-208-300x206.png\" alt=\"\" width=\"558\" height=\"383\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Der-Oberschlesische-Wanderer-1909-No.-208-300x206.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Der-Oberschlesische-Wanderer-1909-No.-208-768x528.png 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Der-Oberschlesische-Wanderer-1909-No.-208.png 888w\" sizes=\"auto, (max-width: 558px) 100vw, 558px\" \/><p id=\"caption-attachment-67968\" class=\"wp-caption-text\">Der Oberschlesische Wanderer, 1909, No. 208.<br \/>Quelle: Schlesische Digitale Bibliothek<\/p><\/div>\n<p>Am Sonntag fuhr ich mit der kostbaren Lieferung zu ihr. Sie bat mich, alles in den K\u00fchlschrank zu stellen \u2013 was ich nat\u00fcrlich tat. Danach gesellte ich mich zu den \u00fcbrigen G\u00e4sten. Im Wohnzimmer sa\u00dfen mehrere unserer gemeinsamen Freunde, und alle paar Minuten kam jemand hinzu und fragte nach dem Zweck der Preiselbeeren, die ich zentral auf dem Tisch platziert hatte. Und jedes Mal antwortete ich: \u201eF\u00fcr die Pastete.\u201c Der Abend verging \u2013 wir plauderten, lachten, spielten Karten. Und die Beeren standen einsam auf dem Tisch. Schlie\u00dflich fragte ich Maria, ob ich die Pastete dazu holen d\u00fcrfe. Da sagte sie gelassen: \u201eDie Pastete ist nicht f\u00fcr die G\u00e4ste.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_67969\" style=\"width: 622px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-67969\" class=\" wp-image-67969\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/SDB-Der-Oberschlesische-Wanderer-1924-Nr.-301-300x217.png\" alt=\"\" width=\"612\" height=\"443\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/SDB-Der-Oberschlesische-Wanderer-1924-Nr.-301-300x217.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/SDB-Der-Oberschlesische-Wanderer-1924-Nr.-301.png 460w\" sizes=\"auto, (max-width: 612px) 100vw, 612px\" \/><p id=\"caption-attachment-67969\" class=\"wp-caption-text\">Der Oberschlesische Wanderer, 1924, Nr. 301.<br \/>Quelle: Schlesische Digitale Bibliothek<\/p><\/div>\n<p>Ich riss erstaunt die Augen auf: \u201eAber es reicht doch f\u00fcr alle, ich habe wirklich viel gemacht.\u201c Ja, insgesamt sechs Kilo \u2013 ich hatte s\u00e4mtliche Steingutformen damit gef\u00fcllt \u2026 Doch Maria wiederholte nach einem Moment: \u201eDie Pastete ist nicht f\u00fcr die G\u00e4ste.\u201c Damit war das Thema erledigt. Also brachte ich die Preiselbeeren zu ihrer kulinarischen Bestimmung in den K\u00fchlschrank. Einige Tage sp\u00e4ter fragte ich Maria, ob sie einen Teil dieser kosmischen Menge eingefroren habe. Aber das war gar nicht n\u00f6tig \u2013 sie hatte alles selbst gegessen! So gro\u00df war ihre Lust darauf. Und der Satz \u201eDie Pastete ist nicht f\u00fcr die G\u00e4ste\u201c ist zu einem gefl\u00fcgelten Wort geworden \u2013 immer dann, wenn jemand von uns etwas nicht auf den Tisch stellen m\u00f6chte. Jede und jeder in unserem Kreis wei\u00df sofort, was gemeint ist \u2013 und dass es keine Diskussion gibt.<\/p>\n<p>Damals war es \u00fcbrigens das einzige Mal, dass ich eine derart gro\u00dfe Menge Pastete zubereitet habe. Heute sind es eher geringere Portionen. Doch die Freude am Kochen und Backen ist dieselbe geblieben. Und Preiselbeeren oder Rosmarin d\u00fcrfen dabei niemals fehlen.<\/p>\n<h2><strong>Ein Hauch Historie \u2013 und das Rezept<\/strong><\/h2>\n<p>Bevor wir mit der eigentlichen Zubereitung beginnen, lohnt es sich, ein feines Gew\u00fcrz zu Pasteten vorzubereiten:<\/p>\n<p>3 dkg Muskatn\u00fcsse<br \/>\n3 dkg Nelken<br \/>\n1 \u00bd dkg wei\u00dfer Pfeffer<br \/>\n1 \u00bd dkg gr\u00fcne Lorbeerbl\u00e4tter<br \/>\n1 \u00bd dkg Basilikum<br \/>\n1 \u00bd dkg Thymian<\/p>\n<p>Die Gew\u00fcrze im M\u00f6rser besonders fein zerkleinern, in einer Blechb\u00fcchse oder besser in einem gut verschlie\u00dfbaren Glas gut durcheinander sch\u00fctteln und aufbewahren.<\/p>\n<h3><strong>G\u00e4nseleberpastete<\/strong><\/h3>\n<div id=\"attachment_67965\" style=\"width: 491px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-67965\" class=\" wp-image-67965\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rezepte-Gaenseleberpastete_2-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"481\" height=\"481\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rezepte-Gaenseleberpastete_2-300x300.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rezepte-Gaenseleberpastete_2-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rezepte-Gaenseleberpastete_2-150x150.jpg 150w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rezepte-Gaenseleberpastete_2-768x768.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rezepte-Gaenseleberpastete_2.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 481px) 100vw, 481px\" \/><p id=\"caption-attachment-67965\" class=\"wp-caption-text\">G\u00e4nseleberpastete.<br \/>Foto: Ma\u0142gorzata Janik<\/p><\/div>\n<h4><strong>Zutaten:<\/strong><\/h4>\n<p>500 g G\u00e4nseleber<br \/>\n750 g Schweinefilet<br \/>\n250 g Schinken<br \/>\n2 Schalotten<br \/>\n2 Eier<br \/>\n1 Becher G\u00e4nsefett<br \/>\n2 EL Gew\u00fcrze<br \/>\nSalz<br \/>\n2 TL Cognac<\/p>\n<h4><strong>Zubereitung:<\/strong><\/h4>\n<p>Die Leber in Milch abwaschen, h\u00e4uten und mit dem Fleisch und Schalotten zweimal durch den Fleischwolf drehen.<\/p>\n<p>Die Masse mit Eiern vermischen. Anschlie\u00dfend mit Gew\u00fcrzen und Salz abschmecken.<\/p>\n<p>Die Pastetenform mit G\u00e4nsefett streichen, das Ganze 2\u20133 Stunden im Ofen backen. Nach ca. 90 Minuten die Pastete mit Cognac \u00fcbergie\u00dfen. Zum Schluss die fertige Pastete mit geschmolzenem G\u00e4nsefett \u00fcbergie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Pastete aus dem Ofen nehmen und erkalten lassen.<\/p>\n<p>Nach dem Backen 1 bis 3 Tage im K\u00fchlschrank stehen lassen.<\/p>\n<p>Bei Zimmertemperatur auf Hefezopfscheiben mit Rosmarin und Preiselbeersauce oder Preiselbeeren servieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der h\u00f6fischen Kunst zur schlesischen Tradition Es ist das Jahr 1780 \u2013 vielleicht ein wenig fr\u00fcher oder etwas sp\u00e4ter. Der franz\u00f6sische Koch Jean Pierre Clause bereitet eine zarte Pastete aus G\u00e4nselebern zu. Er tut dies auf seine ganz eigene Art. 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