{"id":69982,"date":"2025-11-29T17:00:05","date_gmt":"2025-11-29T16:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/sabina-szczesny-daruber-wie-man-generationen-zusammenbringt-und-von-ausgrenzung-bedrohte-menschen-unterstutzt\/"},"modified":"2025-11-29T17:00:05","modified_gmt":"2025-11-29T16:00:05","slug":"sabina-szczesny-daruber-wie-man-generationen-zusammenbringt-und-von-ausgrenzung-bedrohte-menschen-unterstutzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/sabina-szczesny-daruber-wie-man-generationen-zusammenbringt-und-von-ausgrenzung-bedrohte-menschen-unterstutzt\/","title":{"rendered":"Sabina Szcz\u0119sny dar\u00fcber, wie man Generationen zusammenbringt und von Ausgrenzung bedrohte Menschen unterst\u00fctzt"},"content":{"rendered":"<h1><strong>\u201eIch m\u00f6chte, dass sich niemand unsichtbar f\u00fchlt\u201c<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Sabina Szcz\u0119sny aus Chronstau ist seit ihrer Kindheit mit der deutschen Minderheit verbunden und begann als Teenager, sich aktiv f\u00fcr Menschen einzusetzen, die von sozialer Ausgrenzung bedroht sind: Senioren, Kinder und Menschen mit Behinderungen. Mit Andrea Polanski sprach sie \u00fcber die Werte, die sie aus ihrem Elternhaus mitgenommen hat, \u00fcber generations\u00fcbergreifende Arbeit, Integration und ihren Traum, eine Stiftung zu gr\u00fcnden.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Du bist in Chronstau geboren, einem Ort, der stark mit der deutschen Minderheit verbunden ist. Wie hast du dieses Umfeld als Kind und sp\u00e4ter als Teenager wahrgenommen? War das Thema Identit\u00e4t in deinem Elternhaus pr\u00e4sent?<\/h3>\n<p>Auf jeden Fall. Das Aufwachsen in Chronstau hat mir etwas sehr Wertvolles gegeben: das Bewusstsein, dass Vielfalt ein Reichtum ist. Von klein auf lebte ich in einem Umfeld, in dem das Nebeneinander zweier Kulturen, Sprachen und Traditionen etwas Selbstverst\u00e4ndliches war. Das hat mich Offenheit und Respekt gegen\u00fcber anderen gelehrt. Auch zuhause war das Thema Identit\u00e4t pr\u00e4sent, wenn auch nie auf \u201elehrbuchm\u00e4\u00dfige\u201c Weise, eher durch den Alltag: Sprache, Traditionen, Beziehungsaufbau. Ich denke, dass ich dadurch heute wei\u00df, dass Identit\u00e4t nicht trennt, sondern verbindet, wenn sie auf Dialog und gegenseitigem Respekt basiert.<\/p>\n<h3>Welche Bedeutung hatten f\u00fcr dich die Kontakte zum DFK und zum lokalen BJDM in deiner Jugend?<\/h3>\n<p>Der DFK und der BJDM waren f\u00fcr mich eine \u00e4u\u00dferst wertvolle Lebensschule, insbesondere in meiner Jugend. Dort habe ich gelernt, zusammenzuarbeiten, Veranstaltungen zu organisieren, im Team zu arbeiten und Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Das waren meine ersten Erfahrungen, die mir gezeigt haben, dass soziales Engagement wirklich Sinn macht und dass junge Menschen ihr Umfeld tats\u00e4chlich beeinflussen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>In Chronstau leitet deine Mutter einen Seniorenclub, und du unterst\u00fctzt sie oft bei dieser T\u00e4tigkeit. Wie sieht eure Zusammenarbeit aus, sowohl aus der Perspektive der famili\u00e4ren Beziehung als auch der gemeinsamen Arbeit f\u00fcr Senioren?<\/h3>\n<p>Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich sagen, dass meine Mutter eine wunderbare Person ist, die sich sehr f\u00fcr das engagiert, was sie tut. Sie war schon immer eine Inspiration f\u00fcr mich. Ihre Empathie und Leidenschaft sind geradezu ansteckend. Ich versuche, in meiner Arbeit dieselbe Energie und Hingabe an den Tag zu legen, die ich bei ihr sehe. Als ich ihr bei der Organisation verschiedener Veranstaltungen half, habe ich immer wieder erlebt, wie viel Gutes passiert, wenn Menschen einfach zusammenkommen, sich unterhalten und das Gef\u00fchl haben, dass jemand an sie denkt, insbesondere \u00e4ltere Menschen.<\/p>\n<p>Gemeinsam haben wir Workshops, Ausfl\u00fcge und Integrationsveranstaltungen organisiert. F\u00fcr mich war das immer eine Gelegenheit, die Welt der Senioren besser kennenzulernen, viele Dinge aus ihrer Perspektive zu betrachten und ihre Bed\u00fcrfnisse zu verstehen. Diese Erfahrungen haben mich sehr gepr\u00e4gt, insbesondere bei Veranstaltungen, die Senioren mit Kindern oder Menschen mit Behinderungen zusammenbrachten.<\/p>\n<h3>Warum sind dir generationen\u00fcbergreifende Themen und die Bek\u00e4mpfung sozialer Ausgrenzung so wichtig?<\/h3>\n<p>Weil ich glaube, dass Ausgrenzung immer mit Unverst\u00e4ndnis beginnt und Verst\u00e4ndnis durch Begegnung entsteht. Die generations\u00fcbergreifende Arbeit zeigt, dass wir viel voneinander lernen k\u00f6nnen. Die \u00c4lteren lehren die J\u00fcngeren Geduld und die Pflege von Traditionen, w\u00e4hrend die J\u00fcngeren Frische und Energie einbringen. Wenn diese Welten aufeinandertreffen, entsteht etwas wirklich Sch\u00f6nes und Wertvolles.<\/p>\n<p>Das beste Beispiel daf\u00fcr sind die generations\u00fcbergreifenden Olympiaden, die wir bereits zweimal organisiert haben. Daran nahmen Kindergartenkinder, Menschen mit Behinderungen und Senioren aus Clubs teil. Es waren einzigartige Veranstaltungen, sie verbanden Generationen, bauten Br\u00fccken zwischen Menschen und sch\u00e4rften das Bewusstsein f\u00fcr Integration und Behinderung.<\/p>\n<h3>Du hast erw\u00e4hnt, dass du schon immer gerne anderen geholfen hast. Warum f\u00e4llt dir das so leicht?<\/h3>\n<p>Ich denke, das liegt zum gro\u00dfen Teil an meiner Erziehung, aber auch an einem inneren Bed\u00fcrfnis. Anderen zu helfen war f\u00fcr mich immer selbstverst\u00e4ndlich. Seit meiner Kindheit hatte ich Kontakt zu Menschen mit Behinderungen, da mein wunderbarer Bruder Trisomie 21, also das Down-Syndrom, hat. Ich bin also in einem Umfeld aufgewachsen, in dem Vielfalt und Empathie etwas Allt\u00e4gliches waren.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eDas Aufwachsen an einem Ort, an dem zwei Kulturen t\u00e4glich nebeneinander existierten, hat mich gelehrt, dass Vielfalt keine Bedrohung ist. Sie ist ein Reichtum, der uns f\u00fcr andere \u00f6ffnet und uns Respekt lehrt.\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Mit \u00e4lteren Menschen begann ich zu arbeiten, als meine Mutter sich f\u00fcr sie engagierte. Damals lernte ich dieses Umfeld kennen und begann, mich zu engagieren. Mit der Zeit kam auch die berufliche Arbeit mit Menschen mit Behinderungen hinzu. Dabei bemerkte ich, dass es in jeder Gemeinschaft Menschen gibt, die sich unsichtbar und ausgegrenzt f\u00fchlen. Ich wollte immer, dass sie sich zumindest f\u00fcr einen Moment wahrgenommen f\u00fchlen. So entstanden verschiedene Projekte, Workshops und Kooperationen mit Organisationen.<\/p>\n<p>Helfen gibt mir ein gro\u00dfes Gef\u00fchl von Sinnhaftigkeit. Wenn ich das L\u00e4cheln eines anderen Menschen sehe, wei\u00df ich, dass das, was ich tue, Bedeutung hat. Das ist kein Heldentum, sondern eine Lebensweise und eine Art zu sein, einfach der Wunsch, zum Wohle anderer zu handeln.<\/p>\n<h3>Wie hat diese Erfahrung deine Einstellung zur Arbeit mit Menschen mit Behinderungen gepr\u00e4gt?<\/h3>\n<p>Bevor ich begann, beruflich in diesem Bereich zu arbeiten, dachte ich, dass ich viel Erfahrung h\u00e4tte. Schlie\u00dflich habe ich einen Bruder mit Down-Syndrom und war schon immer mit diesem Umfeld vertraut. Die berufliche Arbeit stellte sich jedoch als eine ganz andere, viel gr\u00f6\u00dfere Herausforderung heraus. Ich habe verstanden, dass das, was wir von zuhause kennen, und das, was wir bei der Arbeit erleben, oft zwei verschiedene Dinge sind.<\/p>\n<p>Das war f\u00fcr mich nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine gro\u00dfe Ehre. Durch diese Arbeit habe ich gesehen, dass Menschen mit Behinderungen kein Mitleid brauchen, sondern Verst\u00e4ndnis, Gleichberechtigung und die Chance, so zu leben wie wir alle. Die Arbeit in der Stiftung und sp\u00e4ter an anderen Orten hat mich Empathie, aber auch Professionalit\u00e4t gelehrt: andere Menschen nicht nur emotional, sondern auch aus beruflicher Perspektive zu betrachten. Und zu verstehen, dass selbst kleinste Gesten, ein L\u00e4cheln, ein Gespr\u00e4ch, eine gemeinsame Aktivit\u00e4t, das Leben eines Menschen wirklich beeinflussen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Aus deiner Leidenschaft f\u00fcr die Integration, nicht nur \u00e4lterer Menschen, sondern auch von Kindern, Jugendlichen und Menschen mit Behinderungen, entstand ein gro\u00dfer Traum.<\/h3>\n<p>Ja, das war mein gr\u00f6\u00dfter Traum: eine eigene Stiftung zu gr\u00fcnden. Die Solver-Stiftung befindet sich bereits in der letzten Phase der Registrierung und offiziellen Er\u00f6ffnung. Dennoch haben wir bereits einige erfolgreiche Projekte und Veranstaltungen hinter uns, und unsere Aktivit\u00e4ten nehmen Fahrt auf.<\/p>\n<p>Obwohl ich erst 23 Jahre alt bin und noch keine langj\u00e4hrige Erfahrung in der Leitung einer Organisation habe, insbesondere in formalen oder buchhalterischen Fragen, entstand die Idee f\u00fcr die Stiftung aus einer Herzensangelegenheit. Ich wollte sowohl \u00e4lteren Menschen als auch Kindern und Menschen mit Behinderungen zeigen, dass jeder von uns wichtig ist und seinen Platz in der Welt hat.<\/p>\n<h3>Du bist 23 Jahre alt, also stehst du mit der Stiftung noch ganz am Anfang. Was sind deine Ziele, sowohl was die Entwicklung der Stiftung als auch deine pers\u00f6nliche Entwicklung angeht?<\/h3>\n<p>Was die Stiftung angeht, m\u00f6chte ich das, was wir derzeit tun, weiterf\u00fchren, mehr Projekte, Workshops und soziale Aktivit\u00e4ten durchf\u00fchren. Ich tr\u00e4ume davon, dass sich die Stiftung weiterentwickelt und immer mehr Menschen erreicht.<\/p>\n<p>Was mich betrifft, bin ich sehr dankbar f\u00fcr das, was ich bereits habe. Ich bin mir selbst dankbar, aber auch allen Menschen, denen ich auf meinem Weg begegnet bin. Ich studiere noch, daher wei\u00df ich, dass sich in meinem Leben noch viel \u00e4ndern wird und sich bestimmte Dinge erst noch entwickeln m\u00fcssen. Ich bin selbst gespannt, wie dieser Weg verlaufen wird.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mich selbst und meine sozialen Aktivit\u00e4ten auf ein noch h\u00f6heres Niveau bringen. Ich tr\u00e4ume auch davon, therapeutisch und psychologisch mit Menschen mit Behinderungen zu arbeiten. Und nat\u00fcrlich m\u00f6chte ich die Stiftung weiter ausbauen. Ich m\u00f6chte, dass wir immer mehr tun k\u00f6nnen, Gutes bewirken und die Menschen noch \u00f6fter zum L\u00e4cheln bringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch m\u00f6chte, dass sich niemand unsichtbar f\u00fchlt\u201c Sabina Szcz\u0119sny aus Chronstau ist seit ihrer Kindheit mit der deutschen Minderheit verbunden und begann als Teenager, sich aktiv f\u00fcr Menschen einzusetzen, die von sozialer Ausgrenzung bedroht sind: Senioren, Kinder und Menschen mit Behinderungen. 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