{"id":69927,"date":"2025-12-09T13:00:07","date_gmt":"2025-12-09T12:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/woher-kommen-die-pepegi-turnschuhe-2\/"},"modified":"2025-12-09T13:00:07","modified_gmt":"2025-12-09T12:00:07","slug":"woher-kommen-die-pepegi-turnschuhe-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/woher-kommen-die-pepegi-turnschuhe-2\/","title":{"rendered":"Woher kommen die Pepegi-Turnschuhe?"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Geschichte in Reichweite<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Warum nennen \u00e4ltere Menschen in Polen Turnschuhe \u201ePepegi\u201c? Und was haben sie mit Graudenz zu tun? Und was hat Allenstein Graudenz genommen? Diese R\u00e4tsel kl\u00e4rte f\u00fcr die Mitglieder des Vereins der deutschen Minderheit in Graudenz ihr Vorsitzender Andreas Gehrke.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Graudenz. <\/strong>Mit dem Herbstbeginn nahm die Gesellschaft der deutschen Minderheit in Graudenz ihre Veranstaltungsreihe zur Geschichte der Stadt und ihrer bedeutenden Pers\u00f6nlichkeiten wieder auf. Am Samstag, dem 25. Oktober, stand Samuel Halperin im Mittelpunkt.<\/p>\n<h2><strong>Wer war dieser Mann \u2013 und hat er sich f\u00fcr Graudenz verdient gemacht?<\/strong><\/h2>\n<p>Samuel Halperin, geboren 1897, starb am 30. Dezember 1933 in Ruiselede in Belgien. Er war ein polnischer Kaufmann und Unternehmer j\u00fcdischer Abstammung, Gr\u00fcnder und Pr\u00e4sident der Polnischen Gummiunternehmens-Aktiengesellschaft in Graudenz, bekannt als \u201ePePeGe\u201c. Das Wort \u201ePepegi\u201c, umgangssprachlich f\u00fcr Turnschuhe, leitet sich von dieser Abk\u00fcrzung ab.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Samuel Halperin, geboren 1897, starb am 30. Dezember 1933 in Ruiselede in Belgien. Er war ein polnischer Kaufmann und Unternehmer j\u00fcdischer Abstammung, Gr\u00fcnder und Pr\u00e4sident der Polnischen Gummiunternehmens-Aktiengesellschaft in Graudenz, bekannt als \u201ePePeGe.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Halperin stammte aus Baranowicze. Er vertrat vermutlich zehn Jahre lang die Firma Hutchinson in Berlin und betrieb ein Gesch\u00e4ft f\u00fcr Gummim\u00e4ntel in Warschau. 1923 er\u00f6ffnete er in Graudenz die erste Gummifabrik in Polen, ebenfalls unter dem Namen PePeGe. Die Fabrik produzierte Gummischuhe und entwickelte sich bereits 1928 zu einer der gr\u00f6\u00dften Schuhfabriken Polens sowie zu einer der gr\u00f6\u00dften Gummifabriken Europas. Das Unternehmen stellte unter anderem gummierte Textilien, Reifen, Fahrradschl\u00e4uche, Gummischl\u00e4uche, M\u00e4ntel und Jacken her. Auf dem H\u00f6hepunkt seines Erfolgs im Jahr 1929 besch\u00e4ftigte Halperin 5.558 Arbeiter und 297 Angestellte in seinen Werken in Graudenz, Frideck und Warschau. Das Unternehmen unterhielt eigene Warenlager in Polen (Baranowicze, Danzig, Grodno, Kielce, Krakau, Lemberg, Lodsch, Posen, Riwne, Warschau, Vilnius) sowie im Ausland (Berlin, Bukarest, Kopenhagen, Riga, Wien). Halperin exportierte seine Produkte in 23 L\u00e4nder.<\/p>\n<div id=\"attachment_68197\" style=\"width: 645px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68197\" class=\" wp-image-68197\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Grudziadz-2-169x300.jpg\" alt=\"\" width=\"635\" height=\"1127\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Grudziadz-2-169x300.jpg 169w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Grudziadz-2-768x1364.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Grudziadz-2-865x1536.jpg 865w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Grudziadz-2.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 635px) 100vw, 635px\" \/><p id=\"caption-attachment-68197\" class=\"wp-caption-text\">Mit dem Herbstbeginn nahm die Gesellschaft der deutschen Minderheit in Graudenz ihre Veranstaltungsreihe zur Geschichte der Stadt und ihrer bedeutenden Pers\u00f6nlichkeiten wieder auf.<br \/>Foto: Gesellschaft der Bev\u00f6lkerung Deutscher Abstammung in Graudenz<\/p><\/div>\n<p>Zum Jahreswechsel 1929\/1930 geriet das Unternehmen infolge der gesamteurop\u00e4ischen Rezession in eine Finanzkrise. Gleichzeitig wurde Halperin angeklagt, Eink\u00fcnfte in Steueroasen versteckt zu haben. Ihm wurde zudem vorgeworfen, im Zusammenhang mit der Er\u00f6ffnung des Werks \u201eStandard Marienburger Gummiwerke\u201c mit der deutschen Regierung zusammengearbeitet zu haben. Er wurde f\u00fcr acht Monate verhaftet und zusammen mit seinem Bruder und seinem Gesch\u00e4ftspartner im Gef\u00e4ngnis in Graudenz festgehalten. Au\u00dferdem wurde ihm eine Geldstrafe von 14 Millionen Z\u0142oty auferlegt. Er starb bei einem Flugzeugabsturz in Ruiselede auf dem Flug von Br\u00fcssel nach London.<\/p>\n<p>Halperin war Zionist. Er besuchte Pal\u00e4stina und unterst\u00fctzte die Gr\u00fcndung des Staates Israel finanziell. Sein Verm\u00f6gen wurde auf 30 Millionen Z\u0142oty gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<h2><strong>Das Unternehmen \u00fcberlebte seinen Gr\u00fcnder. <\/strong><\/h2>\n<p>Nach dem Krieg wurden die Gummiindustriebetriebe \u201eStomil\u201c in Graudenz auf der Grundlage des verstaatlichten PePeGe-Werks gegr\u00fcndet. Der Betrieb wurde umfassend erweitert und modernisiert. Die Produktion wurde auf neue Erzeugnisse ausgedehnt, darunter Filzgummischuhe, pneumatische Boote und Matratzen, Rettungsfl\u00f6\u00dfe, neuartige Sohlenplatten, PVC-spritzgegossene Strandschuhe, Schwimmflossen und -masken sowie Taucherbekleidung. Stomil besch\u00e4ftigte fast 6.000 Mitarbeiter und war ein Gigant der Branche. Es gab kaum eine Familie, die nicht mit Stomil verbunden war. \u201e2001 musste Stomil aufgrund der neuen wirtschaftlichen Lage leider Konkurs anmelden\u201c, erinnert sich Andreas Gehrke.<\/p>\n<h2><strong>Und was hat Allenstein Graudenz genommen?<\/strong><\/h2>\n<p>\u201eAls die polnischen Beh\u00f6rden den Bau eines Reifenwerks erwogen, planten sie zun\u00e4chst einen Standort in der N\u00e4he von Graudenz als Erweiterung des bereits bestehenden Unternehmens. Letztendlich fiel die Wahl jedoch auf Allenstein, da es dort keinerlei Industrie gab\u201c, f\u00fcgt der Vorsitzende hinzu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte in Reichweite Warum nennen \u00e4ltere Menschen in Polen Turnschuhe \u201ePepegi\u201c? Und was haben sie mit Graudenz zu tun? Und was hat Allenstein Graudenz genommen? 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