{"id":69817,"date":"2025-12-26T05:00:57","date_gmt":"2025-12-26T04:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/suse-botschaften-und-scharfe-medizin\/"},"modified":"2025-12-26T05:00:57","modified_gmt":"2025-12-26T04:00:57","slug":"suse-botschaften-und-scharfe-medizin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/suse-botschaften-und-scharfe-medizin\/","title":{"rendered":"S\u00fc\u00dfe Botschaften und scharfe Medizin"},"content":{"rendered":"<h1>Wie Neustadt seine vergessene Pfefferkuchen-Tradition feiert<\/h1>\n<p><strong>Pfefferkuchen sind weit mehr als nur eine Weihnachtsleckerei \u2013 sie waren einst das \u201eSocial Media\u201c des Barock und sogar ein Heilmittel aus der Apotheke. Im Museum des Neust\u00e4dter Landes (Muzeum Ziemi Prudnickiej) ist letzte Woche eine besondere Workshop-Reihe zu Ende gegangen. Ewa Giemza erkl\u00e4rt, warum ein \u201eKorb\u201c fr\u00fcher aus Teig gebacken wurde und was es mit dem 16 Jahre alten Lebkuchenteig auf sich hat.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In den Magazinen des Museums in Neustadt schlummerten sie jahrzehntelang: kunstvoll geschnitzte Holzmodeln, <span class=\"router-outlet-wrapper ng-tns-c3250827703-0\"><span class=\"ng-star-inserted\">die \u00e4lteste stammt aus dem Jahr 1862. <\/span><\/span><\/p>\n<h2>Eine wiederentdeckte Tradition<\/h2>\n<p>\u201eKolleginnen aus Thorn kamen damals zu uns und zeigten uns die Geschichte des Thorner Lebkuchens\u201c, erinnert sich Ewa Giemza vom Museum. \u201eUnsere damalige Leiterin, Frau Ania, stellte fest, dass wir auch solche Formen in unseren Best\u00e4nden haben. Aber ehrlich gesagt: Wir wussten damals gar nicht genau, wie man sie benutzt.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_68531\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68531\" class=\"size-large wp-image-68531\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/BtAMD7Ac-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/BtAMD7Ac-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/BtAMD7Ac-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/BtAMD7Ac-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/BtAMD7Ac.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-68531\" class=\"wp-caption-text\">Die antiken Originale der Holzmodeln sind in der Vitrine im Museum des Neust\u00e4dterlandes zu bewundern.<br \/>Foto: Manuela Leibig<\/p><\/div>\n<p>Die Experten aus Thorn gaben Sch\u00fctzenhilfe, und bald wurde klar: Die Tradition war auch in Oberschlesien tief verwurzelt. In St\u00e4dten wie Neustadt, Neisse oder Kandrzin wurden sie gebacken. Doch durch die Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg \u2013 das Aufeinandertreffen von Menschen aus den ehemaligen Ostgebieten und den Einheimischen \u2013 ging dieses Wissen verloren. \u201eSeit \u00fcber zehn Jahren lassen wir diese Tradition nun in unseren Workshops wieder aufleben\u201c, so Giemza.<\/p>\n<div id=\"attachment_68535\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68535\" class=\"size-large wp-image-68535\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/DNmz8bZl-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/DNmz8bZl-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/DNmz8bZl-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/DNmz8bZl-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/DNmz8bZl.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-68535\" class=\"wp-caption-text\">Die Pfefferkuchen werden vor Ort gebacken.<br \/>Foto: Manuela Leibig<\/p><\/div>\n<h2>Das \u201eSocial Media\u201c des Barock: Ein Korb aus Teig<\/h2>\n<p>Fr\u00fcher war ein Pfefferkuchen ein exklusives Geschenk, das sich nur Wohlhabende leisten konnten. Oft wurden die Kunstwerke sogar zus\u00e4tzlich vergoldet. Jede Form trug eine klare soziale Botschaft:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00a0 Das Baby: Ein Geschenk der Taufpatin zur Geburt.<\/li>\n<li>\u00a0 Die Kutsche: Ein Hochzeitsgeschenk f\u00fcr das Brautpaar.<\/li>\n<li>\u00a0 Das Alphabet: Zur Einschulung, verbunden mit dem Wunsch, schnell lesen und schreiben zu lernen.<\/li>\n<li>\u00a0 Handschuhe: Ein Zeichen h\u00f6chster Wertsch\u00e4tzung und Respekt.<\/li>\n<li>\u00a0 Der leere Korb: \u201eWenn ein M\u00e4dchen einen Jungen nicht wollte, schenkte sie ihm einen Pfefferkuchen in Korbform\u201c, erkl\u00e4rt Ewa Giemza. \u201eDaher kommt die Redewendung \u201aeinen Korb geben\u2018 \u2013 bei uns hat das sprichw\u00f6rtlich mit dem Geb\u00e4ck angefangen.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Pfeffer f\u00fcr den Magen, Honig f\u00fcr die Hochzeit<\/h2>\n<p>Interessant ist auch der Ursprung des Namens: \u201ePfefferkuchen\u201c leitet sich tats\u00e4chlich vom Pfeffer ab. Da die Gew\u00fcrze aus dem Fernen Osten und der Honig extrem teuer waren, galt das Geb\u00e4ck als Luxusgut.<\/p>\n<div id=\"attachment_68532\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68532\" class=\"size-large wp-image-68532\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/2AiP5jMo-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/2AiP5jMo-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/2AiP5jMo-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/2AiP5jMo-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/2AiP5jMo.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-68532\" class=\"wp-caption-text\">Die antiken Originale der Holzmodeln sind in der Vitrine im Museum des Neust\u00e4dterlandes zu bewundern.<br \/>Foto: Manuela Leibig<\/p><\/div>\n<p>\u201eDie ersten Lebkuchen wurden in Kl\u00f6stern gebacken und in Apotheken gegen Magenbeschwerden verkauft, weil sie so viel Pfeffer enthielten\u201c, wei\u00df Giemza zu berichten. Man unterschied damals streng zwischen den essbaren \u201eMedizin-Lebkuchen\u201c und den dekorativen Bild-Lebkuchen aus den Holzmodeln.<\/p>\n<div id=\"attachment_68533\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68533\" class=\"size-large wp-image-68533\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/O6P6tHp0-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/O6P6tHp0-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/O6P6tHp0-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/O6P6tHp0-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/O6P6tHp0.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-68533\" class=\"wp-caption-text\">Ewa Giemza hilft den Kleinsten beim Teigausrollen<br \/>Foto: Manuela Leibig<\/p><\/div>\n<p>Eine besonders r\u00fchrende Tradition betraf die Geburt einer Tochter: \u201eWenn ein M\u00e4dchen geboren wurde, setzten die Eltern einen Lebkuchenteig an. Dieser lagerte dann so lange, bis das M\u00e4dchen heiratete \u2013 oft 15 oder 16 Jahre. Erst dann wurde er gebacken. Man sagt: Je \u00e4lter der Teig, desto besser der Pfefferkuchen.\u201c<\/p>\n<h2>\u201eKleine H\u00e4nde, gro\u00dfe Geschichte\u201c<\/h2>\n<p>Besonders viel Trubel herrscht im Museum, wenn die j\u00fcngsten Besucher kommen. Die Kindergartenkinder aus dem Kindergarten Nr. 3 in Neustadt (Gruppe S\u0142oneczka) beweisen, dass man kein Historiker sein muss, um die alten Modeln zu verstehen.<\/p>\n<div id=\"attachment_68530\" style=\"width: 732px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68530\" class=\" wp-image-68530\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/qZiQDnEU-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"722\" height=\"963\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/qZiQDnEU-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/qZiQDnEU-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/qZiQDnEU-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/qZiQDnEU.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 722px) 100vw, 722px\" \/><p id=\"caption-attachment-68530\" class=\"wp-caption-text\">Vom Klumpen zum Kunstwerk:\u00a0Unter fachkundiger Anleitung lernen die Kleinsten, wie man die speziellen Formen richtig f\u00fcllt.<br \/>Foto: Manuela Leibig<\/p><\/div>\n<p>Mit Begeisterung dr\u00fccken sie den Teig in die Formen, die schon ihre Ur-Ur-Urgro\u00dfeltern gekannt haben k\u00f6nnten. So wird aus der trockenen Museumsgeschichte ein Erlebnis, das man am Ende sogar mit nach Hause nehmen kann.<\/p>\n<div id=\"attachment_68534\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68534\" class=\"size-large wp-image-68534\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/m7Uct_54-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/m7Uct_54-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/m7Uct_54-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/m7Uct_54-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/m7Uct_54.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-68534\" class=\"wp-caption-text\">Die Kindergartenkinder aus dem Kindergarten Nr. 3 in Neustadt (Gruppe S\u0142oneczka) beweisen, dass man kein Historiker sein muss, um die alten Modeln zu verstehen.<br \/>Foto: Manuela Leibig<\/p><\/div>\n<h2>Neue Workshops ab November<\/h2>\n<p>Die Resonanz auf die Geschichte zum Anfassen (und Backen) ist riesig. Ob Kindergartenkinder, Sch\u00fcler oder Erwachsene \u2013 das Interesse an der eigenen Regionalgeschichte w\u00e4chst. Wer dieses Jahr keinen Platz mehr bei den Workshops gefunden hat, kann sich schon auf den Herbst freuen: das Museum plant, die Tradition fortzuf\u00fchren. Die neue Workshop-Reihe startet in der zweiten Novemberh\u00e4lfte, noch vor der Adventszeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Neustadt seine vergessene Pfefferkuchen-Tradition feiert Pfefferkuchen sind weit mehr als nur eine Weihnachtsleckerei \u2013 sie waren einst das \u201eSocial Media\u201c des Barock und sogar ein Heilmittel aus der Apotheke. Im Museum des Neust\u00e4dter Landes (Muzeum Ziemi Prudnickiej) ist letzte Woche eine besondere Workshop-Reihe zu Ende gegangen. 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