{"id":69808,"date":"2025-12-27T17:00:37","date_gmt":"2025-12-27T16:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/das-oberschlesische-pantheon-oder-die-polnische-sichtweise-2\/"},"modified":"2025-12-27T17:00:37","modified_gmt":"2025-12-27T16:00:37","slug":"das-oberschlesische-pantheon-oder-die-polnische-sichtweise-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/das-oberschlesische-pantheon-oder-die-polnische-sichtweise-2\/","title":{"rendered":"Das Oberschlesische Pantheon oder die polnische Sichtweise"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit Ryszard Kopiec, dem Direktor des Oberschlesischen Pantheons, sprach Andrea Polanski \u00fcber die Kontroversen um das historische Narrativ der Institution, die Grenzen ihres Statuts, die Kriterien f\u00fcr die Auswahl der zu ehrenden Pers\u00f6nlichkeiten und den Platz der oberschlesischen Identit\u00e4t in der vom Pantheon pr\u00e4sentierten Geschichte.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Noch bevor das Pantheon seine T\u00e4tigkeit aufnahm, gab es Kritik, die bis heute anh\u00e4lt. Der von Ihnen geleiteten Institution wird vorgeworfen, die Geschichte der Region zu verflachen, indem sie nur die polnische nationale Perspektive ber\u00fccksichtigt. Wie reagieren Sie auf diese Vorw\u00fcrfe? Ist das Oberschlesiertum nur eine Form der polnischen Identit\u00e4t oder ist die polnische Identit\u00e4t nur einer von vielen Aspekten der Identit\u00e4t dieser Region?<\/strong><\/p>\n<p>Das Oberschlesische Pantheon wurde zum Gedenken an den 100. Jahrestag der Eingliederung eines Teils Oberschlesiens in Polen gegr\u00fcndet, was sich auch in seiner Satzung widerspiegelt. Der T\u00e4tigkeitsbereich des Oberschlesischen Pantheons wurde in diesem Dokument sehr genau festgelegt. W\u00e4hrend der K\u00e4mpfe der Oberschlesier um einen Anschluss an Polen tauchte in der Presse eine abf\u00e4llige \u00c4u\u00dferung des britischen Premierministers Lloyd George auf: \u201eOberschlesien an Polen abzugeben, ist wie einem Affen eine Uhr zu geben\u201d. Der Dritte Schlesische Aufstand war einer von f\u00fcnf siegreichen Aufst\u00e4nden, die auf polnischem Gebiet stattfanden. Au\u00dferhalb Oberschlesiens wissen nur 10 % der heutigen Bev\u00f6lkerung \u00fcber diesen Aufstand Bescheid, daher lohnt es sich, diese historische Botschaft zu verbreiten.<\/p>\n<div id=\"attachment_68696\" style=\"width: 1210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68696\" class=\"wp-image-68696 size-full\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_2968.jpeg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"700\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_2968.jpeg 1200w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_2968-300x175.jpeg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_2968-1024x597.jpeg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_2968-768x448.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><p id=\"caption-attachment-68696\" class=\"wp-caption-text\">Ryszard Kopiec, Direktor des Oberschlesischen Pantheons. Foto: archidiecezjakatowicka.pl<\/p><\/div>\n<p>Die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Eingliederung Oberschlesiens in Polen waren erheblich. Polen entwickelte sich von einem Agrarland zu einem Industrie- und Agrarland. Nach hundert Jahren pr\u00e4sentiert das Pantheon eine vielschichtige Geschichte Oberschlesiens, geschrieben anhand der Lebensl\u00e4ufe seiner Bewohner, die eine Antwort auf die These von L. George darstellt. Das Pantheon zeigt einen Ausschnitt aus der Geschichte Oberschlesiens. Eine vollst\u00e4ndigere Darstellung der Geschichte der Region, die die Geschichte seit dem Mittelalter umfassen k\u00f6nnte, um alle kulturellen Kontexte aufzuzeigen, ist eine Aufgabe, die \u00fcber die Satzung und die organisatorischen und r\u00e4umlichen M\u00f6glichkeiten unserer Kulturinstitution hinausgeht. Ich denke, dass dies eine Aufgabe f\u00fcr das Schlesische Institut und das Schlesische Museum ist, deren Nutzfl\u00e4che und Personalbestand zehn Mal gr\u00f6\u00dfer sind als die des Pantheons.<\/p>\n<p><strong>Der Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen hat einen Antrag auf Ehrung von f\u00fcnf herausragenden Pers\u00f6nlichkeiten deutscher Nationalit\u00e4t aus Oberschlesien gestellt: Carl Ulitzka, Eduard Pant, Josef von Eichendorff, Johann Kroll und Ludwig Guttmann. Alle diese Kandidaturen wurden abgelehnt. Eduard Pant und Johann Kroll waren B\u00fcrger der Republik Polen und setzten sich im 20. Jahrhundert im Rahmen der demokratischen Freiheiten legal f\u00fcr ihre nationale Minderheit ein. Die Ablehnung ihrer Kandidaturen k\u00f6nnte den Eindruck erwecken, dass das Engagement f\u00fcr polnische Staatsb\u00fcrger anderer Nationalit\u00e4t als etwas angesehen wurde, das den Interessen Polens zuwiderlief und es nicht wert war, gew\u00fcrdigt zu werden. War dies tats\u00e4chlich die Absicht?<\/strong><\/p>\n<p>Das Verfahren zur Aufnahme einer Pers\u00f6nlichkeit in das Oberschlesische Pantheon ist in der Satzung festgelegt. Einer der Bestandteile des Verfahrens ist die Stellungnahme des Beratungsgremiums, dem Programmrat des Oberschlesischen Pantheons. Dem Rat geh\u00f6ren Vertreter der Organisatoren, Historiker, Kommunalpolitiker, Kultur-, Regional-, Religions- und Familiensoziologen an. Die Stellungnahme des Rates ist aus zwei Gr\u00fcnden wichtig: wegen ihres inhaltlichen Werts und wegen der Vertretung der Organisatoren. Der Rat hat die oben genannten Pers\u00f6nlichkeiten nicht akzeptiert, da ihre T\u00e4tigkeit nicht den satzungsm\u00e4\u00dfigen Zielen entspricht. In der vorgelegten Frage wurde zu Recht festgestellt, dass Eduard Pant und Johann Kroll \u201ef\u00fcr ihre nationale Minderheit\u201d t\u00e4tig waren. Kein Punkt der Satzung berechtigt zu einer positiven Bewertung dieser Pers\u00f6nlichkeiten. In der Ausstellung pr\u00e4sentieren wir jedoch Pers\u00f6nlichkeiten anderer Nationalit\u00e4ten, die sich f\u00fcr die polnische Identit\u00e4t Oberschlesiens eingesetzt haben.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Meiner Meinung nach definiert die Satzung des Pantheons, die sich auf das letzte Jahrhundert Oberschlesiens bezieht, die Ziele unserer Kultureinrichtung richtig.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Wenn die Satzung des Pantheons vorschreibt, dass nur Personen gew\u00fcrdigt werden d\u00fcrfen, die sich um das Polentum verdient gemacht haben und nach 1918 aktiv waren, wie kommt es dann, dass unter den Gew\u00fcrdigten mittelalterliche Heilige wie Hyazinth von Polen und Hedwig von Andechs sowie Pers\u00f6nlichkeiten wie Mutter Eva von Tiele-Winckler oder der 1916 verstorbene Rabbiner Jacob Cohn sind? Ist das nicht ein Zeichen von Inkonsequenz?<\/strong><\/p>\n<p>Die Abweichung vom satzungsm\u00e4\u00dfigen Ziel wurde von den Autoren des Programms bewusst vorgenommen und vom Programmrat akzeptiert. Die Unvereinbarkeit mit dem Narrativ der Ausstellung ist nur scheinbar. Dank dieser Retrospektive wird ein inhaltlicher Gewinn erzielt, der sich in die Logik des Narrativs einf\u00fcgt. Die Pr\u00e4senz der heiligen Hedwig dient dazu, die Haltungen der Protagonisten im 20. Jahrhundert auf vielf\u00e4ltige Weise zu veranschaulichen. Die heilige Hedwig ist eine vorbildliche, vielschichtige Figur, die die religi\u00f6se Botschaft und die sich daraus ergebenden Pflichten der Herzogin gegen\u00fcber ihrer multinationalen Untertanenschaft miteinander verbindet. Der heilige Hyazinth ist der Patron der Di\u00f6zese, und seine geistigen Erben sind die Bisch\u00f6fe, Priester und Ordensschwestern, die in der Ausstellung vertreten sind.<\/p>\n<p>Zu den ideellen Erben der heiligen Hedwig geh\u00f6rt zweifellos die \u201eschlesische Samariterin\u201d selige Maria Luise Merkert. Die selige M. L. Merkert war eine Frau mit gro\u00dfen Zielen, die sie konsequent verwirklichte. Im multikulturellen Schlesien gelang es ihr, Vorurteile, nationale und soziale Konflikte zu \u00fcberwinden. Wie es Erzbischof Alfons Nossol, der Hierarch von Oppeln, formulierte: \u201eSie half allen, deshalb respektierten und liebten sie nicht nur Katholiken, sondern auch Evangelische und Juden\u201d. Die Wirksamkeit ihres Handelns, die Anerkennung der W\u00fcrde jedes Menschen, unabh\u00e4ngig von seiner nationalen Zugeh\u00f6rigkeit oder seinem Verm\u00f6gensstatus, die sich aus dem christlichen Universalismus ergaben, sind Argumente, die f\u00fcr die Aufnahme dieser herausragenden Pers\u00f6nlichkeit in das Pantheon sprechen, trotz der zeitlichen Z\u00e4sur.<\/p>\n<p>Jacob Cohn war ein Vertreter der j\u00fcdischen Gemeinde, der als Rabbiner umfangreiche soziale und p\u00e4dagogische Aktivit\u00e4ten durchf\u00fchrte. Er gr\u00fcndete j\u00fcdische Organisationen, setzte sich aber gleichzeitig f\u00fcr die gesamte multikulturelle Gemeinschaft von Kattowitz ein. Die T\u00e4tigkeit von Rabbi Jacob Cohn war seiner Zeit voraus und f\u00fchrte zu einem interkulturellen Dialog in der Gemeinschaft Oberschlesiens. Wie in den vorangegangenen F\u00e4llen haben die Verfasser des Lexikons, die Autoren des Programms und der Programmrat des Oberschlesischen Pantheons diese Pers\u00f6nlichkeit ausgew\u00e4hlt, die bereits vor hundert Jahren die Ziele einer modernen, f\u00fcr andere Kulturen offenen Gesellschaft verwirklichen konnte.<\/p>\n<p><strong>Wenn es nach Ihnen ginge, w\u00fcrden Sie \u00c4nderungen in der Satzung des Pantheons bef\u00fcrworten, damit kritische Stimmen ber\u00fccksichtigt werden?<\/strong><\/p>\n<p>Meiner Meinung nach definiert die Satzung des Pantheons, die sich auf das letzte Jahrhundert Oberschlesiens bezieht, die Ziele unserer Kultureinrichtung richtig. Das Pantheon ist die einzige materielle Erinnerung an den hundertsten Jahrestag der Eingliederung eines Teils Oberschlesiens in Polen, der, wie ich bereits erw\u00e4hnt habe, sowohl f\u00fcr Polen als auch f\u00fcr Oberschlesien ein Wendepunkt war. Die Geschichte Oberschlesiens aus tschechischer und deutscher Sicht wird im Schlesischen Landesmuseum in Troppau in der Tschechischen Republik, im Schlesischen Museum in G\u00f6rlitz und im Oberschlesischen Landesmuseum in Ratingen erz\u00e4hlt. Jede dieser Einrichtungen erz\u00e4hlt die Geschichte Oberschlesiens aus der Sicht der tschechischen und deutschen Volksgruppe. Die Gesamtheit der Erz\u00e4hlungen bildet ein historisches Narrativ aus verschiedenen Blickwinkeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Ryszard Kopiec, dem Direktor des Oberschlesischen Pantheons, sprach Andrea Polanski \u00fcber die Kontroversen um das historische Narrativ der Institution, die Grenzen ihres Statuts, die Kriterien f\u00fcr die Auswahl der zu ehrenden Pers\u00f6nlichkeiten und den Platz der oberschlesischen Identit\u00e4t in der vom Pantheon pr\u00e4sentierten Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"author":261,"featured_media":68696,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4232],"tags":[1948,2310,4527,2940,2910,2911,4528,4529],"redaktor":[],"class_list":["post-69808","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-de","tag-gorny-slask","tag-historia-gornego-slaska","tag-katowice","tag-kattowitz","tag-oberschlesisches-pantheon","tag-panteon-gornoslaski","tag-ryszard-kopiec","tag-schlesiesche-geschichte"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69808","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/261"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69808"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69808\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68696"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69808"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69808"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69808"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=69808"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}