{"id":69803,"date":"2025-12-29T07:00:00","date_gmt":"2025-12-29T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/an-die-polnischen-opfer-der-deutschen-besatzung-wird-nun-auch-in-berlin-erinnert-2\/"},"modified":"2025-12-29T07:00:00","modified_gmt":"2025-12-29T06:00:00","slug":"an-die-polnischen-opfer-der-deutschen-besatzung-wird-nun-auch-in-berlin-erinnert-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/an-die-polnischen-opfer-der-deutschen-besatzung-wird-nun-auch-in-berlin-erinnert-2\/","title":{"rendered":"An die polnischen Opfer der deutschen Besatzung wird nun auch in Berlin erinnert"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Das Denkmal kommt<\/strong><\/h3>\n<p><strong>Mehr als 80 Jahre nach dem Ende der deutschen Gewaltherrschaft in Polen hat der Deutsche Bundestag einen historischen Schritt vollzogen. Am Mittwoch, dem 3. Dezember 2025, sprach sich das Parlament mit breiter Mehrheit f\u00fcr die Errichtung eines dauerhaften Gedenkorts f\u00fcr die polnischen Opfer des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besatzungsherrschaft von 1939 bis 1945 aus. Mit der verabschiedeten Resolution wird die Bundesregierung aufgefordert, unverz\u00fcglich die Planungsphase f\u00fcr das Projekt einzuleiten.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcr den Antrag der Koalitionsfraktionen CDU\/CSU und SPD stimmten neben den Antragstellern auch B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen und Die Linke. Die AfD enthielt sich mehrheitlich, zwei Abgeordnete stimmten gegen die Resolution. Damit erh\u00e4lt ein Vorhaben politische R\u00fcckendeckung, das seit Jahren von Historikern, Kulturschaffenden und engagierten Politikerinnen und Politikern gefordert wird.<\/p>\n<p>F\u00fcr Florian Mausbach, Stadtplaner und einer der Initiatoren des Denkmals, ist der Beschluss ein Moment besonderer Bedeutung.<\/p>\n<p>\u201cDie Bundestagsentscheidung f\u00fcr die Errichtung eines Polendenkmals in der Mitte Berlins ist Anlass zu Freude und Zuversicht,\u201d erkl\u00e4rt er. \u201cUnd f\u00fcr Dankbarkeit, denn den Bundestagsbeschluss g\u00e4be es nicht ohne die Beharrlichkeit der B\u00fcrgerinitiative und die vielf\u00e4ltige Unterst\u00fctzung aus der Mitte der deutschen Gesellschaft.\u201d<\/p>\n<h3><strong>Ein symboltr\u00e4chtiger Ort im Herzen Berlins<\/strong><\/h3>\n<p>Das Denkmal soll im Zentrum der Bundeshauptstadt entstehen, auf dem Gel\u00e4nde der fr\u00fcheren Krolloper, unmittelbar neben dem Kanzleramt und gegen\u00fcber dem Reichstag. Der Ort ist historisch hoch aufgeladen. Am 1. September 1939 verk\u00fcndete Adolf Hitler dort vor dem Reichstag den Angriff auf Polen und l\u00f6ste damit den Zweiten Weltkrieg in Europa aus. Seit Juni dieses Jahres erinnert an dieser Stelle ein provisorischer Gedenkstein an die polnischen Opfer, der nun durch ein dauerhaftes Denkmal ersetzt werden soll.<\/p>\n<div id=\"attachment_68936\" style=\"width: 662px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68936\" class=\" wp-image-68936\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Florian_Mausbach-1.jpg\" alt=\"\" width=\"652\" height=\"594\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Florian_Mausbach-1.jpg 823w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Florian_Mausbach-1-300x273.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Florian_Mausbach-1-768x700.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 652px) 100vw, 652px\" \/><p id=\"caption-attachment-68936\" class=\"wp-caption-text\">Florian_Mausbach<br \/>Foto: Wikipedia<\/p><\/div>\n<p>Mausbach unterstreicht die besondere Bedeutung dieses Standorts. Der geplante Gedenkort sei \u201eherausragend und einzigartig in seiner symbolischen staatspolitischen und historischen Bedeutung\u201c. Es sei genau dieser Ort der ehemaligen Krolloper gewesen, an dem Hitler den \u00dcberfall auf Polen verk\u00fcndet habe. \u201eAllein die Wahl dieses Ortes beweist, welche Bedeutung der Erinnerung an die polnischen Opfer deutscher Gewaltherrschaft beigemessen wird\u201c, so Mausbach.<\/p>\n<h3><strong>Geschichte eines langen Anlaufs<\/strong><\/h3>\n<p>Die Idee eines Polen-Denkmals in Berlin reicht mehrere Jahre zur\u00fcck. Am 15. November 2017 richteten zahlreiche Pers\u00f6nlichkeiten aus Politik und Gesellschaft einen \u00f6ffentlichen Aufruf an den Bundestag, darunter Florian Mausbach sowie die ehemaligen Bundestagspr\u00e4sidenten Rita S\u00fcssmuth und Wolfgang Thierse. Ziel war es, ein dauerhaftes Zeichen des Gedenkens an die polnischen Opfer der deutschen Besatzung zwischen 1939 und 1945 zu schaffen.<\/p>\n<p>\u00dcber Jahre hinweg blieb das Anliegen jedoch ohne parlamentarischen Beschluss. Dass dieser nun erst mehr als acht Jahrzehnte nach Kriegsende erfolgt, wird von vielen Unterst\u00fctzern als schmerzlich versp\u00e4tet empfunden. Zugleich markiert die Entscheidung einen Wendepunkt in der deutschen Erinnerungskultur, die die Verbrechen in Polen lange nur unzureichend thematisiert hat.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ff9900;\"><strong>\u201eDie Bundestagsentscheidung f\u00fcr die Errichtung eines Polendenkmals in der Mitte Berlins ist Anlass zu Freude und Zuversicht. Sie zeigt, dass die Erinnerung an die polnischen Opfer deutscher Gewaltherrschaft ernst genommen wird und gibt Hoffnung, dass aus uns Deutschen und Polen, den bis heute schwierigen Nachbarn, schlie\u00dflich gute und enge Freunde werden.\u201d<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #ff9900;\"><strong>\u2013 Florian Mausbach, Architekt und Initiator des Denkmals<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<h3><strong>Planung, Wettbewerb und Beteiligung Polens<\/strong><\/h3>\n<p>Die Resolution verpflichtet die Bundesregierung, einen internationalen architektonisch-k\u00fcnstlerischen Wettbewerb auszuschreiben. Dabei sollen polnische Expertinnen und Experten ausdr\u00fccklich beteiligt werden. Das Siegerkonzept ist dem Bundestag zur endg\u00fcltigen Zustimmung vorzulegen.<\/p>\n<p>In unmittelbarer N\u00e4he des Denkmals sollen zudem Informationsangebote entstehen, die \u00fcber die deutsche Besatzungsherrschaft in Polen informieren und das Gedenken vertiefen. Ziel ist es, das in Deutschland wenig verbreitete Wissen \u00fcber Ausma\u00df und Folgen der deutschen Verbrechen zu vermitteln und den historischen Kontext sichtbar zu machen.<\/p>\n<p>Ein verbindlicher Zeitplan ist bislang nicht festgelegt. Nach Angaben des Deutschland-Polen-Beauftragten der Bundesregierung, Knut Abraham (CDU), soll der Wettbewerb jedoch Anfang 2026 ausgeschrieben werden. Die Kosten f\u00fcr diese Phase werden auf 750.000 bis eine Million Euro gesch\u00e4tzt. Die Baufinanzierung soll voraussichtlich im Bundeshaushalt 2027 oder 2028 geregelt werden.<\/p>\n<h3><strong>Politisches Signal und Bildungsauftrag<\/strong><\/h3>\n<p>In der Bundestagsdebatte wurde die Errichtung des Denkmals vielfach als Geste der Vers\u00f6hnung beschrieben. Abraham sprach von einem besonderen Moment in den Beziehungen zu Polen. Deutschland wolle deutlich machen, dass es die polnischen Opfer betrauere, ihr Andenken ehre und sich der eigenen Schuld bewusst sei. Das Denkmal solle nicht nur erinnern, sondern auch einen klaren Bildungsauftrag erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Die Resolution betont ausdr\u00fccklich, dass die Verbrechen der deutschen Besatzungsherrschaft in Polen in Deutschland lange ein blinder Fleck geblieben seien. Dieser Mangel an Wissen habe auch zu politischer Ignoranz gegen\u00fcber den historischen Erfahrungen Polens beigetragen. Das Denkmal soll daher ein dauerhafter Ansto\u00df zur kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte sein.<\/p>\n<h3><strong>Kritik von rechts<\/strong><\/h3>\n<p>Scharfe Kritik kam aus den Reihen der AfD. Deren Abgeordneter G\u00f6tz Fr\u00f6mming erkl\u00e4rte, das Denkmal habe weder die polnischen Reparationsforderungen verstummen lassen noch die bilateralen Beziehungen verbessert. Er forderte zudem, die Geschichte deutscher Opfer von Flucht und Vertreibung st\u00e4rker zu ber\u00fccksichtigen, und stellte grunds\u00e4tzlich infrage, warum immer neue Denkm\u00e4ler entst\u00fcnden, die deutscher Verbrechen gedenken.<\/p>\n<div id=\"attachment_68725\" style=\"width: 738px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68725\" class=\" wp-image-68725\" src=\"https:\/\/wochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_0812_3-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"728\" height=\"546\" \/><p id=\"caption-attachment-68725\" class=\"wp-caption-text\">Pomnik ma powsta\u0107 w centrum stolicy Niemiec, na terenie dawnej Opery Krolla, tu\u017c obok Urz\u0119du Kanclerskiego i naprzeciwko Reichstagu. To miejsce o wyj\u0105tkowym znaczeniu historycznym.<br \/>Symbolischer \u201eGedenkort f\u00fcr Polen 1939 bis 1945\u201c in der Heinrich-von-Gagern-Stra\u00dfe.<br \/>Foto: A. Polanski<\/p><\/div>\n<p>Diese Position blieb im Parlament jedoch klar in der Minderheit. Von der AfD stimmten lediglich zwei Abgeordnete gegen die Resolution, die \u00fcbrigen enthielten sich.<\/p>\n<h3><strong>Ein Deutsch-Polnisches Haus und der Blick nach vorn<\/strong><\/h3>\n<p>Neben dem Denkmal sieht der Bundestagsbeschluss auch die Einrichtung eines Deutsch-Polnischen Hauses vor. Gemeinsam mit dem Land Berlin soll ein geeigneter Standort gefunden werden. Das Haus soll ein Ort der Begegnung, des Dialogs und der historisch-politischen Bildung werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr Florian Mausbach verbindet sich mit dem Denkmal eine langfristige Hoffnung. Die Entscheidung lasse \u201ef\u00fcr die Zukunft hoffen auf einen grundlegenden Wandel der deutsch-polnischen Beziehungen\u201c. Er zeigte sich \u00fcberzeugt, dass das Gedenken \u00fcber die Erinnerung hinauswirken k\u00f6nne: So wie er an ein w\u00fcrdiges Polendenkmal geglaubt habe, glaube er auch daran, \u201edass aus uns Deutschen und Polen, den bis heute schwierigen Nachbarn, schlie\u00dflich gute und enge Freunde werden\u201c.<\/p>\n<p>Mit dem Bundestagsbeschluss ist dieser Weg nun offiziell eingeschlagen. Das Denkmal in der Mitte Berlins soll k\u00fcnftig nicht nur an die polnischen Opfer des deutschen Faschismus erinnern, sondern auch Mahnung, Verpflichtung und Ausgangspunkt f\u00fcr eine vertiefte deutsch-polnische Verst\u00e4ndigung sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Denkmal kommt Mehr als 80 Jahre nach dem Ende der deutschen Gewaltherrschaft in Polen hat der Deutsche Bundestag einen historischen Schritt vollzogen. Am Mittwoch, dem 3. 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