{"id":69788,"date":"2025-12-31T11:00:49","date_gmt":"2025-12-31T10:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/mit-punsch-und-pfannkuchen-ins-neue-jahr-2\/"},"modified":"2025-12-31T11:00:49","modified_gmt":"2025-12-31T10:00:49","slug":"mit-punsch-und-pfannkuchen-ins-neue-jahr-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/mit-punsch-und-pfannkuchen-ins-neue-jahr-2\/","title":{"rendered":"Mit Punsch und Pfannkuchen ins Neue Jahr"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Wenn die Uhren Mitternacht schlagen<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Die Silvesternacht verbrachte man in Schlesien fr\u00fcher meist ruhig \u2013 im Kreis der Familie und von Freunden, zu Hause. Nicht selten sogar ganz \u201eim wei\u00dfen Saal\u201c, also \u201eim Bett\u201c. Auf der anderen Seite fehlte es jedoch auch nicht an lauter Unterhaltung bei festlichen B\u00e4llen. Davon berichtet die historische Presse, in der Hotels, Restaurants und Caf\u00e9s zu Tanzvergn\u00fcgen und feiner K\u00fcche einluden. Musikliebhaber konnten die letzte Nacht des Jahres ebenso bei Konzerten verbringen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wie man sieht, hat sich bis heute gar nicht so viel ver\u00e4ndert \u2013 auch wenn schlesische Rituale und typische Speisen zum Jahresende offenbar nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich zum Abschied vom alten und zur Begr\u00fc\u00dfung des neuen Jahres geh\u00f6ren. Die Gegenwart sucht nach Originalit\u00e4t, nach dem Anderen. Wiederholung und die sorgf\u00e4ltige Weitergabe von Traditionen r\u00fccken dabei in den Hintergrund und strapazieren den ohnehin feinen Faden der Kontinuit\u00e4t von Ort und Zeit.<br \/>\nUnd was w\u00e4re, wenn wir einen Sprung auf die andere Seite des schlesischen Spiegels wagten?<br \/>\nWas w\u00fcrden wir dort sehen?<\/p>\n<div id=\"attachment_68775\" style=\"width: 1090px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68775\" class=\"size-full wp-image-68775\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Canva-aus-der-Presse-2.png\" alt=\"\" width=\"1080\" height=\"1080\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Canva-aus-der-Presse-2.png 1080w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Canva-aus-der-Presse-2-300x300.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Canva-aus-der-Presse-2-1024x1024.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Canva-aus-der-Presse-2-150x150.png 150w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Canva-aus-der-Presse-2-768x768.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1080px) 100vw, 1080px\" \/><p id=\"caption-attachment-68775\" class=\"wp-caption-text\">Zeitungsausschnitte aus der alten schlesischen Presse. Quelle: M. Janik<\/p><\/div>\n<h3><strong>Am Zielbahnhof in Oderberg<\/strong><\/h3>\n<p>Dem Neuen Jahr entgegen und zwar im Bahnpostwagen, machte sich die Besatzung p\u00fcnktlich um Mitternacht mit dem Zug von Berlin \u00fcber Breslau nach Oderberg (Bohum\u00edn) auf den Weg und brachte nach Schlesien Briefe, Neujahrsw\u00fcnsche sowie die allerneueste Presse. Dar\u00fcber berichtet ausf\u00fchrlich die Schlesische Chronik (1912, Nr. 7). Das Zugpersonal, das sp\u00e4t am Abend noch vom h\u00e4uslichen Punsch und von s\u00fc\u00dfen Pfannkuchen losgerissen worden war, eilte auf dem Bahnhof umher, verlud eilig die Sendungen und h\u00f6rte schlie\u00dflich das Schlagen der Glocken und Uhren sowie den Ruf aus tausenden Kehlen: \u201eProsit Neujahr!\u201c. Die Postbeamten sch\u00fcttelten einander die H\u00e4nde, manche nahmen einen Schluck aus der Silvesterflasche, die sie vorsorglich mitgef\u00fchrt hatten. Als sie in den fr\u00fchen Morgenstunden den Hauptbahnhof in Breslau erreichten, bot sich ihnen ein reger Betrieb und eine schier endlose Reihe von Postkarren, die auf die \u00dcbernahme der Fracht warteten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-68773\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/SBC-Oberschlesien-im-Bild-1930-nr-1.png\" alt=\"\" width=\"522\" height=\"373\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/SBC-Oberschlesien-im-Bild-1930-nr-1.png 522w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/SBC-Oberschlesien-im-Bild-1930-nr-1-300x214.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 522px) 100vw, 522px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Zielbahnhof in Oderberg angekommen, begr\u00fc\u00dften die Mitarbeiter das Neue Jahr 1912 mit einem Trinkspruch und begaben sich zur Ruhe. Am Abend stand bereits die R\u00fcckfahrt nach Berlin an \u2013 wiederum mit keineswegs geringerer Ladung, denn Neujahrsw\u00fcnsche und Gl\u00fcckwunschschreiben waren weiterhin unterwegs, nun in entgegengesetzter Richtung, nach Berlin.<\/p>\n<h3><strong>Prosit Neujahr!<\/strong><\/h3>\n<p>In den letzten Stunden des alten Jahres hatten auch die schlesischen Redaktionen alle H\u00e4nde voll zu tun. Bis zur letzten Minute nahmen sie Anzeigen mit Neujahrsgr\u00fc\u00dfen entgegen. In der historischen Presse, die ich anl\u00e4sslich des Jahreswechsels gr\u00fcndlich durchgesehen habe, fallen besonders die Dankesworte und W\u00fcnsche von Privatpersonen, aber auch von lokalen Unternehmern ins Auge. Sie richteten sich an Freunde, Bekannte, nahe und ferne, ebenso an Kundinnen und Kunden. Es war offensichtlich eine jener Traditionen, die die heutige digitale Generation wohl staunen lie\u00dfe. Die heutigen Technologien sind zwar schnell, doch ebenso fl\u00fcchtig. Das gedruckte Wort vergangener Zeiten hingegen bietet eine reiche Quelle an Informationen dar\u00fcber, was wir heute \u201eMarketing\u201c und \u201ePublic Relations\u201c nennen w\u00fcrden, aber ebenso \u00fcber Geschichte und Alltagsgewohnheiten jener Epoche. Aus unz\u00e4hligen Anzeigen, Reklamen, Einladungen, Fotos und Berichten habe ich \u2013 wie aus Puzzleteilen \u2013 ein schlesisches Silvester- und Neujahrsbild sowie eine regionale Festtagsspeisekarte zusammengesetzt. Daraus kann sich jede und jeder nehmen, was ihm beliebt, und f\u00fcr einen Moment das Gef\u00fchl haben, als sei die Zeit um etwas mehr als hundert Jahre zur\u00fcckgedreht worden. Und man m\u00f6chte mit den Ururgro\u00dfeltern aus voller Kehle einstimmen: \u201eProsit Neujahr!\u201c<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ff9900;\"><strong>Edelster Silvesterschmaus war und blieb jedoch der Karpfen, blau oder in Bierso\u00dfe. Er galt als ein Gl\u00fcckbringer erster Ordnung.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Einen interessanten Brauch fand ich im Isergebirge. Da wurde am letzten Jahrestag vielfach zum Abendbrot von jeder im Hause befindlichen Speise aufgetragen. Wer von allen Gerichten etwas nahm, hatte im neuen Jahr keine Nahrungssorgen. Jedenfalls musste man sich am Silvesterabend satt essen, sonst musste man das ganze Jahr hungern.<br \/>\nEins stand auch fest: Die Feste soll man ansonsten feiern, wie sie fallen! Was w\u00e4re aber ein Fest ohne gute Getr\u00e4nke? Um 12 Uhr nachts erfolgte also die Verabschiedung des alten Jahres mit Grogg oder Silvesterpunsch. Der Name stammt vom Sanskritwort \u201epa\u00f1ca\u201c und bedeutet \u201ef\u00fcnf\u201c. Das Getr\u00e4nk besteht n\u00e4mlich aus f\u00fcnf Zutaten, und zwar aus Tee, Zitronensaft, Zucker, Rum und Wasser.<\/p>\n<div id=\"attachment_68774\" style=\"width: 1090px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68774\" class=\"size-full wp-image-68774\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Canva-aus-der-Presse-1.png\" alt=\"\" width=\"1080\" height=\"1080\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Canva-aus-der-Presse-1.png 1080w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Canva-aus-der-Presse-1-300x300.png 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Canva-aus-der-Presse-1-1024x1024.png 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Canva-aus-der-Presse-1-150x150.png 150w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Canva-aus-der-Presse-1-768x768.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1080px) 100vw, 1080px\" \/><p id=\"caption-attachment-68774\" class=\"wp-caption-text\">Neujahr und Silvester in der alten schlesischen Presse. Quelle: M. Janik<\/p><\/div>\n<h3><strong>Fette Pfannkuchen<\/strong><\/h3>\n<p>Zur Jahresschlussfeier geh\u00f6rt ferner S\u00fc\u00dfes. Ob in Caf\u00e9s oder bei Silvesterb\u00e4llen, genossen die G\u00e4ste fette Pfannkuchen, mit oder ohne F\u00fcllung. Man feierte ansonsten zu Hause, und viele Hausfrauen sahen ihre Ehre und ihren Stolz darin, allen lieben Verwandten und Bekannten selbstgebackenes Silvestergeb\u00e4ck vorzusetzen. Es waren Silvesterpfannkuchen, Mohnkl\u00f6\u00dfe, Mohnstriezel oder Mohnnudeln. Der gl\u00fcckbringende Mohn war in Schlesien Hauptzutat des Silvestergeb\u00e4cks.<\/p>\n<p>Edelster Silvesterschmaus war und blieb jedoch der Karpfen, blau oder in Bierso\u00dfe. Er galt als ein Gl\u00fcckbringer erster Ordnung. Eine einzige Karpfenschuppe w\u00e4hrend der Silvesternacht in die Geldtasche gesteckt, <strong>hat man<\/strong> das ganze Jahr etwas darin, mindestens \u2013 die Karpfenschuppe.<br \/>\nNicht zuletzt war der Hering im Heringssalat als Silvestergericht beliebt. Jede Hausfrau hatte hierf\u00fcr wohl ihr Rezept. Gr\u00fcne Bratheringe und nat\u00fcrlich Wei\u00df-Bratwurst mit Sauerkraut und Kartoffelsalat durften in dieser Nacht auch nicht fehlen.<\/p>\n<h4><strong>Hier noch zum feinen Abschluss ein historisches Pfannkuchenrezept:<\/strong><\/h4>\n<p><strong>Wir brauchen:<\/strong><br \/>\n<strong>1 Pfund Mehl, 125 g Butter, 125 g Zucker, 1 Eigelb, 30 g Hefe, 250 ml Milch.<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst setzt man ein \u00fcbliches Hefest\u00fcck oder einen Vorteig an, der an einem warmen Ort gehen muss. Dazu kommt der in lauwarmer Milch aufgel\u00f6ste Zucker nebst Eigelb, und dieser Teig wird t\u00fcchtig abgeschlagen. Jetzt kommt die aufgel\u00f6ste Butter dazu, und der Teig wird verarbeitet, bis er Blasen wirft. Nachdem er noch eine Stunde gegangen ist, wird er auf einem bemehlten Brett kleinfingerdick ausgerollt und zu runden Platten ausgestochen. Auf jede Platte ein H\u00e4ufchen Marmelade, dar\u00fcber eine zweite Platte, und an den R\u00e4ndern zusammendr\u00fccken. Noch einmal gehen lassen, und dann in siedendem Fett schwimmend ausbacken, mit Zucker bestreuen oder mit Zuckerglasur \u00fcbergie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn die Uhren Mitternacht schlagen Die Silvesternacht verbrachte man in Schlesien fr\u00fcher meist ruhig \u2013 im Kreis der Familie und von Freunden, zu Hause. Nicht selten sogar ganz \u201eim wei\u00dfen Saal\u201c, also \u201eim Bett\u201c. Auf der anderen Seite fehlte es jedoch auch nicht an lauter Unterhaltung bei festlichen B\u00e4llen. 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