{"id":69679,"date":"2026-01-06T05:06:50","date_gmt":"2026-01-06T04:06:50","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/pfefferkuchen-und-die-heiligen-drei-konige\/"},"modified":"2026-01-06T05:06:50","modified_gmt":"2026-01-06T04:06:50","slug":"pfefferkuchen-und-die-heiligen-drei-konige","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/pfefferkuchen-und-die-heiligen-drei-konige\/","title":{"rendered":"Pfefferkuchen und die Heiligen Drei K\u00f6nige"},"content":{"rendered":"<h1>Mit Pfefferlohn, K\u00f6nigskuchen und Krone<\/h1>\n<p><strong>Das allgemein bekannte polnische Sprichwort \u201eWas hat der Pfefferkuchen mit der Windm\u00fchle zu tun?\u201c f\u00fcgt sich geradezu ideal in eine Frage ein, die mich in den letzten Tagen besch\u00e4ftigt hat. N\u00e4mlich: Was hat es eigentlich mit dem Pfefferkuchen und dem Fest der Heiligen Drei K\u00f6nige auf sich? Die Antwort ist alles andere als offensichtlich und f\u00fchrt uns sowohl zum Begriff des Pfefferkuchens selbst als auch zu den Br\u00e4uchen des zweiten Weihnachtstages und des Dreik\u00f6nigsfestes.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Der Brauch des Pfefferns<\/h2>\n<p>Bereits im Mittelalter war es \u00fcblich, Freunde und Bekannte zu \u201epfeffern\u201c, also sich gegenseitig mit derben Sp\u00e4\u00dfen zu \u00fcberraschen. Eltern weckten ihre Kinder \u2013 und nicht selten umgekehrt die Kinder ihre Eltern \u2013 aus dem Morgenschlaf, indem sie sie mit Ruten aus Wacholder- oder Ebereschenzweigen schlugen.<\/p>\n<div id=\"attachment_68919\" style=\"width: 701px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68919\" class=\" wp-image-68919\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Dreikoenigskuchen-Quelle-Wikipedia-Eigenes-Werk-Marianne-Casamance-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"691\" height=\"460\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Dreikoenigskuchen-Quelle-Wikipedia-Eigenes-Werk-Marianne-Casamance-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Dreikoenigskuchen-Quelle-Wikipedia-Eigenes-Werk-Marianne-Casamance-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Dreikoenigskuchen-Quelle-Wikipedia-Eigenes-Werk-Marianne-Casamance-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Dreikoenigskuchen-Quelle-Wikipedia-Eigenes-Werk-Marianne-Casamance.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 691px) 100vw, 691px\" \/><p id=\"caption-attachment-68919\" class=\"wp-caption-text\">Dreik\u00f6nigskuchen, Quelle: Wikipedia, Eigenes Werk Marianne Casamance<\/p><\/div>\n<p>M\u00e4dchen und Jungen schlugen sich mit den harten Zweigen, die man Lebensrute oder Pfeffergerte nannte. Der Schlag sollte Kraft, Segen und Gesundheit bringen. H\u00e4ufig begleiteten diesen Brauch Spr\u00fcche:<\/p>\n<blockquote><p>Ich pfeffere dich aus Herzensgrund,<br \/>\nGott lass\u2019 dich, junger Mensch, gesund.<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Gegenzug erwartete man f\u00fcr das Auspeitschen mit der Rute eine Belohnung \u2013 den sogenannten Pfefferlohn \u2013, wobei man antwortete:<\/p>\n<blockquote><p>Pfeffer, D\u00e4ngel, Durscht \u2013 Geld oder \u2019ne Wurscht!<\/p><\/blockquote>\n<p>Die so \u201eGepfefferten\u201c \u00fcberreichten dem Pfefferer den Pfefferlohn, etwa Kuchen oder kleines Geb\u00e4ck, und revanchierten sich ebenfalls mit einem Reim:<\/p>\n<p>Dieser Kuchen schmecke dir<br \/>\nwie ein s\u00fc\u00dfer Kuss von mir.<br \/>\nWo zwei Herzen eng und zart,<br \/>\nwird viel Holz und Licht gespart.<br \/>\nAuf diesem Kuchen kannst du lesen:<br \/>\nIch bin dir immer treu gewesen.<\/p>\n<p>Der oben beschriebene Brauch, dokumentiert im Der Oberschlesische Wanderer (1936, Nr. 355), wurde mit Unterbrechungen noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gepflegt.<\/p>\n<h2>Der Dreik\u00f6nigskuchen und seine K\u00f6nige<\/h2>\n<p>Ein anderer Brauch hingegen, der genau am 6. Januar begann, dauerte deutlich l\u00e4nger \u2013 mitunter sogar einen ganzen Monat. In der Katowitzer Zeitung (1924, Nr. 1) lesen wir von Umz\u00fcgen und Paraden, die zu jener Zeit teilweise verboten waren, aber auch vom Dreik\u00f6nigskuchen, in den eine Bohne eingebacken wurde.<\/p>\n<div id=\"attachment_68917\" style=\"width: 354px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68917\" class=\"size-full wp-image-68917\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/SDB-Deutsches-Reichs-Adressbuch-fuer-Industrie-Gewerbe-Handel.-Bd.-IV.-Adressen-Verzeichnis-1938.png\" alt=\"\" width=\"344\" height=\"180\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/SDB-Deutsches-Reichs-Adressbuch-fuer-Industrie-Gewerbe-Handel.-Bd.-IV.-Adressen-Verzeichnis-1938.png 344w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/SDB-Deutsches-Reichs-Adressbuch-fuer-Industrie-Gewerbe-Handel.-Bd.-IV.-Adressen-Verzeichnis-1938-300x157.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 344px) 100vw, 344px\" \/><p id=\"caption-attachment-68917\" class=\"wp-caption-text\">SDB Deutsches Reichs-Adressbuch f\u00fcr Industrie, Gewerbe, Handel. Bd. IV. Adressen-Verzeichnis 1938<\/p><\/div>\n<p>Wer sie in seinem Kuchenst\u00fcck fand, wurde zum K\u00f6nig oder zur K\u00f6nigin gek\u00fcrt, brachte einen Trinkspruch aus und buk in den folgenden Tagen selbst einen Kuchen \u2013 wiederum mit Bohne oder einem anderen Talisman. So wiederholte sich die Geschichte, sodass w\u00e4hrend der gesamten Karnevalszeit immer neue K\u00f6nige und K\u00f6niginnen mit der Gemeinschaft feierten und selbstverst\u00e4ndlich den n\u00e4chsten Dreik\u00f6nigskuchen backten.<\/p>\n<h2>Zwischen Tradition und Vergessen<\/h2>\n<p>In der heutigen europ\u00e4ischen Kultur findet sich dieser Brauch unter anderem in Frankreich, Spanien, Italien oder der Schweiz wieder. Nicht immer ist es dabei eine Bohne \u2013 es kann ebenso eine M\u00fcnze, eine Mandel oder eine Porzellanfigur sein. Schwer zu sagen, wo hier die jahrhundertealte Tradition endet, die weltliche, ja beinahe heidnische Elemente mit religi\u00f6sen verbindet, und wo die Kommerzialisierung beginnt.<\/p>\n<div id=\"attachment_68918\" style=\"width: 768px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68918\" class=\" wp-image-68918\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Pixabay-Bild-von-anncapictures-1024x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"758\" height=\"758\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Pixabay-Bild-von-anncapictures-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Pixabay-Bild-von-anncapictures-300x300.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Pixabay-Bild-von-anncapictures-150x150.jpg 150w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Pixabay-Bild-von-anncapictures-768x768.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Pixabay-Bild-von-anncapictures-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Pixabay-Bild-von-anncapictures-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 758px) 100vw, 758px\" \/><p id=\"caption-attachment-68918\" class=\"wp-caption-text\">K\u00f6nigskuchen<br \/>Foto: Pixabay, Bild von anncapictures<\/p><\/div>\n<p>Sicher ist jedoch, dass das Feiern und die Karnevalsspiele einst die dunkle Winterzeit und die langen Abende erhellten, heute aber im Zuge kultureller Ver\u00e4nderungen weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Umso spektakul\u00e4rer werden dagegen die Dreik\u00f6nigsumz\u00fcge von Jahr zu Jahr.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Bereits im Mittelalter war es \u00fcblich, Freunde und Bekannte zu \u201epfeffern\u201c, also sich gegenseitig mit derben Sp\u00e4\u00dfen zu \u00fcberraschen.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die kulinarische Tradition hingegen ist im Strudel der Geschichte verblasst. Und es bleibt die Frage, welche Variante des Dreik\u00f6nigskuchens besser zur historischen oder zur heutigen schlesischen Landschaft passt: Pfeffer-, Hefe-, Sand- oder doch der K\u00f6nigskuchen?<\/p>\n<h2>Der K\u00f6nigskuchen in Schlesien<\/h2>\n<p>Dabei w\u00e4re zu bedenken, dass die erste historische Erw\u00e4hnung des Brauchs, eine Bohne oder M\u00fcnze in den K\u00f6nigskuchen einzubacken, in einem Werk zu finden ist, das die Sitten, Gesetze und Br\u00e4uche aller V\u00f6lker beschreibt: Johannes B\u00f6hms Mores leges et ritus omnium gentium (1541). Vielleicht also doch der K\u00f6nigskuchen? Rezepte finden sich in alten schlesischen Kochb\u00fcchern, die sich lediglich in kleinen Details der Zutaten unterscheiden. Die einst t\u00e4tigen Fabriken, die sich auf die Herstellung dieses Geb\u00e4cks spezialisierten, sind ein weiterer Beleg f\u00fcr seine bedeutende Rolle im Alltag der Region. Auch in den Katalogen zahlreicher schlesischer Hersteller von Backformen finden sich spezielle Formen f\u00fcr den K\u00f6nigskuchen. All dies zeigt deutlich, dass er \u2013 \u00e4hnlich wie der Pfefferkuchen und keineswegs nur zum Dreik\u00f6nigsfest \u2013 ein wesentlicher Bestandteil der Kultur des alten Schlesiens war.<\/p>\n<h3>Rezept f\u00fcr den K\u00f6nigskuchen<\/h3>\n<p>Zum Backen des K\u00f6nigskuchens ben\u00f6tigen wir:<br \/>\n375 g Butter<br \/>\n375 g Zucker<br \/>\n6 Eigelb und Schnee<br \/>\n2 ganze Eier<br \/>\n250 g Weizenmehl<br \/>\n125 g Kartoffelmehl<br \/>\n\u00bd P\u00e4ckchen Backpulver<br \/>\nSaft von 1 Zitrone, Schale von \u00bd Zitrone<br \/>\n2 EL Rum<br \/>\n75 g Mandeln<br \/>\n50 g Zitronat<br \/>\n175 g Korinthen<br \/>\nzus\u00e4tzlich: 1 Bohne \/ evtl. 1 M\u00fcnze<\/p>\n<p>Butter, Zucker, Eier und Eigelb 20\u201330 Minuten schaumig r\u00fchren.<br \/>\nDas mit Mehl gesiebte Backpulver abwechselnd mit Zitronensaft und Rum dazugeben.<br \/>\nZitronenschale und Mandeln hinzuf\u00fcgen. Den steifen Eierschnee unterziehen. Die mit Mehl best\u00e4ubten Korinthen untermischen. Eine Bohne oder M\u00fcnze in den Teig legen.<br \/>\nDen Teig in der gefetteten Backform 1 bis 1\u00bc Stunden bei anfangs nicht zu starker Hitze backen.<br \/>\n15\u201320 Minuten abk\u00fchlen lassen, ehe der Kuchen gest\u00fcrzt wird.<br \/>\nEine Krone aus Papier auf den Kuchen legen und mit Freunden am 6. Januar den K\u00f6nig w\u00e4hlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Pfefferlohn, K\u00f6nigskuchen und Krone Das allgemein bekannte polnische Sprichwort \u201eWas hat der Pfefferkuchen mit der Windm\u00fchle zu tun?\u201c f\u00fcgt sich geradezu ideal in eine Frage ein, die mich in den letzten Tagen besch\u00e4ftigt hat. N\u00e4mlich: Was hat es eigentlich mit dem Pfefferkuchen und dem Fest der Heiligen Drei K\u00f6nige auf sich? Die Antwort ist [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":68918,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4224],"tags":[3899,3900,3901,3902,3903,3856,3003,3904,2097],"redaktor":[],"class_list":["post-69679","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-de","tag-6-januar","tag-bohne","tag-brauch","tag-drei-koenige","tag-dreikoenigskuchen","tag-nwboninstagram","tag-pfefferkuchen","tag-pfeffern","tag-rezept"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69679","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69679"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69679\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68918"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69679"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69679"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69679"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=69679"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}