{"id":69666,"date":"2026-01-08T10:30:30","date_gmt":"2026-01-08T09:30:30","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/deutsch-polnisches-barometer-2025-teil-1-2\/"},"modified":"2026-01-08T10:30:30","modified_gmt":"2026-01-08T09:30:30","slug":"deutsch-polnisches-barometer-2025-teil-1-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/deutsch-polnisches-barometer-2025-teil-1-2\/","title":{"rendered":"Deutsch-Polnisches Barometer 2025 &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<h1>Wenden sich Polen von Deutschland ab?<\/h1>\n<p><strong>Seit 25 Jahren sammelt und ver\u00f6ffentlicht das Deutsch-Polnische Barometer regelm\u00e4\u00dfig Meinungen von Polinnen und Polen sowie Deutschen zu ihrem gegenseitigen Image, zum Zustand der deutsch-polnischen Beziehungen und zu aktuellen Herausforderungen. Wie sah die Lage im Jahr 2025 aus? Antworten darauf liefert Agnieszka \u0141ada-Konefa\u0142, Autorin der Studie und stellvertretende Direktorin des Deutschen Polen-Instituts.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nach der Ver\u00f6ffentlichung der aktuellen Ergebnisse stellten sich viele die Frage: M\u00f6gen die Polen die Deutschen nicht mehr? Das Barometer zeigt, dass nur noch ein Drittel der Polinnen und Polen (32 %) Sympathie f\u00fcr Deutsche empfindet. Im Vergleich zu fr\u00fcheren Erhebungen ist das ein deutlicher Stimmungsumschwung. Nach mehreren Jahren eines Aufw\u00e4rtstrends markiert dieser Wert einen starken R\u00fcckgang positiver Gef\u00fchle gegen\u00fcber dem westlichen Nachbarn. Zugleich ist der Anteil derjenigen, die offen Ablehnung \u00e4u\u00dfern, mit 25 % so hoch wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr &#8211; jeder vierte Pole steht Deutschland negativ gegen\u00fcber. Ist nun der Tiefpunkt erreicht?<\/p>\n<p>\u201eIch hoffe, dass sich diese Werte nicht noch weiter verschlechtern\u201c, betont Agnieszka \u0141ada-Konefa\u0142. \u201eLeider wird dieser Zustand durch viele Faktoren verursacht, die sich in naher Zukunft nicht unbedingt verbessern werden.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_68957\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68957\" class=\" wp-image-68957\" src=\"https:\/\/wochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Agnieszka-Lada-Konefal-\u2013-Andrea-Polanski-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"960\" \/><p id=\"caption-attachment-68957\" class=\"wp-caption-text\">Agnieszka \u0141ada-Konefa\u0142 Foto: Andrea Polanski<\/p><\/div>\n<p>Als Ursachen f\u00fcr diese Haltung gelten unter anderem der Einfluss sozialer Medien, die zunehmende politische Polarisierung sowie der Unterschied zwischen der pauschalen Wahrnehmung \u201eder Deutschen\u201c und der Akzeptanz einzelner Menschen. In Polen ist die Schule mit 37 % die wichtigste Informationsquelle \u00fcber Deutschland, seine Gesellschaft und Kultur. Gleichzeitig greifen Polinnen und Polen deutlich h\u00e4ufiger als Deutsche auf Internetportale, Filme, Fernsehserien und soziale Netzwerke zur\u00fcck, um sich \u00fcber das Nachbarland zu informieren. Laut \u0141ada-Konefa\u0142 kommt der Politik dabei eine Schl\u00fcsselrolle zu:<\/p>\n<p>\u201eDie polnische Politik, oder besser gesagt die Politiker, spielen dabei eine entscheidende Rolle. Jeder dritte befragte Pole gibt an, sein Wissen \u00fcber Deutschland aus Aussagen von Politikern zu beziehen. Und diese, insbesondere diejenigen aus dem rechten politischen Spektrum, \u00e4u\u00dfern sich, wie andere Analysen des DPI zeigen, nicht unbedingt objektiv \u00fcber Deutschland, sondern bedienen sich oft Stereotypen oder bezeichnen Deutschland sogar als Feind.\u201c<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #ffcc00;\">\u201eNach mehreren Jahren eines Aufw\u00e4rtstrends markiert dieser Wert einen starken R\u00fcckgang positiver Gef\u00fchle gegen\u00fcber dem westlichen Nachbarn.\u201c<\/span><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In Deutschland fallen die Ergebnisse der Studie deutlich positiver aus. 42 % der Deutschen empfinden Sympathie f\u00fcr Polen, also genauso viele wie im Jahr 2022. Der Anteil derjenigen, die Abneigung \u00e4u\u00dfern, ist hingegen sp\u00fcrbar gesunken und liegt bei nur noch 9 %.<\/p>\n<h2>Unterschied zwischen allgemeiner und pers\u00f6nlicher Sicht<\/h2>\n<p>Einen erheblichen Einfluss auf die gegenseitige Wahrnehmung hat zudem ein Aufenthalt im Nachbarland. Personen, die das andere Land besucht haben, bekunden mehr Sympathie f\u00fcr ihre Nachbarn und zeigen eine h\u00f6here Akzeptanz in unterschiedlichen sozialen Rollen.<\/p>\n<p>Dabei zeigt sich erneut eine klare Differenz zwischen allgemeiner und pers\u00f6nlicher Wahrnehmung. \u201eDie Deutschen\u201c oder \u201edie Polen\u201c werden laut den Ergebnissen anders beurteilt als \u201emeine polnische Freundin\u201c, \u201emein deutscher Nachbar\u201c oder andere konkrete Personen. Deutsche weisen gegen\u00fcber Polen eine deutlich h\u00f6here Akzeptanz in verschiedenen sozialen Rollen auf &#8211; ob als Nachbar, Freund, Ratsmitglied, Schwiegerkind oder sogar als Vorgesetzter &#8211; als umgekehrt. Die Unterschiede betragen je nach Rolle zwischen 14 und 32 Prozentpunkten.<\/p>\n<div id=\"attachment_68958\" style=\"width: 842px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68958\" class=\"wp-image-68958\" src=\"https:\/\/wochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Teil1a-1024x1024.png\" alt=\"\" width=\"832\" height=\"832\" \/><p id=\"caption-attachment-68958\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: Deutsches Polen-Institut<\/p><\/div>\n<p>W\u00e4hrend in Polen der h\u00f6chste Akzeptanzwert gegen\u00fcber Deutschen bei rund drei Vierteln der Befragten liegt, erreicht er in Deutschland gegen\u00fcber Polen bis zu 90 %. Solch gro\u00dfe Unterschiede wurden seit vielen Jahren nicht mehr festgestellt. Zudem haben sich die Antworten der polnischen Befragten seit der letzten Erhebung im Jahr 2022 in allen untersuchten sozialen Rollen deutlich verschlechtert. In Deutschland hingegen ist die Akzeptanz gegen\u00fcber Polen weiter gestiegen und erreicht den h\u00f6chsten Stand seit Beginn der Umfrage.<\/p>\n<h2>Die gegenseitigen Beziehungen<\/h2>\n<p>Auf beiden Seiten der Oder wird der Zustand der deutsch-polnischen Beziehungen \u00e4hnlich bewertet: 51 % der Polen und 49 % der Deutschen halten sie f\u00fcr gut, ein Viertel bezeichnet sie als schlecht. Damit ist der Anteil positiver Einsch\u00e4tzungen im Vergleich zu 2024 deutlich gesunken. Unterschiede zeigen sich jedoch bei den Schwerpunkten, die die Beziehungen pr\u00e4gen sollten. So sind 70 % der Deutschen der Ansicht, dass aktuelle und k\u00fcnftige Themen im Vordergrund stehen sollten &#8211; nur 48 % der Polen teilen diese Meinung. Gleichzeitig verweisen doppelt so viele Polen (34 %) wie Deutsche (16 %) auf die historische Vergangenheit.<\/p>\n<div id=\"attachment_68959\" style=\"width: 425px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68959\" class=\" wp-image-68959\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Deutsches-Polen-Institut.png\" alt=\"\" width=\"415\" height=\"594\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Deutsches-Polen-Institut.png 281w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Deutsches-Polen-Institut-210x300.png 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 415px) 100vw, 415px\" \/><p id=\"caption-attachment-68959\" class=\"wp-caption-text\">Das Cover der aktuellen Studie \u201eDeutsch-Polnisches Barometer 2025\u201c von Jacek Kucharczyk und Agnieszka \u0141ada-Konefa\u0142.<br \/>Quelle: Deutsches Polen-Institut<\/p><\/div>\n<p>\u201eEinerseits l\u00e4sst sich dies nat\u00fcrlich aus psychologischer Sicht erkl\u00e4ren &#8211; die Opfer und ihre Nachkommen haben eine andere Perspektive als die T\u00e4ter und deren Nachkommen. Im Falle dieser Frage wissen wir jedoch, dass beispielsweise im Jahr 2011 73 % der Polen auf die Gegenwart und Zukunft verwiesen haben\u201c, erkl\u00e4rt die Autorin der Studie. \u201eEin derart deutlicher R\u00fcckgang dieses Wertes ist gleichzeitig mit der Rhetorik in Bezug auf Deutschland zu verbinden, die sich insbesondere auf der rechten Seite der polnischen Politikszene in den letzten Jahren auf historische Themen und Ungerechtigkeiten der Vergangenheit konzentriert hat.\u201c<\/p>\n<p>60 % der Deutschen halten die Wiedergutmachung f\u00fcr die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs f\u00fcr ausreichend, nur 17 % der Polen teilen diese Ansicht. Ein Drittel der Polen h\u00e4lt die bisherigen Ma\u00dfnahmen f\u00fcr unzureichend, w\u00e4hrend dies nur 3 % der Deutschen so sehen. 58 % der Polen und 23 % der Deutschen w\u00fcnschen sich, dass Deutschland mehr tut. Reparationszahlungen werden in Polen von jedem vierten Befragten bef\u00fcrwortet, in Deutschland nur von 2 %. Weitere Forderungen in Polen betreffen Entsch\u00e4digungen f\u00fcr noch lebende Opfer, Bildungsma\u00dfnahmen und die Pflege von Gedenkst\u00e4tten.<\/p>\n<div id=\"attachment_68960\" style=\"width: 703px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68960\" class=\" wp-image-68960\" src=\"https:\/\/wochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Teil1b-1024x1024.png\" alt=\"\" width=\"693\" height=\"693\" \/><p id=\"caption-attachment-68960\" class=\"wp-caption-text\">Akzeptanz im Alltag: In Deutschland erreicht die Akzeptanz von Polen in verschiedenen sozialen Rollen einen Rekordwert von 87 %, w\u00e4hrend die Werte in Polen deutlich auf 68 % zur\u00fcckgegangen sind.<br \/>Quelle: Deutsches Polen-Institut<\/p><\/div>\n<p>\u201eDas Thema ist in der Tat nicht einfach\u201c, gibt \u0141ada-Konefa\u0142 zu. \u201eDie Errichtung eines Denkmals f\u00fcr die polnischen Opfer in Berlin ist sicherlich eine wichtige Geste &#8211; der Bundestag hat die Bundesregierung im Dezember dazu verpflichtet, in dieser Angelegenheit t\u00e4tig zu werden. In Polen w\u00fcrde es auch positiv aufgenommen werden, wenn den letzten noch lebenden Opfern des Dritten Reiches eine Unterst\u00fctzung in Form einer \u201ahumanit\u00e4ren Geste\u2018 gezahlt w\u00fcrde. Aber nat\u00fcrlich wird das nicht alle zufriedenstellen. Kritiker werden immer sagen, dass das nicht genug ist. Bildungs- und Informationsma\u00dfnahmen haben eine viel gr\u00f6\u00dfere Bedeutung, denn sie zeigen die Bedeutung der gegenseitigen Beziehungen f\u00fcr die Zukunft beider L\u00e4nder auf und erm\u00f6glichen es, sich besser kennenzulernen und die andere Seite besser zu verstehen. Daher sind auch hier weitere konkrete Schritte erforderlich.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenden sich Polen von Deutschland ab? 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