{"id":69664,"date":"2026-01-09T04:42:55","date_gmt":"2026-01-09T03:42:55","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/im-schatten-der-vergangenheit\/"},"modified":"2026-01-09T04:42:55","modified_gmt":"2026-01-09T03:42:55","slug":"im-schatten-der-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/im-schatten-der-vergangenheit\/","title":{"rendered":"Im Schatten der Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die deutsch-polnischen Regierungskonsultationen am 1. Dezember haben uns veranlasst, die bilateralen Beziehungen genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei lassen sich leicht viele unverheilte Wunden und offene Anspr\u00fcche erkennen. Vor allem die Vergangenheit wirft einen Schatten auf die Gegenwart \u2013 und hoffentlich nicht auch auf die Zukunft.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Deutsch-Polnisches Barometer: Sinkende Sympathiewerte<\/h2>\n<p>Aus den Daten des aktuellen Deutsch-Polnischen Barometers geht hervor, dass sich 70 Prozent der Deutschen, aber nur 48 Prozent der Polen auf aktuelle und zuk\u00fcnftige Herausforderungen konzentrieren wollen. Dagegen sind 34 Prozent der Polen der Meinung, dass historische Fragen die Umsetzung zukunftsorientierter Projekte behindern. Analysten der polnisch-deutschen Beziehungen weisen au\u00dferdem auf einen rekordtiefen Anteil von Polen hin, die Sympathie f\u00fcr die Deutschen bekunden.<\/p>\n<div id=\"attachment_21212\" style=\"width: 693px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-21212\" class=\"size-large wp-image-21212\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Deutsch-Polnische_Grenze_bei_Ahlbeck_Usedom_10569669495-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Deutsch-Polnische_Grenze_bei_Ahlbeck_Usedom_10569669495-683x1024.jpg 683w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Deutsch-Polnische_Grenze_bei_Ahlbeck_Usedom_10569669495-200x300.jpg 200w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Deutsch-Polnische_Grenze_bei_Ahlbeck_Usedom_10569669495-768x1152.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Deutsch-Polnische_Grenze_bei_Ahlbeck_Usedom_10569669495.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><p id=\"caption-attachment-21212\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Die deutsch-polnische Grenze ist l\u00e4ngst nur noch ein Strich auf der politischen Landkarte Europas. Foto: Dirk Vorderstra\u00dfe \/ wikimedia commons<\/p><\/div>\n<p>Aus den Daten des aktuellen Deutsch-Polnischen Barometers geht hervor, dass sich 70 Prozent der Deutschen, aber nur 48 Prozent der Polen auf aktuelle und zuk\u00fcnftige Herausforderungen konzentrieren wollen. Dagegen sind 34 Prozent der Polen der Meinung, dass historische Fragen die Umsetzung zukunftsorientierter Projekte behindern. Analysten der polnisch-deutschen Beziehungen weisen au\u00dferdem auf einen rekordtiefen Anteil von Polen hin, die Sympathie f\u00fcr die Deutschen bekunden.<\/p>\n<h2>Meilensteine der Vers\u00f6hnung und europ\u00e4ische Integration<\/h2>\n<p>In einer solchen Situation scheint es schwierig, eine fruchtbare Zukunft und Zusammenarbeit zwischen beiden L\u00e4ndern aufzubauen. Das ist bedauerlich, denn es gab Momente, in denen es so aussah, als w\u00fcrde sich die Normalisierung der polnisch-deutschen Beziehungen in eine gute Richtung entwickeln. Zu nennen sind hier der Brief der polnischen Bisch\u00f6fe aus dem Jahr 1965 oder die Geste des deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt vor dem Denkmal f\u00fcr die Helden des Warschauer Ghettos im Jahr 1970. Dar\u00fcber hinaus setzte Mitte der 1980er Jahre die Entwicklung einer deutsch-polnischen Interessengemeinschaft ein, die im Grenzvertrag vom 14. November 1990 und im Vertrag \u00fcber gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17. Juni 1991 ihren Ausdruck fand.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #ffcc00;\">Deutschland hat einen wesentlich Beitrag zum EU-Beitritt Polens geleistet und ist ein wichtiger strategischer, wirtschaftlicher und politischer Partner Polens.<\/span><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Diese Abkommen waren Meilensteine der Normalisierung, und es schien, als k\u00f6nne es nur noch besser werden \u2013 zumal Deutschland wesentlich zum EU-Beitritt Polens beitrug und ein wichtiger strategischer, wirtschaftlicher und politischer Partner Polens ist.<\/p>\n<h2>Diplomatische Abk\u00fchlung und innenpolitische Spannungen<\/h2>\n<p>Dies erh\u00f6hte Polens Sicherheit und stellte Mittel f\u00fcr den Transformationsprozess bereit. Dieser Beitrag umfasste sowohl politische Unterst\u00fctzung als auch erhebliche wirtschaftliche Vorteile f\u00fcr Polen, das zu einem der gr\u00f6\u00dften Nutznie\u00dfer der europ\u00e4ischen Integration wurde. Nach dem Wahlsieg der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) bei den Parlamentswahlen 2005 und der Wahl von Lech Kaczy\u0144ski zum Pr\u00e4sidenten der Republik Polen kam es jedoch zu einer diplomatischen Abk\u00fchlung zwischen Polen und Deutschland, die bis heute mehr oder weniger anh\u00e4lt. Die PiS setzte und setzt auf antideutsche T\u00f6ne und wirft dem heutigen Premierminister Donald Tusk eine prodeutsche Haltung vor. Nach Tusks Wahlsieg im Jahr 2023 schien sich die Politik der polnischen Regierung gegen\u00fcber Deutschland zwar zu verbessern, doch mit dem Sieg von Karol Nawrocki bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen wurde es f\u00fcr die Regierung Tusk sehr schwierig, gute Beziehungen zu Berlin aufzubauen.<\/p>\n<h2>Ann\u00e4herung im Schatten der \u00e4u\u00dferen Bedrohung<\/h2>\n<p>Auch Pr\u00e4sident Nawrocki bedient antideutsche Narrative, und die Opposition unterst\u00fctzt ihn dabei, indem sie dem Premierminister vorwirft, Berlin gegen\u00fcber zu nachgiebig zu sein. Sie greift konsequent auf historische Themen zur\u00fcck, die einen zentralen Platz in ihrer politischen Kommunikation einnehmen. Schlimmer noch \u2013 und das best\u00e4tigen die Ergebnisse des Deutsch-Polnischen Barometers \u2013 findet die negative Darstellung Deutschlands in Polen zunehmend Resonanz. Vor diesem Hintergrund f\u00e4llt die Bilanz der diesj\u00e4hrigen Regierungskonsultationen gar nicht schlecht aus. Dies ist jedoch weniger Ausdruck einer wirklichen Ann\u00e4herung zwischen Berlin und Warschau, sondern vor allem das Ergebnis der Angst vor einer russischen Aggression \u2013 ein Umstand, der ebenso traurig ist wie der Krieg in der Ukraine selbst.<\/p>\n<h2>Ausblick: Mut zur Freundschaft im Jahr 2026<\/h2>\n<p>Deshalb bleibt zu hoffen, dass sich Polen und Deutschland im Jahr 2026 deutlich ann\u00e4hern werden \u2013 nicht wegen einer Bedrohung aus dem Osten, sondern weil sie einander brauchen, voneinander abh\u00e4ngig sind und mit Mut und Freundschaft nach vorne blicken, w\u00e4hrend sie zugleich verantwortungsvoll mit der Vergangenheit umgehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsch-polnischen Regierungskonsultationen am 1. Dezember haben uns veranlasst, die bilateralen Beziehungen genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei lassen sich leicht viele unverheilte Wunden und offene Anspr\u00fcche erkennen. Vor allem die Vergangenheit wirft einen Schatten auf die Gegenwart \u2013 und hoffentlich nicht auch auf die Zukunft.<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":21212,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4232],"tags":[3933,3841,3934,2104,2169],"redaktor":[],"class_list":["post-69664","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-de","tag-deutsch-polnischen-regierungskonsultationen","tag-deutschland","tag-donald-tusk","tag-friedrich-merz","tag-polen"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69664","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69664"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69664\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21212"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69664"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69664"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69664"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=69664"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}