{"id":69662,"date":"2026-01-09T10:34:27","date_gmt":"2026-01-09T09:34:27","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/deutsch-polnisches-barometer-2025-teil-2-2\/"},"modified":"2026-01-09T10:34:27","modified_gmt":"2026-01-09T09:34:27","slug":"deutsch-polnisches-barometer-2025-teil-2-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/deutsch-polnisches-barometer-2025-teil-2-2\/","title":{"rendered":"Deutsch-Polnisches Barometer 2025 &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<h1>Wie Politik die deutsch-polnischen Beziehungen pr\u00e4gt?<\/h1>\n<p><strong>Wie sich die Beziehungen zwischen Deutschen und Polen gestalten und welche Schl\u00fcsselfaktoren darauf Einfluss haben, haben wir im ersten Teil des Artikels beleuchtet. Nun blicken wir auf die Wahrnehmung der aktuellen Politik. Ihre Expertise steuert erneut Agnieszka \u0141ada-Konefa\u0142 bei, die gemeinsam mit Jacek Kucharczyk die Studie \u201eDeutsch-Polnisches Barometer\u201c durchf\u00fchrt.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Europapolitik<\/h2>\n<p>Die gegenseitige Wahrnehmung der Europapolitik ist 2025 von Skepsis und einem deutlichen Vertrauensverlust gepr\u00e4gt. In Polen sind die Meinungen \u00fcber Deutschlands Rolle in Europa nahezu ausgeglichen: 35 % sehen Deutschland als Motor der europ\u00e4ischen Zusammenarbeit, w\u00e4hrend 32 % ihm vorwerfen, Konflikte und Spannungen zu versch\u00e4rfen. Damit erreicht die Bewertung der deutschen Europapolitik den schlechtesten Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2005. In Deutschland zeigt sich ein \u00e4hnlicher Trend gegen\u00fcber Polen: Nur 33 % bewerten die polnische Europapolitik positiv, w\u00e4hrend 31 % sie negativ einsch\u00e4tzen. Etwa ein Drittel der Deutschen ist der Meinung, dass Polen zu Streitigkeiten in Europa beitr\u00e4gt, ein nur leicht gr\u00f6\u00dferer Teil sieht es als konstruktiven Akteur.<\/p>\n<div id=\"attachment_68963\" style=\"width: 656px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68963\" class=\" wp-image-68963\" src=\"https:\/\/wochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Agnieszka-Lada-Konefal-\u2013-Andrea-Polanski-2-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"646\" height=\"969\" \/><p id=\"caption-attachment-68963\" class=\"wp-caption-text\">Agnieszka \u0141ada-Konefa\u0142 Foto: Andrea Polanski<\/p><\/div>\n<p>Auff\u00e4llig ist zudem der hohe Anteil Unentschlossener in Deutschland, der erstmals gr\u00f6\u00dfer ist als der Anteil klar positiver oder negativer Bewertungen. In beiden L\u00e4ndern beeinflussen politische Pr\u00e4ferenzen die Wahrnehmung stark: Anh\u00e4nger der jeweiligen Regierungsparteien beurteilen die Europapolitik des Nachbarlandes deutlich positiver als Oppositionsw\u00e4hler. Insgesamt zeigt sich ein paralleler Prozess der gegenseitigen Desillusionierung, bei dem sich positive, negative und neutrale Einsch\u00e4tzungen auf beiden Seiten jeweils bei rund einem Drittel einpendeln.<\/p>\n<div id=\"attachment_68964\" style=\"width: 490px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-68964\" class=\"size-full wp-image-68964\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Das-Deutsch-Polnische-Barometer-untersucht-seit-25-Jahren-regelmaessig-die-gegenseitige-Wahrnehmung-beider-Nationen.png\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Das-Deutsch-Polnische-Barometer-untersucht-seit-25-Jahren-regelmaessig-die-gegenseitige-Wahrnehmung-beider-Nationen.png 480w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Das-Deutsch-Polnische-Barometer-untersucht-seit-25-Jahren-regelmaessig-die-gegenseitige-Wahrnehmung-beider-Nationen-300x144.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><p id=\"caption-attachment-68964\" class=\"wp-caption-text\">Das Deutsch-Polnische Barometer untersucht seit 25 Jahren regelm\u00e4\u00dfig die gegenseitige Wahrnehmung beider Nationen.<br \/>Quelle: Deutsches Polen-Institut<\/p><\/div>\n<p>\u201eDie Polen stehen vor allem der deutschen Energie- und Migrationspolitik kritisch gegen\u00fcber und betrachten sie als sehr egoistisch und unverst\u00e4ndlich\u201c, erkl\u00e4rt Agnieszka \u0141ada-Konefa\u0142. \u201eEntscheidend ist derzeit jedoch die negative Bewertung der deutschen Haltung gegen\u00fcber Russland &#8211; die Polen weisen seit Jahren darauf hin, dass man Russland nicht vertrauen und nicht als zuverl\u00e4ssigen Partner betrachten darf. Die Deutschen sind entt\u00e4uscht, dass sich die polnische Politik nach dem Regierungswechsel 2023 kaum ver\u00e4ndert hat.\u201c<\/p>\n<h2>Grenzkontrollen<\/h2>\n<p>Die von Merz und Tusk eingef\u00fchrten Grenzkontrollen f\u00fchrten zu Spannungen auf beiden Seiten der Oder. Diese kontroversen Entscheidungen spiegeln sich jedoch nur bedingt in den Ergebnissen des Deutsch-Polnischen Barometers wider, denn in der Bev\u00f6lkerung sto\u00dfen sie auf Zustimmung: Jeweils die H\u00e4lfte der polnischen (50 %) und der deutschen (51 %) Bev\u00f6lkerung unterst\u00fctzt sowohl polnische als auch deutsche Grenzkontrollen. Auff\u00e4llig ist dabei, dass die polnische Bev\u00f6lkerung die Entscheidung der eigenen Regierung deutlich wohlwollender beurteilt als die deutsche \u00d6ffentlichkeit ihre Regierung: 70 % der Polinnen und Polen bewerten die polnischen Grenzkontrollen positiv, w\u00e4hrend dies in Deutschland nur 55 % tun. Umgekehrt zeigen sich die Deutschen deutlich kritischer gegen\u00fcber der Entscheidung der polnischen Regierung als die Polen gegen\u00fcber der deutschen: 28 % der Deutschen stellen die polnischen Ma\u00dfnahmen infrage, w\u00e4hrend in Polen lediglich 12 % die deutschen Grenzkontrollen kritisch sehen. \u0141ada-Konefa\u0142 sieht darin ein politisches Argument f\u00fcr den Status quo:<\/p>\n<p>\u201eDie Tatsache, dass mehr als die H\u00e4lfte der Befragten die Entscheidungen ihrer eigenen und der anderen Regierung unterst\u00fctzt, gibt den Regierenden ein Argument daf\u00fcr, die Situation nicht zu \u00e4ndern &#8211; die eingef\u00fchrten Kontrollen nicht aufzuheben. Umso mehr, als der Druck der Oppositionsparteien, die \u00c4ngste vor illegalen Migranten sch\u00fcren, nach wie vor gro\u00df ist.\u201c<\/p>\n<h2>Russischer Angriffskrieg auf die Ukraine<\/h2>\n<p>Fast vier Jahre ist es nun her, seit Russland die Vollinvasion der Ukraine begann. Seither ist der Krieg dauerhaft pr\u00e4sent in den Medien und Gegenstand intensiver Diskussionen dar\u00fcber, wie der Ukraine geholfen und Russland zur Verantwortung gezogen werden kann. Deutschland und Polen geh\u00f6ren zu den zentralen europ\u00e4ischen Unterst\u00fctzern der Ukraine, nehmen dabei jedoch unterschiedliche Rollen ein. Deutschland zeichnet sich vor allem durch umfangreiche finanzielle Hilfen, milit\u00e4rische Gro\u00dflieferungen, industrielle Kapazit\u00e4ten und politisches Gewicht innerhalb der EU aus. Polen \u00fcbernimmt als unmittelbarer Nachbar eine Schl\u00fcsselrolle als logistisches Drehkreuz, fr\u00fcher Waffenlieferant und wichtigstes Aufnahmeland f\u00fcr ukrainische Gefl\u00fcchtete. Gemeinsam pr\u00e4gen beide L\u00e4nder Europas Ukraine-Politik: Deutschland vor allem strategisch und finanziell, Polen operativ, humanit\u00e4r und sicherheitspolitisch.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #ffcc00;\">\u201eTrotz historischer Belastungen sieht fast jeder zweite Pole in steigenden deutschen R\u00fcstungsausgaben einen Gewinn f\u00fcr die eigene Sicherheit.\u201d<\/span><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>\u201eDas Thema der Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine ist f\u00fcr Deutschland und Polen von zentraler Bedeutung\u201c, betont die Autorin der Studie. \u201eWichtig ist dabei auch die Zusammenarbeit beider L\u00e4nder &#8211; sowohl bilateral als auch im Rahmen der NATO und der EU. Daher interessieren uns die Meinungen beider Gesellschaften zu diesen Fragen. Das Barometer ist eine Umfrage, die nicht nur zeigen soll, wie Deutsche und Polen sich gegenseitig wahrnehmen, sondern auch, wie sie gemeinsame Herausforderungen und die Zukunft sehen. Die Ergebnisse erm\u00f6glichen es, die Entscheidungen des Nachbarlandes besser zu verstehen und konstruktiver \u00fcber gemeinsame Ma\u00dfnahmen zu sprechen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit 2022 ist die Zustimmung zu Sanktionen gegen Russland sowie zu Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen f\u00fcr die Ukraine in beiden L\u00e4ndern schrittweise gesunken, in Polen jedoch st\u00e4rker als in Deutschland. Besonders markant ist der Stimmungswandel bei der Aufnahme ukrainischer Gefl\u00fcchteter: Aktuell sprechen sich nur noch 45 % der Polinnen und Polen daf\u00fcr aus, w\u00e4hrend in Deutschland mit 55 % weiterhin eine knappe Mehrheit zustimmt. Trotz dieser Entwicklungen bef\u00fcrwortet in beiden L\u00e4ndern nach wie vor eine Mehrheit wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland und den Verzicht auf russische Energietr\u00e4ger, wobei die Zustimmung in Polen weiterhin h\u00f6her ausf\u00e4llt als in Deutschland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit der aktuellen sicherheitspolitischen Lage gehen auch ver\u00e4nderte Wahrnehmungen der Verteidigungspolitik einher. Sowohl in Polen als auch in Deutschland ist eine Mehrheit der Befragten der Ansicht, dass steigende deutsche R\u00fcstungsausgaben zur Sicherheit der B\u00fcndnispartner &#8211; einschlie\u00dflich Polens &#8211; beitragen. Diese Einsch\u00e4tzung ist in Deutschland mit 59 % deutlich st\u00e4rker verbreitet als in Polen, wo ihr 48 % zustimmen. Gleichzeitig bleibt in Polen eine gewisse Skepsis gegen\u00fcber dem Ausbau des deutschen Milit\u00e4rpotenzials bestehen, was auf das Trauma des Zweiten Weltkriegs zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Vorbehalte finden sich vor allem bei \u00e4lteren Befragten sowie in den \u00f6stlichen Woiwodschaften. Trotzdem ist die Zahl derjenigen, die darin einen Gewinn f\u00fcr die eigene Sicherheit sehen, doppelt so hoch wie der Anteil der Kritiker.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #ffcc00;\">\u201eW\u00e4hrend die politische Rhetorik die \u00f6ffentliche Meinung belastet, wirken pers\u00f6nliche Kontakte als entscheidendes Gegengewicht, kt\u00f3re die Sympathie f\u00fcr den Nachbarn st\u00e4rkt.\u201d<\/span><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ein gesteigertes Sicherheitsgef\u00fchl durch eine st\u00e4rkere Bundeswehr \u00e4u\u00dfern dagegen h\u00e4ufiger Menschen mit h\u00f6herem Bildungsniveau sowie Personen, die bereits pers\u00f6nliche Erfahrungen mit Deutschland gemacht haben. In beiden L\u00e4ndern zeichnet sich ein Trend hin zu einer st\u00e4rkeren europ\u00e4ischen Verteidigungszusammenarbeit ab. Diese Entwicklung findet in Deutschland breite Unterst\u00fctzung: 66 % der Befragten bef\u00fcrworten diesen Kurs. In Polen ist es mit 44 % zwar ebenfalls die gr\u00f6\u00dfte Gruppe, allerdings ist dort der R\u00fcckhalt f\u00fcr die Vereinigten Staaten als zentralen Sicherheitsgaranten mit 30 % deutlich st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt als in Deutschland, wo nur 14 % diese Rolle den USA zuschreiben.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Das Deutsch-Polnische Barometer 2025 zeigt, dass die deutsch-polnischen Beziehungen trotz Spannungen und negativer Entwicklungen weiterhin vielschichtig und differenziert wahrgenommen werden. Politische Rhetorik, historische Debatten und internationale Krisen beeinflussen die \u00f6ffentliche Meinung, pers\u00f6nliche Erfahrungen und Kontakte wirken jedoch ausgleichend und st\u00e4rken die Sympathie f\u00fcr den Nachbarn. Die Ergebnisse verdeutlichen zugleich, dass regierungsnahe Bev\u00f6lkerungsgruppen offen f\u00fcr neue bilaterale und europ\u00e4ische Kooperationen sind, was den Regierungen beider L\u00e4nder Handlungsspielraum f\u00fcr eine konstruktive Zusammenarbeit bietet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Politik die deutsch-polnischen Beziehungen pr\u00e4gt? Wie sich die Beziehungen zwischen Deutschen und Polen gestalten und welche Schl\u00fcsselfaktoren darauf Einfluss haben, haben wir im ersten Teil des Artikels beleuchtet. Nun blicken wir auf die Wahrnehmung der aktuellen Politik. Ihre Expertise steuert erneut Agnieszka \u0141ada-Konefa\u0142 bei, die gemeinsam mit Jacek Kucharczyk die Studie \u201eDeutsch-Polnisches Barometer\u201c durchf\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":68964,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4232],"tags":[3941,3546,3841,2683,3856,2169,3940],"redaktor":[],"class_list":["post-69662","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik-de","tag-agnieszka-lada-konefal","tag-barometr-polsko-niemiecki","tag-deutschland","tag-niemcy","tag-nwboninstagram","tag-polen","tag-polska"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69662","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69662"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69662\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68964"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69662"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69662"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69662"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=69662"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}