{"id":69640,"date":"2026-01-12T13:09:58","date_gmt":"2026-01-12T12:09:58","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/es-gehoren-immer-zwei-dazu\/"},"modified":"2026-01-12T13:09:58","modified_gmt":"2026-01-12T12:09:58","slug":"es-gehoren-immer-zwei-dazu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/es-gehoren-immer-zwei-dazu\/","title":{"rendered":"\u201eEs geh\u00f6ren immer zwei dazu\u201c"},"content":{"rendered":"<h1>Ein Kommentar<\/h1>\n<p><strong>Nach den Bundestagswahlen in Deutschland und den Pr\u00e4sidentschaftswahlen in Polen im vergangenen Jahr wurde erwartet, dass sich die deutsch-polnischen Beziehungen verbessern und vertiefen w\u00fcrden. Doch die Realit\u00e4t hat ihr eigenes Drehbuch geschrieben. Die Bilanz der deutsch-polnischen Beziehungen f\u00fcr das Jahr 2025 ist nicht die beste, sodass erneut von entt\u00e4uschten Hoffnungen die Rede ist.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Trotz einiger positiver Signale war 2025 ein entt\u00e4uschendes Jahr f\u00fcr die deutsch-polnischen Beziehungen. Zur Erinnerung: Im Februar des vergangenen Jahres fanden in Deutschland vorgezogene Bundestagswahlen statt, die die Christdemokraten gewannen. Bundeskanzler Friedrich Merz besuchte Polen gleich am ersten Tag nach seiner Vereidigung! Dies war ein klares, freundliches Signal aus Berlin nach Warschau. W\u00e4hrend Merz\u2019 Besuchs in Polen k\u00fcndigte der polnische Premierminister Donald Tusk zudem einen \u201eNeuanfang\u201c in den Beziehungen zu Deutschland an. Doch dazu kam es nicht.<\/p>\n<p>Das Thema Migration \u00fcberschattete den Besuch des Bundeskanzlers in Polen erheblich. Berlin hatte beschlossen, die Kontrollen an den deutschen Grenzen f\u00fcr Asylsuchende zu versch\u00e4rfen. In dieser Frage traten sofort deutliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Deutschland und Polen zutage. Die rechtsgerichtete Opposition in Polen nutzte dies aus, indem sie wochenlang in den sozialen Medien Ger\u00fcchte \u00fcber angebliche Massenabschiebungen von Fl\u00fcchtlingen aus Deutschland nach Polen verbreitete. Die Folge: Polen f\u00fchrte \u2013 wie Deutschland \u2013 Grenzkontrollen ein, und die schwierige Vergangenheit, gepr\u00e4gt von antideutscher Rhetorik, r\u00fcckte erneut im deutsch-polnischen Verh\u00e4ltnis in den Vordergrund. Auch Premierminister Donald Tusk leistete dem keinen Widerstand und bediente sich gegen\u00fcber Deutschland sogar selbst der Rhetorik seiner politischen Gegner \u2013 ein Ph\u00e4nomen, das in den letzten Wochen deutlich zu beobachten war.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #ffcc00;\">Trotz einiger positiver Signale war 2025 ein entt\u00e4uschendes Jahr f\u00fcr die deutsch-polnischen Beziehungen.<\/span><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Am 1. Dezember 2025 erkl\u00e4rte Donald Tusk w\u00e4hrend der deutsch-polnischen Regierungskonsultationen in Berlin auf einer Pressekonferenz, Polens Verzicht auf Reparationszahlungen an Deutschland in den 1950er Jahren sei keine souver\u00e4ne Entscheidung gewesen und entspreche nicht dem Willen der polnischen Nation: \u201eDie polnische Nation hatte in dieser Angelegenheit kein Mitspracherecht. Wir sind der Ansicht, dass Polen f\u00fcr die Verluste und Verbrechen des Zweiten Weltkriegs keine Entsch\u00e4digung erhalten hat\u201c, so der polnische Premierminister. Interessanterweise sagte Donald Tusk im Februar 2024 an genau demselben Ort, in Anwesenheit von Bundeskanzler Olaf Scholz: \u201eFormal, rechtlich und international gesehen ist das Reparationsthema schon lange abgeschlossen. Eine moralische, finanzielle und materielle Wiedergutmachung wurde zwar nie gel\u00f6st, aber nicht durch Verschulden von Bundeskanzler Scholz und auch nicht durch mein eigenes.\u201c<\/p>\n<p>Trotzdem ist das vergangene Jahr nicht g\u00e4nzlich abzuschreiben. Unter anderem gab es in den letzten Monaten einige positive Entwicklungen in der deutsch-polnischen Verteidigungszusammenarbeit. Auch die Wirtschaftsbeziehungen entwickeln sich gut. Erw\u00e4hnenswert ist zudem der Bundestagsbeschluss, der die Bundesregierung zum Bau eines Denkmals f\u00fcr die polnischen Kriegsopfer in Berlin auffordert, sowie die au\u00dfergew\u00f6hnlich hohe Anzahl positiver Ver\u00f6ffentlichungen \u00fcber Polen in den deutschen Medien im Jahr 2025. All diese Gesten kommen jedoch fast ausschlie\u00dflich aus Deutschland, wo das positive Bild des \u00f6stlichen Nachbarn, das von vielen deutschen Politikern gezeichnet wird, die Meinung der Deutschen \u00fcber Polen verbessert, wie die Ergebnisse der j\u00fcngsten Umfrage der Reihe \u201ePolen-Deutschland-Barometer\u201c best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Leider gilt das nicht f\u00fcr die Sympathie der Polen gegen\u00fcber den Deutschen. Ganz im Gegenteil: Die Antipathie gegen\u00fcber Deutschland hat in Polen einen H\u00f6chststand seit Jahren erreicht! Dies ist wohl die traurigste Nachricht aus den deutsch-polnischen Beziehungen des vergangenen Jahres, f\u00fcr die die polnische Politik ma\u00dfgeblich verantwortlich ist. Wie schon die ber\u00fchmte polnische Band \u201eBudka Suflera\u201c vor Jahren sang: \u201eEs geh\u00f6ren immer zwei dazu\u201c \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Kommentar Nach den Bundestagswahlen in Deutschland und den Pr\u00e4sidentschaftswahlen in Polen im vergangenen Jahr wurde erwartet, dass sich die deutsch-polnischen Beziehungen verbessern und vertiefen w\u00fcrden. Doch die Realit\u00e4t hat ihr eigenes Drehbuch geschrieben. 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