{"id":69628,"date":"2026-01-14T04:46:27","date_gmt":"2026-01-14T03:46:27","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/neue-perspektiven-fur-industrie-und-sicherheit\/"},"modified":"2026-01-14T04:46:27","modified_gmt":"2026-01-14T03:46:27","slug":"neue-perspektiven-fur-industrie-und-sicherheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/neue-perspektiven-fur-industrie-und-sicherheit\/","title":{"rendered":"Neue Perspektiven f\u00fcr Industrie und Sicherheit"},"content":{"rendered":"<h1>\nZeitenwende in Oberschlesien<\/h1>\n<p><strong>Nach dem russischen \u00dcberfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 rief der damalige deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz eine sicherheitspolitische Zeitenwende f\u00fcr Europa aus. Diese ist knapp vier Jahre nach der Kanzlerrede auch in Oberschlesien bemerkbar.<\/strong><\/p>\n<h2><!--more--><\/h2>\n<h2>Eine Chance f\u00fcr die Wirtschaft?<\/h2>\n<p>Historisch war Oberschlesien mit seinen Eisen- und Stahlwerken schon in preu\u00dfischen Zeiten relevant f\u00fcr die R\u00fcstungsindustrie. Auch heute sind in der Region noch wichtige Firmen der Branche angesiedelt. Da Polen seine Streitkr\u00e4fte seit 2022 mit hohem Elan modernisiert (2025 betrug der Verteidigungsetat 4,7% des Bruttoinlandsproduktes), steigt auch die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors. Denn Polen will nicht nur importieren, sondern m\u00f6glichst im Land produzieren.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #ffcc00;\">Von der Modernisierung der polnischen Armee profitieren auch in Oberschlesien beheimatete Einheiten. Ein Beispiel hierf\u00fcr kann die 34. Schlesische Raketenflugabwehrdivision sein, die in Beuthen stationiert ist.<\/span><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Von der gestiegenen Nachfrage profitieren auch oberschlesische Unternehmen. Zu nennen w\u00e4re die in Siemianowitz ans\u00e4ssige Firma Rosomak, bei der allein im Jahr 2024 138 Radpanzer bestellt wurden. Viel Arbeit erwartet den Gleiwitzer Panzerhersteller Bumar-\u0141ab\u0119dy, wo seit 2015 u.a. deutsche Panzer des Typs Leopard 2A4 modernisiert werden. Ab 2028 sollen hier koreanische Panzer K2 montiert und nach erfolgtem Technologietransfer auch produziert werden. Der Bau der neuen Produktionslinie geht mit der Vergr\u00f6\u00dferung der Besch\u00e4ftigung von 800 auf 1200 Mitarbeiter einher. Auf Auftr\u00e4ge hofft man auch in Ratibor. Nach der Insolvenz des Kesselherstellers Rafako soll auf dem Firmengel\u00e4nde zuk\u00fcnftig Milit\u00e4rlastwagen der Marke Jelcz vom Band laufen. Wann die Produktion beginnen kann, ist im Moment noch offen.<\/p>\n<p>Der Verteidigungssektor k\u00f6nnte in Zukunft f\u00fcr das oberschlesische Industriegebiet noch wichtiger werden, wie eine Studie der Beratungsfirma Deloitte vom November 2025 darlegt. Die Region bietet hierf\u00fcr mit ihrer dichten Transportinfrastruktur, technischen Hochschulen und relevanten Unternehmen (u.a. Stahlproduktion, Maschinen- und Fahrzeugbau) ein gutes Umfeld. Die Studie sieht gar die Chance, dass die Verteidigungsunternehmen die Arbeitsplatzverluste der langsam schlie\u00dfenden Kohlebergwerke auffangen k\u00f6nnten. Gerade die Zulieferbetriebe haben hierf\u00fcr passende Kompetenzen. Eine Herausforderung bleibt aber die demographische Entwicklung sowie die Umschulung der Arbeitskr\u00e4fte.<\/p>\n<h2>Modernisierung der Streitkr\u00e4fte<\/h2>\n<p>Von der Modernisierung der polnischen Armee profitieren auch in Oberschlesien beheimatete Einheiten. Ein Beispiel hierf\u00fcr kann die 34. Schlesische Raketenflugabwehrdivision sein, die in Beuthen stationiert ist. Diese erhielt Ende November 2025 als erste Einheit der polnischen Streitkr\u00e4fte die neueste Version des Flugabwehrsystems \u201cPilica\u201d. Dieses wurde vom polnischen Verteidigungsminister W\u0142adys\u0142awKosiniak-Kamysz h\u00f6chstpers\u00f6nlich an die Soldaten \u00fcbergeben. Zu einer Batterie des Systems Pilica geh\u00f6ren u.a. Raketenwerfer, Maschinenkanonen und Radare, die der Bek\u00e4mpfung von Flugzeugen, Helikoptern, Raketen und Drohnen auf niedrigen Flugh\u00f6hen von bis zu 6500 Metern dienen.<\/p>\n<h2>Zivilschutzma\u00dfnahmen und Sabotagegefahr<\/h2>\n<p>Lange war der Zivilschutz europaweit als Nischenthema unterfinanziert. Das \u00e4nderte sich 2022. So wurde in Polen im Jahr 2024 die gesetzliche Grundlage f\u00fcr den Zivilschutz reformiert. Das Gesetz schreibt u.a. eine Finanzierung des Zivil- und Katastrophenschutzes auf dem Niveau von 0,3% der Wirtschaftsleistung vor. Insgesamt stellt die Regierung den Selbstverwaltungen 4,6 Milliarden PLN f\u00fcr den Zivilschutz zur Verf\u00fcgung, wovon 529 Millionen PLN f\u00fcr die Woiwodschaft Schlesien und 108 Millionen PLN f\u00fcr die Woiwodschaft Oppeln vorgesehen sind. Die Mittel sollen vor allem der Modernisierung und dem Bau von Schutzr\u00e4umen dienen. Das Geld kann aber auch f\u00fcr die Auff\u00fcllung von Material und Vorr\u00e4ten f\u00fcr Katastrophenf\u00e4lle, die Katalogisierung von Schutzr\u00e4umen und entsprechende Schulungsma\u00dfnahmen genutzt werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_69088\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-69088\" class=\"size-large wp-image-69088\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Foto-1-Militaer-LKW-Jelcz-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Foto-1-Militaer-LKW-Jelcz-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Foto-1-Militaer-LKW-Jelcz-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Foto-1-Militaer-LKW-Jelcz.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><p id=\"caption-attachment-69088\" class=\"wp-caption-text\">Wojskowa ci\u0119\u017car\u00f3wka Jelcz mo\u017ce wkr\u00f3tce trafi\u0107 do produkcji w Raciborzu<br \/>Foto: M. Wycisk<\/p><\/div>\n<p>Als eine der ersten oberschlesischen St\u00e4dte profitiert K\u00f6nigsh\u00fctte von dem Zivilschutzprogramm. Dort sollen bis 2027 unter dem Schlesischen Regionalzentrum f\u00fcr Diagnostik und Behandlung von Lungenkrebs insgesamt zwei unterirdische Schutzr\u00e4ume f\u00fcr je 300 und 600 Menschen entstehen. Im kleineren Schutzraum sollen dank Notstromaggregate im Krisenfall sogar Operationen m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p>Obwohl Oberschlesien weit von der Ostgrenze Polens liegt, ist auch hier die Gefahr hybrider Angriffe und Sabotage gestiegen. Von dem Eindringen russischer Drohnen in den polnischen Luftraum im September 2025 blieb die Region zwar verschont. Daf\u00fcr gab es in der Nacht vom 2. auf den 3. September 2025 einen Vorfall auf dem Eisenbahnknotenpunkt Kattowitz. Unbekannte T\u00e4ter haben einen 20-Tonnen-schweren Kohlewagen von einem Zug entkoppelt und sogar die Schlusssignalscheibe auf den vorletzten Wagen verlegt. Nur dank der Aufmerksamkeit des Lokf\u00fchrers fiel dies auf, wodurch es zu keinem Unfall kam. Um solchen Vorf\u00e4llen entgegenzuwirken, begann am 19. November 2025 die Operation Horizont, im Rahmen dessen das Milit\u00e4r die Polizei beim Schutz kritischer Infrastruktur unterst\u00fctzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeitenwende in Oberschlesien Nach dem russischen \u00dcberfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 rief der damalige deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz eine sicherheitspolitische Zeitenwende f\u00fcr Europa aus. 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