{"id":69611,"date":"2026-01-16T17:48:08","date_gmt":"2026-01-16T16:48:08","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/kolumne-aus-der-mottenkiste-der-geschichte-2\/"},"modified":"2026-01-16T17:48:08","modified_gmt":"2026-01-16T16:48:08","slug":"kolumne-aus-der-mottenkiste-der-geschichte-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/kolumne-aus-der-mottenkiste-der-geschichte-2\/","title":{"rendered":"Kolumne: Aus der Mottenkiste der Geschichte"},"content":{"rendered":"<h1>Das Versagen<\/h1>\n<p><strong>Am 6. Januar 2026 j\u00e4hrte sich zum 25. Mal der private Besuch des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schr\u00f6der mit seiner Frau in Russland. Das Kanzlerpaar verbrachte ein orthodoxes Weihnachtsfest zusammen mit dem Ehepaar Putin. An diesem Tag wurde der Welt ein neues Kapitel in den deutsch-russischen Beziehungen enth\u00fcllt. Ein Buch der renommierten Journalisten Katja Gloger und Georg Mascolo, das auf gr\u00fcndlicher Recherche und der Auswertung freigegebener Archive basiert, erschien in Deutschland.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eine besondere St\u00e4rke des Buches liegt in den Interviews mit Augenzeugen. Das Buch, das in Deutschland bereits ein Bestseller ist, erschien unter dem vieldeutigen Titel \u201eDas Versagen\u201c. Katja Gloger und Georg Mascolo liefern eine umfassende Darstellung der deutschen Russlandpolitik. \u201eDas Versagen\u201c liest sich fesselnd \u2013 trotz zahlreicher Fu\u00dfnoten und Verweise auf unbekannte Quellen und Fakten.<\/p>\n<div id=\"attachment_69192\" style=\"width: 655px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-69192\" class=\"size-large wp-image-69192\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/710hiUrE60L._SL1500_-645x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"645\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/710hiUrE60L._SL1500_-645x1024.jpg 645w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/710hiUrE60L._SL1500_-189x300.jpg 189w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/710hiUrE60L._SL1500_-768x1219.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/710hiUrE60L._SL1500_.jpg 945w\" sizes=\"auto, (max-width: 645px) 100vw, 645px\" \/><p id=\"caption-attachment-69192\" class=\"wp-caption-text\">Ksi\u0105\u017cka Katji Gloger i Georga Mascolo jest efektem wnikliwego \u015bledztwa oraz kwerendy w odtajnionych archiwach.<br \/>Foto: www.amazon.pl<\/p><\/div>\n<p>Deutschlands Russlandpolitik ist hochkomplex, und aus heutiger Sicht zeigt sich, dass manche Politiker mit ihrer Weitsicht beeindruckten, w\u00e4hrend andere durch ihre Blindheit oder reine Kalkulation verbl\u00fcfften. Ich war \u00fcberrascht, dass am 17. Februar 1993 eine Sitzung der Bundesregierung stattfand, in der Au\u00dfenminister Klaus Kinkel die Ergebnisse von Gespr\u00e4chen mit ukrainischen Politikern mitteilte und von \u201eregelrechter Angst\u201c sprach, die seit Anfang der 1990er-Jahre in der Ukraine herrsche. Er sagte damals, Kiew diskutiere nur eine Option: eine \u201evollwertige NATO-Mitgliedschaft\u201c.<\/p>\n<p>Die Aktivit\u00e4ten deutscher Diplomaten und der Bericht von Klaus Kinkel standen im Zusammenhang mit den Vorbereitungen f\u00fcr den Besuch des deutschen Bundeskanzlers in der Ukraine im Juni 1993. Helmut Kohl war der erste westliche Staatschef, der nach dem siegreichen Unabh\u00e4ngigkeitsreferendum einen offiziellen Besuch in der Ukraine abstattete.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #ffcc00;\">Deutschlands Russlandpolitik ist hochkomplex, und aus heutiger Sicht zeigt sich, dass manche Politiker mit ihrer Weitsicht beeindruckten, w\u00e4hrend andere durch ihre Blindheit oder reine Kalkulation verbl\u00fcfften.<\/span><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Russlandpolitik und die Beziehungen zur Ukraine waren ein Schwerpunkt der Regierung von Bundeskanzler Helmut Kohl. Die Weitsicht damaliger Diplomaten und ihre Schlussfolgerungen \u00fcberraschen noch heute. Knapp drei Monate nach diesem Treffen erstellte der Planungsstab des Ausw\u00e4rtigen Amtes ein Grundsatzpapier mit dem Titel \u201eUkraine: Einige Bemerkungen\u201c. Darin wiesen Experten und Wissenschaftler dieses wichtigen Beratungsgremiums des deutschen Au\u00dfenministers darauf hin, dass die Sicherheitsprobleme der Ukraine \u201epotenziell zu den destabilisierendsten in Europa geh\u00f6ren. Eine Ann\u00e4herung zwischen dem Westen und Kiew darf nicht allein ein Nebenprodukt der westlichen Politik gegen\u00fcber Moskau sein.\u201c Man bedenke, dass dieses Dokument fast 30 Jahre vor dem \u00dcberfall Russlands auf die Ukraine verfasst wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_69194\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-69194\" class=\"size-full wp-image-69194\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ab6765630000ba8a4a0817ceeafe7c2ccc5a7986.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"640\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ab6765630000ba8a4a0817ceeafe7c2ccc5a7986.jpg 640w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ab6765630000ba8a4a0817ceeafe7c2ccc5a7986-300x300.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/ab6765630000ba8a4a0817ceeafe7c2ccc5a7986-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-69194\" class=\"wp-caption-text\">Die Investigativ-Journalisten Georg Mascolo und Katja Gloger<br \/>Foto: Jana Edisonga<\/p><\/div>\n<p>Das kollektive Ged\u00e4chtnis erinnert sich noch lebhaft an Pr\u00e4sident Michail Gorbatschow, der am Morgen des 13. Juni 1989 auf dem Balkon des Bonner Rathauses einen kleinen Jungen in die Arme hob, w\u00e4hrend die Menge \u201eGorbi, Gorbi\u201c skandierte. Der Begr\u00fcnder der Perestroika gewann mit seiner Vision die Herzen der Deutschen und ebnete den Weg zur deutschen Wiedervereinigung. Unvergessen bleibt auch das Bild Wladimir Putins am Rednerpult des Bundestages am 25. September 2001, als er sagte: \u201eDer stabile Frieden auf dem Kontinent ist das Hauptziel.\u201c Bezeichnenderweise w\u00e4hlte der Pr\u00e4sident der Russischen F\u00f6deration Berlin als Ziel seiner ersten Auslandsreise nach seinem Amtsantritt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Versagen Am 6. Januar 2026 j\u00e4hrte sich zum 25. Mal der private Besuch des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schr\u00f6der mit seiner Frau in Russland. Das Kanzlerpaar verbrachte ein orthodoxes Weihnachtsfest zusammen mit dem Ehepaar Putin. 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