{"id":69585,"date":"2026-01-21T05:00:16","date_gmt":"2026-01-21T04:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/69585\/"},"modified":"2026-03-25T12:56:10","modified_gmt":"2026-03-25T11:56:10","slug":"69585","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/69585\/","title":{"rendered":"Die Gedanken Sind frei"},"content":{"rendered":"<h1>Roter Teppich oder Handschellen<\/h1>\n<p><strong>Am Anfang des Jahres ist die Hoffnung knapp. Nicht nur der Krieg in der Ukraine tobt weiter und Putin scheint immer wahnsinniger im T\u00f6ten zu sein. Nicht nur die Kinder in den L\u00e4ndern, die durch Kriege verw\u00fcstet sind, wie Gaza, Sudan oder Afghanistan, hungern weiter, sondern neue Konflikte oder Kriege stehen vor der T\u00fcr. China droht den Taiwanesen mit Truppen\u00fcbungen rund um die Insel, und es scheint so, als ob alle bef\u00fcrchten, dass das Trump-Beispiel aus Venezuela andere Machthaber der Welt ermutigen k\u00f6nnte, ihre Interessen und ihren Ehrgeiz milit\u00e4risch zu l\u00f6sen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Klar ist, dass Maduro ein selbsternannter Despot war und viele sich freuen, dass er weg ist. Doch zu bezweifeln ist, dass Trump ihn wegen Drogenhandels oder \u2013 noch weniger \u2013 wegen Verletzung demokratischer Prinzipien entf\u00fchren lie\u00df, sondern, wie schon fast bewiesen wurde, wegen des Zugangs zu den weltgr\u00f6\u00dften Erd\u00f6llagerst\u00e4tten. Mit dem roten Teppich f\u00fcr Putin und Handschellen f\u00fcr Maduro zeigte Pr\u00e4sident Trump zynisch, dass nicht das Ausma\u00df des Verbrechens, sondern die St\u00e4rke und Position eines Landes in den Augen der amerikanischen Politik dar\u00fcber entscheidet, wie Despoten betrachtet werden. Damit k\u00f6nnen zum Beispiel Xi Jinping oder Netanjahu weiter hoffen, dass ihnen eher ein roter Teppich als Handschellen bereitet werden.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>Der Einsatz in Venezuela, die \u00c4u\u00dferungen \u00fcber Gr\u00f6nland, die vorget\u00e4uschten Friedensgespr\u00e4che, in denen die Begriffe \u201eOpfer\u201c und \u201eAggressor\u201c durcheinandergebracht werden, zeigen, was Trump von V\u00f6lkerrecht und Vertr\u00e4gen h\u00e4lt.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Der Einsatz in Venezuela, die \u00c4u\u00dferungen \u00fcber Gr\u00f6nland, die vorget\u00e4uschten Friedensgespr\u00e4che, in denen die Begriffe \u201eOpfer\u201c und \u201eAggressor\u201c durcheinandergebracht werden, zeigen, was Trump von V\u00f6lkerrecht und Vertr\u00e4gen h\u00e4lt. All das vertieft die Gefahr einer Demontage der Weltordnung, die man nach den Erfahrungen der Weltkriege aufzubauen versucht hat.<\/p>\n<p>Es stimmt, dass die Eliten des Westens mit ihren demokratischen und menschenrechtlichen Parolen manchmal unverst\u00e4ndlich handeln, nicht nur gegen christliche Werte, sondern sogar gegen das Naturrecht. Es stimmt aber auch, dass gegenw\u00e4rtig grausame Angriffe und Verbrechen oft als Verteidigung religi\u00f6ser Werte dargestellt werden. Russland und der Iran zeigen sich als die besten Beispiele daf\u00fcr. Dank der Medien sind unsere Meinungen zerrissen, unsicher und ohne Anker. So ist die Atmosph\u00e4re des Jahresanfangs.<\/p>\n<p>In dieser Stimmung traf ich pl\u00f6tzlich auf einen Funken der Hoffnung f\u00fcr die Welt \u2013 im Hirtenbrief zum Silvester des Leitmeritzer Bischofs Stanislav P\u0159ibyl, in dem er 2026 zum \u201eJahr der Vers\u00f6hnung\u201c erkl\u00e4rt. Er schrieb dort:<\/p>\n<p>\u201eVor achtzig Jahren erlebten die Menschen die Freude \u00fcber das Ende des Krieges und den Frieden, doch neben der Euphorie kam es auch zur Abrechnung \u2013 mit den Menschen und mit der Vergangenheit. Diese Abrechnung nahm an vielen Orten Mitteleuropas die Form der Umsiedlung der urspr\u00fcnglichen Bev\u00f6lkerung und der Neubesiedlung an, um das Problem des nationalen Zusammenlebens zu l\u00f6sen. In unserer Di\u00f6zese betraf dies die Vertreibung der deutschen Bev\u00f6lkerung. (\u2026) Das Prinzip der Kollektivschuld sowie der oft begleitende Zorn und der Wunsch nach Rache, das pl\u00f6tzliche Erlangen von Besitz ohne Arbeit und ohne tiefere Bindung an den Ort \u2013 all dies hat vor allem in uns und zwischen uns tiefe Narben hinterlassen. (\u2026) Von unserer tschechischen Seite kam es nicht selten zu Exzessen: zu Pl\u00fcnderungen, Vergewaltigungen, Erniedrigungen \u2013 bis hin zu dem Ausma\u00df, dass nicht wenige der vertriebenen Deutschen aus Verzweiflung den Freitod w\u00e4hlten. Der H\u00f6hepunkt dieser Taten waren Ereignisse, die ohne \u00dcbertreibung als Massaker bezeichnet werden k\u00f6nnen, wie etwa in Aussig an der Elbe oder in Postelberg. (\u2026)<\/p>\n<div id=\"attachment_69273\" style=\"width: 325px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-69273\" class=\" wp-image-69273\" src=\"https:\/\/wochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Biskup_Stanislav_Pribyl-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"315\" height=\"473\" \/><p id=\"caption-attachment-69273\" class=\"wp-caption-text\">Stanislav P\u0159ibyl, Bischof von Leitmeritz. Foto: Roman Albrecht\/Wikimedia Commons<\/p><\/div>\n<p>Was aber k\u00f6nnen wir heute tun? Es ist niemals zu sp\u00e4t, zur\u00fcckzublicken und mit den Mitteln, die Gott uns gegeben hat, menschlich Unl\u00f6sbares anzugehen \u2013 und das sind gegenseitige Vergebung und Vers\u00f6hnung. Nach Beratung im Priesterrat habe ich daher beschlossen, das Jahr 2026 zum di\u00f6zesanen Jahr der Vers\u00f6hnung zu erkl\u00e4ren. Sein Kern werden zw\u00f6lf Gottesdienste der Vers\u00f6hnung sein, die in der Regel an Orten stattfinden werden, an denen die Vertreibung besonders unmenschlich war. (\u2026) Darum rufe ich Sie, liebe Schwestern und Br\u00fcder, auf, sich an diesem Prozess der Vers\u00f6hnung zu beteiligen \u2013 im Bewusstsein, dass wir, auch wenn wir nicht diejenigen waren, die vor achtzig Jahren ihren N\u00e4chsten Unrecht taten, doch von jener lebensspendenden Bewegung der Vergebung leben, um die wir in dem Gebet bitten, das uns unser Herr Jesus Christus selbst gelehrt hat: \u201aUnd vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.\u2018\u201c<\/p>\n<p>Mit den Worten aus Tschechien kam ich wieder zu dem Glauben, dass trotz allem, was Menschen durch Hass und Neid falsch, boshaft und m\u00f6rderisch tun, die einfachen Worte Jesu genug Zuh\u00f6rer finden und am Ende gewinnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roter Teppich oder Handschellen Am Anfang des Jahres ist die Hoffnung knapp. Nicht nur der Krieg in der Ukraine tobt weiter und Putin scheint immer wahnsinniger im T\u00f6ten zu sein. 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