{"id":69552,"date":"2026-01-26T13:05:30","date_gmt":"2026-01-26T12:05:30","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/eine-erinnerung-die-nicht-verstummt\/"},"modified":"2026-01-26T13:05:30","modified_gmt":"2026-01-26T12:05:30","slug":"eine-erinnerung-die-nicht-verstummt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/eine-erinnerung-die-nicht-verstummt\/","title":{"rendered":"Eine Erinnerung, die nicht verstummt"},"content":{"rendered":"<h1>Bericht von den Gedenkfeiern zur Oberschlesischen Trag\u00f6die in Lamsdorf<\/h1>\n<p><strong>Gestern, am 25. Januar 2026, wurde Lamsdorf (\u0141ambinowice) erneut zum Zentrum des Gedenkens an die schmerzhaften Ereignisse des Jahres 1945. Bewohner der Region, Vertreter der deutschen Minderheit sowie Politiker trafen sich, um den Opfern des Nachkriegsarbeitslagers die Ehre zu erweisen und der Oberschlesischen Trag\u00f6die zu gedenken.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Feierlichkeiten begannen um 15.00 Uhr mit einem Gottesdienst in der Kirche der hl. Maria Magdalena. Das in polnischer und deutscher Sprache gehaltene Gebet verlieh der gesamten Veranstaltung ihren Ton \u2013 einen Ton der Vers\u00f6hnung und der Besinnung.<\/p>\n<h2>Die Stimme der Kirche<\/h2>\n<p>Pfarrer Andrzej Anderwald, Assistent des bisch\u00f6flichen Vikars f\u00fcr nationale Minderheiten, betonte, dass die Erinnerung an die Verbrechen vergangener Jahre mit einer christlichen Haltung einhergehen m\u00fcsse.<br \/>\n\u201eAm einfachsten greift man auf das Gebet \u203aVaterunser\u2039 zur\u00fcck: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben. Dieses zweite Wort verpflichtet dazu, immer wieder den schweren Weg des Vergebens zu gehen\u201c, sagte Pfarrer Anderwald und erinnerte zugleich an seinen Mentor, Pr\u00e4lat Pawe\u0142 Pyrcha\u0142a, der ihn in diese schwierige Thematik eingef\u00fchrt hatte.<\/p>\n<div id=\"attachment_69451\" style=\"width: 795px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-69451\" class=\"wp-image-69451\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09292-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"785\" height=\"523\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09292-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09292-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09292-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09292-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09292.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 785px) 100vw, 785px\" \/><p id=\"caption-attachment-69451\" class=\"wp-caption-text\">Gedenktag Oberschlesische Trag\u00f6die Lamsdorf 2026. Im Bild, (v.l.n.r.): Edyta Gola, Zuzanna Donath-Kasiura, Rafa\u0142 Bartek.<br \/>Foto: Stefani Koprek-Golomb<\/p><\/div>\n<h2>Die Pflicht des Gedenkens<\/h2>\n<p>Nach dem Gottesdienst begaben sich die Teilnehmer zum Friedhof der Opfer des Arbeitslagers in Lamsdorf (\u0141ambinowice). Um 16.15 Uhr wurden Kr\u00e4nze niedergelegt und Hunderte von Kerzen entz\u00fcndet. Ryszard Galla, stellvertretender Vorsitzender der SKGD, schilderte in seiner Ansprache die Wirklichkeit des Jahres 1945:<br \/>\n\u201eDas Jahr 1945 war eine Zeit unvorstellbarer Verbrechen an der unschuldigen Zivilbev\u00f6lkerung. An Deutschen und Schlesiern. An M\u00e4nnern, Frauen, alten Menschen und Kindern. Alle erlitten unermessliches Leid: Vertreibungen, Deportationen, Morde, Vergewaltigungen. Die einen wurden zu Opfern, die anderen zu unmittelbaren Zeugen\u201c, erinnerte Galla.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #ffcc00;\">F\u00fcr viele Anwesende, wie etwa f\u00fcr Urszula Lissy aus der DFK Gorki, ist die Fahrt nach Lamsdorf (Lamsdorf) eine \u201egeistige Pflicht\u201c. Frau Lissy besucht diesen Ort seit zehn Jahren und pflegt die Erinnerung an ihre Verwandten aus Schiedlow.<\/span><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Der Politiker betonte zudem, dass heute die j\u00fcngeren Generationen zur \u201eStimme derer werden m\u00fcssen, die schwiegen\u201c.<br \/>\n\u201eHeute liegt die Verantwortung f\u00fcr die Bewahrung ihrer Schicksale bei uns. Viele Jahre lang durften die Opfer dieser Trag\u00f6die nicht \u00fcber das ihnen zugef\u00fcgte Unrecht sprechen. Aber wir k\u00f6nnen und sollen es tun. Gerade dank uns bleibt die Erinnerung an ihr Leiden lebendig\u201c, unterstrich er und f\u00fcgte hinzu, dass erst nach 1989 ein w\u00fcrdiges Gedenken an diesen Ort durch die Errichtung eines Kreuzes und die Anlage eines Friedhofs m\u00f6glich wurde.<\/p>\n<h2>Die europ\u00e4ische Dimension der Trag\u00f6die. Die Stimme eines Politikers<\/h2>\n<p>Der an den Feierlichkeiten teilnehmende Europaabgeordnete \u0141ukasz Kohut wies darauf hin, wie wichtig es sei, dass das Wissen \u00fcber die schlesischen Schicksale \u00fcber die Grenzen der Region hinausgetragen werde.<br \/>\n\u201eWir brauchen es, dass sowohl Polen als auch ganz Europa wei\u00df, was sich nach 1945 auf schlesischem Boden ereignet hat. Lamsdorf ist ein besonderer Ort, weil diese Tafeln mit konkreten Namen der Menschen schreien, die hier ermordet wurden. Solche Tafeln mit Namen gibt es an anderen Gedenkorten dieser Ereignisse nicht. Das wirkt auf die Vorstellungskraft\u201c, sagte Kohut und erinnerte an seine Bem\u00fchungen, den Begriff \u203aOberschlesische Trag\u00f6die\u2039 dauerhaft in den Resolutionen des Europ\u00e4ischen Parlaments zu verankern.<\/p>\n<div id=\"attachment_69450\" style=\"width: 808px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-69450\" class=\" wp-image-69450\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09302-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"798\" height=\"532\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09302-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09302-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09302-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09302-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09302.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 798px) 100vw, 798px\" \/><p id=\"caption-attachment-69450\" class=\"wp-caption-text\">Europaabgeordnete \u0141ukasz Kohut wies darauf hin, wie wichtig es sei, dass das Wissen \u00fcber die schlesischen Schicksale \u00fcber die Grenzen der Region hinausgetragen werde. Im Bild (v.l.n.r): Ryszard Galla, \u0141ukasz Kohut, Joanna Hassa.<br \/>Foto: Stefani Koprek-Golomb<\/p><\/div>\n<h2>Pers\u00f6nliche Dramen. Stimmen der Erinnerung<\/h2>\n<p>F\u00fcr viele Anwesende, wie etwa f\u00fcr Urszula Lissy aus der DFK Gorki, ist die Fahrt nach Lamsdorf (\u0141ambinowice) eine \u201egeistige Pflicht\u201c. Frau Lissy besucht diesen Ort seit zehn Jahren und pflegt die Erinnerung an ihre Verwandten aus Schiedlow.<br \/>\n\u201eMeine Tante aus Deutschland erz\u00e4hlte mir, was hier im Lager in Lamsdorf geschah. In der Schule wurde Geschichte nur oberfl\u00e4chlich behandelt, deshalb versuche ich als Erwachsene, diesem Thema auf den Grund zu gehen. Heute komme ich mit meinen Enkeln hierher und erz\u00e4hle ihnen diese komplizierte und tragische Geschichte. Ich f\u00fcrchte nur, ob die heutige Jugend eines Tages noch so viel Interesse an diesen Ereignissen haben wird wie wir\u201c, gestand Urszula Lissy.<\/p>\n<div id=\"attachment_69440\" style=\"width: 799px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-69440\" class=\" wp-image-69440\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09372-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"789\" height=\"526\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09372-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09372-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09372-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09372-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09372.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 789px) 100vw, 789px\" \/><p id=\"caption-attachment-69440\" class=\"wp-caption-text\">Gedenktag Oberschlesische Trag\u00f6die Lamsdorf 2026.<br \/>Foto: Stefani Koprek-Golomb<\/p><\/div>\n<p>Von einer \u00e4hnlichen Motivation l\u00e4sst sich Barbara \u017bym\u0142a aus der DFK Chrzumcz\u00fctz leiten. Obwohl ihre Familie nicht direkt in Lamsdorf inhaftiert war, kommt sie hierher, um der in Bogusch\u00fctz ermordeten Angeh\u00f6rigen zu gedenken.<br \/>\n\u201eMeine Gro\u00dfmutter wurde von der Roten Armee erschossen, ebenso meine Tante mit ihren vier Kindern. Als mein Onkel aus der russischen Gefangenschaft zur\u00fcckkehrte, hatte er niemanden mehr. In Bogusch\u00fctz ermordeten die Sowjets in wenigen Tagen nach der \u00dcberschreitung der Oder etwa 300 Menschen. Ich komme hierher, denke an die Opfer und erlebe es innerlich mit. Das ist f\u00fcr mich sehr wichtig\u201c, sagte Barbara.<\/p>\n<h2>Musik, die Trost spendet<\/h2>\n<p>Den Abschluss des Tages bildete ein Konzert im Zentralmuseum der Kriegsgefangenen unter dem Titel \u201eJesu spes mea \u2013 Poesie und Musik, die Trost spenden\u201c. Vor dem Publikum traten Sch\u00fcler und Absolventen der Staatlichen Musikschule in Oppeln sowie Oskar Kozio\u0142ek-Goetz auf. Die Auswahl der Werke, f\u00fcr die der Musiker Hubert Prochota verantwortlich war, wurde zu einer k\u00fcnstlerischen Erg\u00e4nzung von Gebet und Nachdenken.<\/p>\n<div id=\"attachment_69441\" style=\"width: 786px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-69441\" class=\" wp-image-69441\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09355-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"776\" height=\"517\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09355-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09355-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09355-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09355-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09355.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 776px) 100vw, 776px\" \/><p id=\"caption-attachment-69441\" class=\"wp-caption-text\">Gedenktag Oberschlesische Trag\u00f6die Lamsdorf 2026.<br \/>Foto: Stefani Koprek-Golomb<\/p><\/div>\n<p>Die gestrigen Feierlichkeiten, organisiert vom Verband der deutschen Gesellschaften (VdG) in Polen mit Unterst\u00fctzung des deutschen Innenministeriums, zeigten einmal mehr, dass zwar 81 Jahre seit der Trag\u00f6die vergangen sind, die Wunde in den Herzen der Bewohner Schlesiens jedoch weiterhin offen ist und das Bed\u00fcrfnis nach Wahrheit ungebrochen bleibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht von den Gedenkfeiern zur Oberschlesischen Trag\u00f6die in Lamsdorf Gestern, am 25. Januar 2026, wurde Lamsdorf (\u0141ambinowice) erneut zum Zentrum des Gedenkens an die schmerzhaften Ereignisse des Jahres 1945. Bewohner der Region, Vertreter der deutschen Minderheit sowie Politiker trafen sich, um den Opfern des Nachkriegsarbeitslagers die Ehre zu erweisen und der Oberschlesischen Trag\u00f6die zu gedenken.<\/p>\n","protected":false},"author":295,"featured_media":69454,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4224,4231],"tags":[3924,4184,6679,4038,4185,3572,6930,5906,6258],"redaktor":[],"class_list":["post-69552","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-de","category-news-de","tag-andrzej-anderwald","tag-arbeitslager-lamsdorf","tag-die-oberschlesische-tragoedie-1945-1956-de-2","tag-friedhof-der-opfer-des-arbeitslagers-lamsdorf","tag-internierungslager-lamsdorf","tag-lambinowice","tag-lukasz-kohut-de","tag-oberschlesische-tragoedie-de","tag-ryszard-galla-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69552","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/295"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69552"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69552\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/69454"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69552"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69552"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69552"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=69552"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}