{"id":69550,"date":"2026-01-26T17:00:22","date_gmt":"2026-01-26T16:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wort-zur-oberschlesischen-tragodie\/"},"modified":"2026-01-26T17:00:22","modified_gmt":"2026-01-26T16:00:22","slug":"wort-zur-oberschlesischen-tragodie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wort-zur-oberschlesischen-tragodie\/","title":{"rendered":"Wort zur Oberschlesischen Trag\u00f6die"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li>Sonntag im Jahreskreis \u2013 A<\/li>\n<li>Lesung: Jes 8,23b \u2013 9,3<\/li>\n<li>Lesung: 1 Kor 1,10\u201313.17<br \/>\nEvangelium: Mt 4,12\u201313<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>In diesem Jahr kommen am dritten Sonntag im liturgischen Jahreskreis und am letzten Sonntag im Monat Januar zwei Bereiche zusammen, die eine Botschaft senden. Diese Bereiche sind die Lesungen, die im katholischen Gottesdienst vorkommen, und der Gedenktag an die Oberschlesische Trag\u00f6die 1945\u20131946. Die eine Botschaft lautet: Finsternis \u00fcber den V\u00f6lkern und Nationen. Und nur das Licht kann die Dunkelheit vertreiben.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Finsternis \u00fcber Galil\u00e4a zu Zeiten Jesu<\/h2>\n<p>\u00dcber die Region Galil\u00e4a, die Heimat Jesu, verfasste Iris Mankiewicz in Marburg eine Abhandlung. Sie beschrieb das Land u. a. als ein Gebiet, in dem Herodes Antipas regierte (4 v. Chr. bis 39 n. Chr.). Zu seiner Zeit \u201ewurde Galil\u00e4a in den Quellen nicht mehr erw\u00e4hnt; fast hat es den Anschein, als habe Herodes dieses Gebiet aus den Augen verloren\u201c. Die \u00e4ltere und neuere Forschung zeigt, dass Herodes sein Land mit gro\u00dfer H\u00e4rte regierte. In seinem Bem\u00fchen um den Thron konnte er auf eine starke milit\u00e4rische Macht, einen t\u00fcchtigen Beamtenapparat und ein Heer von Agenten zur\u00fcckgreifen. Nach den Berichten des Historikers Josephus Flavius (ca. 37\u2013100 n. Chr.) lie\u00df Herodes seine Untertanen von Spionen beobachten, um bei den geringsten Anzeichen von Unruhe zuschlagen zu k\u00f6nnen, und umgab \u201edas ganze Volk mit Festungen, damit es nicht nach Belieben Unruhen erregen k\u00f6nnte\u201c. Herodes\u2019 Herrschaft wies alle Anzeichen einer Tyrannei auf. Galil\u00e4a war in diesem System l\u00fcckenloser Kontrolle nicht mehr in der Lage, Widerstand zu leisten.<\/p>\n<div id=\"attachment_69435\" style=\"width: 771px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-69435\" class=\" wp-image-69435\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09408-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"761\" height=\"507\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09408-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09408-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09408-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09408-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09408.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 761px) 100vw, 761px\" \/><p id=\"caption-attachment-69435\" class=\"wp-caption-text\">Gedenktag Oberschlesische Trag\u00f6die Lamsdorf 2026.<br \/>Foto: Stefani Koprek-Golomb<\/p><\/div>\n<p>Galil\u00e4a war von den St\u00e4mmen Issachar, Sebulon, Naphtali und Asser besiedelt worden. Seit der Landnahme war es niemals ein rein j\u00fcdisches Gebiet. Nach den st\u00e4ndigen Herrschaftswechseln in seiner Geschichte war die Bev\u00f6lkerung Galil\u00e4as durch Einwanderer zu einem un\u00fcbersehbaren Konglomerat von Israeliten, Medern, Aram\u00e4ern, Arabern, Ph\u00f6niziern und Griechen geworden. Im Schmelztiegel des Hellenismus entstand in diesem Land ein griechisch orientiertes V\u00f6lkergemisch. Der Glaube an den einen Gott, den Sch\u00f6pfer und Besch\u00fctzer des Volkes Israel, wurde einged\u00e4mmt und verlor dadurch seine tragende Kraft. Somit konnte mit einer religi\u00f6sen Wende zugunsten der St\u00e4mme Israels kaum gerechnet werden.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund reicht der Evangelist Matth\u00e4us den Einwohnern Galil\u00e4as die Worte des Propheten Jesaja weiter: \u201eDas Land Sebulon und das Land Naftali, die Stra\u00dfe am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galil\u00e4a: Das Volk, das im Dunkel sa\u00df, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.\u201c<\/p>\n<h2>Licht f\u00fcr die Zukunft zu Zeiten Jesu<\/h2>\n<p>Das Licht, von dem der Prophet Jesaja spricht, ist Jesus, der Messias, der menschgewordene Gottessohn. Auch wenn wir schon fast am Ende des ersten Monats des Jahres 2026 angekommen sind, k\u00f6nnen wir uns deutlich an die Botschaft von Weihnachten und Neujahr erinnern (Joh 1,9\u201312): \u201eDas wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben.\u201c<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>In unserem Jahrhundert sind die milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen \u2013 leider \u2013 nicht verschwunden. Das Licht, das Jesus selbst in die Welt gebracht hat, wird dringend ben\u00f6tigt.<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Um die Menschen aus der Finsternis ihres Denkens und Handelns zu befreien, rief ihnen Jesus zu Beginn seiner Verk\u00fcndigung zu: \u201eKehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.\u201c Anders gesagt: \u00dcberdenkt euer Verhalten, wendet euch Gott zu, lasst euch von Habgier, Hass und Herrscherwahn befreien. Werdet zu Schwestern und Br\u00fcdern, zu Kindern Gottes, zu einer Familie von Menschen des Lichtes. Diesem Ruf, dieser Warnung und Einladung konnte die Menschheit in ihrer Geschichte nur phasenweise folgen.<\/p>\n<h2>Finsternis \u00fcber den V\u00f6lkern im 20. Jahrhundert<\/h2>\n<p>Erstaunlich ist, dass Despoten und Diktaturen in der Geschichte immer wieder auftauchen und das Leben der Menschen zur H\u00f6lle machen. Grausam und menschenverachtend waren im 20. Jahrhundert die totalit\u00e4ren Systeme: der Kommunismus, der auf russischem Boden um 1920 entstand und bis 1991 in der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken wirkte; der Faschismus in Italien unter Mussolini, der sich von 1922 bis 1943 hielt; sowie der Nationalsozialismus in Deutschland von 1933 bis 1945, der den Zweiten Weltkrieg entfachte. Die Gr\u00e4ueltaten der nationalsozialistischen Streitkr\u00e4fte waren unbeschreiblich brutal. Millionen von Menschen \u2013 Juden, das Volk der Roma, die slawischen Einwohner Europas, insbesondere Polen, Tschechen und Slowaken \u2013 wurden auf grausame Weise vernichtet. In den Zweiten Weltkrieg wurden unter anderem junge und \u00e4ltere M\u00e4nner aus Schlesien einbezogen und an die Front geschickt. Viele von ihnen kehrten nicht mehr nach Hause zur\u00fcck.<\/p>\n<div id=\"attachment_69432\" style=\"width: 798px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-69432\" class=\" wp-image-69432\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09437-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"788\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09437-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09437-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09437-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09437-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/DSC09437.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 788px) 100vw, 788px\" \/><p id=\"caption-attachment-69432\" class=\"wp-caption-text\">Gedenktag Oberschlesische Trag\u00f6die Lamsdorf 2026.<br \/>Foto: Stefani Koprek-Golomb<\/p><\/div>\n<p>In Oberschlesien blieben w\u00e4hrend des Krieges die Facharbeiter in der Stahl- und Kohlenindustrie sowie in der Waffenproduktion in ihren Betrieben. Nach dem Einmarsch der Roten Armee in die oberschlesischen St\u00e4dte wurden \u00fcber 40.000 Menschen in die Sowjetunion verschleppt \u2013 eine weitere tragische Folge des Krieges. Aus den kommunistischen Arbeitslagern kehrten nur wenige in ihre Heimat zur\u00fcck. Hinzu kamen Morde, Vergewaltigungen und Raub\u00fcberf\u00e4lle sowie Verhaftungen und Folter. Die \u201eTrag\u00f6die von Oberschlesien\u201c wird heute meist als die Repressionen verstanden, denen die Einwohner Oberschlesiens in den Jahren 1945\u20131946 aus nationalistischen Gr\u00fcnden durch die kommunistischen (sowjetischen und polnischen) Machthaber ausgesetzt waren.<\/p>\n<p>Eine weitere dramatische Folge des Krieges war die Vertreibung der deutschen Bev\u00f6lkerung Schlesiens aus ihren H\u00e4usern, Wohnungen und Besitzt\u00fcmern. Dabei handelte es sich nicht nur um Oberschlesien, sondern in weit gr\u00f6\u00dferem Ausma\u00df auch um Niederschlesien. Das sind schmerzhafte und ersch\u00fctternde Konsequenzen eines entfesselten Krieges. Die Vergangenheit zeigt deutlich, dass milit\u00e4rische \u00dcbergriffe, die Vernichtung der Bev\u00f6lkerung einzelner Staaten und Nationen, Deportationen, Vertreibungen, die Einweisung in Arbeitslager, die totalit\u00e4re Kontrolle der Bewohner und der Entzug ihrer Freiheit katastrophale Folgen haben und zu fast lebenslangen Krisen in den gegenseitigen Beziehungen f\u00fchren. Auch nach 80 Jahren wird hier noch immer ein Durchbruch in Richtung Mut zur Aufkl\u00e4rung und Aufarbeitung ben\u00f6tigt.<\/p>\n<h2>Licht und Zukunft f\u00fcr das 21. Jahrhundert<\/h2>\n<p>In unserem Jahrhundert sind die milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen \u2013 leider \u2013 nicht verschwunden. Das Licht, das Jesus selbst in die Welt gebracht hat, wird dringend ben\u00f6tigt. Er \u2013 als Licht der Welt \u2013 ist die Kraft f\u00fcr einen Frieden, der das Menschliche zum Nachdenken, zur Vergebung und zur Vers\u00f6hnung bewegen kann. Jesus, der Sohn Gottes, kann die menschliche Vernunft heilen und sie zu Entscheidungen f\u00fchren, die den Frieden f\u00f6rdern und erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Das Evangelium nach Matth\u00e4us zeigt uns das Wirken des Messias. Er ruft die Menschen in seine Nachfolge. Damals waren es Petrus und Andreas, Jakobus und Johannes. Heute k\u00f6nnten den Fischern von Kafarnaum die gegenw\u00e4rtigen Herrscher aus Moskau, New York, Kiew, Jerusalem und Pal\u00e4stina, aus dem Kongo und Nigeria, aus Kolumbien, Venezuela und vielen anderen Orten der Welt folgen. Jesus selbst \u201ezog in ganz Galil\u00e4a umher \u2013 wie wir bei Matth\u00e4us lesen \u2013, lehrte in den Synagogen, verk\u00fcndete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden\u201c.<\/p>\n<p>Wir alle k\u00f6nnten die heilwirkende N\u00e4he Jesu Christi dringend brauchen \u2013 f\u00fcr uns und f\u00fcr die Welt. Dem steht nichts im Wege au\u00dfer dem menschlichen Willen. Beginnen wir, Jesus, den Gottessohn, zu wollen und ihm zu folgen. Gewiss kann das die ersehnten Ver\u00e4nderungen bewirken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonntag im Jahreskreis \u2013 A Lesung: Jes 8,23b \u2013 9,3 Lesung: 1 Kor 1,10\u201313.17 Evangelium: Mt 4,12\u201313 In diesem Jahr kommen am dritten Sonntag im liturgischen Jahreskreis und am letzten Sonntag im Monat Januar zwei Bereiche zusammen, die eine Botschaft senden. Diese Bereiche sind die Lesungen, die im katholischen Gottesdienst vorkommen, und der Gedenktag an [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":295,"featured_media":56241,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4225],"tags":[2632,4037,3993,2781,3613],"redaktor":[],"class_list":["post-69550","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kirche-de","tag-bischofsvikar-peter-tarlinski","tag-die-oberschlesische-tragoedie-1945-1956","tag-oberschlesische-tragoedie","tag-tragedia-gornoslaska","tag-tragedia-gornoslaska-1945-1956"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69550","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/295"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69550"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69550\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/56241"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69550"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69550"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69550"},{"taxonomy":"redaktor","embeddable":true,"href":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/redaktor?post=69550"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}