{"id":66123,"date":"2025-10-04T17:00:06","date_gmt":"2025-10-04T15:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/wochenblatt.pl\/?p=66123"},"modified":"2026-02-10T22:42:23","modified_gmt":"2026-02-10T21:42:23","slug":"wie-vater-uns-mit-schlager-indoktrinierte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/wie-vater-uns-mit-schlager-indoktrinierte\/","title":{"rendered":"Glosse"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Wie Vater uns mit Schlager <em>indoktrinierte<\/em><\/strong><\/h1>\n<p><strong>Man k\u00f6nnte sagen, dass ich Schlagerliebe mit der Muttermilch ausgesaugt habe. Es w\u00e4re aber eine L\u00fcge, denn meine Mutter hatte nie viel \u00fcbrig f\u00fcr Schlager, sie ist eher der klassische Typ. An jedem Tag w\u00fcrde sie Bach oder Mozart einem Heino oder einem Hansi Hinterseer vorziehen. Daf\u00fcr liebt mein Vater deutschen Schlager umso mehr.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Und ich muss gestehen: Wir, als seine Familie, haben es ihm in dieser Hinsicht nie leichtgemacht. Sobald in einem von uns, seinen Kindern, sowas wie Musikgeschmack zu reifen begann, verp\u00f6nten wir seine Schlagerliebe gnadenlos, machten uns \u00fcber Wolfgang Petris Schnurrbart und die Outfits der Wildecker Herzbuben ohne Erbarmen lustig.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-66125\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_8423_-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"523\" height=\"697\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_8423_-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_8423_-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IMG_8423_.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 523px) 100vw, 523px\" \/><\/p>\n<p>Sanften Herzens, wie mein Vater nun mal ist, hat er sich nie beschwert. Doch er praktizierte einen stillen, anhaltbaren Widerstand. Er lie\u00df sich nie davon abbringen Schlager zu h\u00f6ren. Er versuchte uns immer wieder aufs Neue davon zu \u00fcberzeugen, dass Marianne und Michael tolle Musik machen. Doch wenn er den Fernseher lauter aufgedreht hatte, schlossen sich T\u00fcren im ganzen Haus mit lautem Knall. Mutter verschwand in den Garten und Vater blieb allein mit Roland Kaiser und Co. Doch seine dauerhafte Resistenz f\u00fchrte zumindest zum Erfolg. Die deutschen Schlagerstars, wir kannten sie alle. Die Melodien und Reime haben sich in unserem Ged\u00e4chtnis f\u00fcr immer verankert. Ohrwurme? Eher Gehirnw\u00fcrme. Der Enzian bl\u00fcht nun mal blau, ein bisschen Spa\u00df muss sein und rote Lippen soll man k\u00fcssen, koste es, was es wolle. Einmal vom Schlagerfieber gepackt, gab es kein Entkommen. Auch als passive Zuh\u00f6rer stecken wir uns an.<\/p>\n<p>Heute qu\u00e4lt uns Vater nur noch auf WhatsApp mit Videos. Es ist aber nicht das Gleiche. Nur wenn wir am Sonntag zum Mittagessen kommen, m\u00fcssen wir wieder um seine Aufmerksamkeit mit Kiwi und dem Fernsehgarten k\u00e4mpfen. Nat\u00fcrlich stehen wir da auf verlorenem Posten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Vater uns mit Schlager indoktrinierte Man k\u00f6nnte sagen, dass ich Schlagerliebe mit der Muttermilch ausgesaugt habe. Es w\u00e4re aber eine L\u00fcge, denn meine Mutter hatte nie viel \u00fcbrig f\u00fcr Schlager, sie ist eher der klassische Typ. An jedem Tag w\u00fcrde sie Bach oder Mozart einem Heino oder einem Hansi Hinterseer vorziehen. 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