{"id":63078,"date":"2025-06-28T17:00:49","date_gmt":"2025-06-28T15:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/wochenblatt.pl\/?p=63078"},"modified":"2026-02-10T22:36:31","modified_gmt":"2026-02-10T21:36:31","slug":"kulturarbeit-im-daz-ein-raum-fuer-geschichte-stimmen-und-begegnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/kulturarbeit-im-daz-ein-raum-fuer-geschichte-stimmen-und-begegnung\/","title":{"rendered":"Kulturarbeit im DAZ: Ein Raum f\u00fcr Geschichte, Stimmen und Begegnung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Entsendeprogramm des Instituts f\u00fcr Auslandsbeziehungen (ifa) unterst\u00fctzt Organisationen der deutschen Minderheiten in Osteuropa und Zentralasien durch den Einsatz von Kulturmanager:innen und Redakteur:innen. Mit ihrem Fachwissen helfen sie nicht nur bei Projekten, sondern auch dabei, ein modernes Deutschland- und Europabild zu vermitteln und die kulturelle Vermittlerrolle der Organisationen zu st\u00e4rken. Wir sprechen mit den Entsandten \u00fcber ihre Aufgaben, Ziele und Beweggr\u00fcnde f\u00fcr diese interkulturelle T\u00e4tigkeit. Mit Iga Nowicz sprach Victoria Matuschek.<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_63082\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-63082\" class=\"size-full wp-image-63082\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Foto-Iga-Nacht-der-Museen-scaled-1.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Foto-Iga-Nacht-der-Museen-scaled-1.jpg 2560w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Foto-Iga-Nacht-der-Museen-scaled-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Foto-Iga-Nacht-der-Museen-scaled-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Foto-Iga-Nacht-der-Museen-scaled-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Foto-Iga-Nacht-der-Museen-scaled-1-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Foto-Iga-Nacht-der-Museen-scaled-1-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-63082\" class=\"wp-caption-text\">Iga Nowicz bei der Nacht der Museen.<br \/>Quelle: Iga Nowicz\/DAZ<\/p><\/div>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\"><strong>Wie bist du zum ifa-Entsendeprogramm gekommen und was hat dich motiviert, im Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen (DAZ) t\u00e4tig zu werden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor etwa einem Jahr, als ich mich beworben habe, wurde mir bewusst, dass ich gerne im Kulturbereich arbeiten m\u00f6chte. Damals war ich als Beraterin in einem IT-Projekt t\u00e4tig \u2013 dabei ging es viel um Kommunikation und Recherche. Trotzdem habe ich gemerkt, dass ich gerne zu einem Themenfeld zur\u00fcckkehren w\u00fcrde, das st\u00e4rker mit meinen pers\u00f6nlichen Interessen und meinem Studium, der Germanistik, verkn\u00fcpft ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich fand die Stelle spannend und war neugierig auf Oppeln \u2013 eine Stadt, die ich bis dahin gar nicht kannte. Besonders angesprochen hat mich die M\u00f6glichkeit, eigenst\u00e4ndig Projekte umzusetzen, eigene Ideen einzubringen und im Bereich Community-Arbeit t\u00e4tig zu sein, also in einem Umfeld, in dem ich unmittelbar etwas bewegen kann. Ich wollte meine Zeit und Energie in konkrete Aktivit\u00e4ten investieren, die verbindend wirken und verschiedene Gemeinschaften einander n\u00e4herbringen. Mit meinem Hintergrund hat das einfach sehr gut gepasst.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\"><strong>Du kommst ja geb\u00fcrtig aus Polen \u2013 hattest du vorher bereits Kontakt zur deutschen Minderheit?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich nicht \u2013 das war f\u00fcr mich etwas ganz Neues. Und genau das hat den Job f\u00fcr mich so attraktiv gemacht. Ich fand die Vorstellung spannend, eine neue Gemeinschaft kennenzulernen. Bis dahin war ich vor allem mit Deutsch als Fremdsprache vertraut und habe viel im Kontext der deutsch-polnischen Zusammenarbeit gearbeitet, vor allem in Berlin. Umso interessanter war es f\u00fcr mich, nun die andere Seite kennenzulernen \u2013 die deutsche Minderheit in Polen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\"><strong>Du hast Germanistik studiert und warst auch in Berlin. Hast du denn l\u00e4ngere Zeit in Deutschland gelebt \u2013 und wenn ja, wo genau?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war w\u00e4hrend meines Studiums sehr h\u00e4ufig in Deutschland. Zun\u00e4chst habe ich ein Praktikum in Hamburg gemacht, sp\u00e4ter dann ein Jahr in Heidelberg studiert und gearbeitet. Als ich mit meiner Doktorarbeit in London begonnen habe, war ich Teil eines Joint-PhD-Programms \u2013 ein Teil davon fand in Berlin statt. So kam ich 2014 zum ersten Mal f\u00fcr ein Jahr nach Berlin: Ich war an der Universit\u00e4t, habe recherchiert und versucht, mich einzubringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2016 bin ich dann erneut nach Berlin gezogen und 2018 habe ich meine Dissertation abgeschlossen. Ich habe dort auch an der Humboldt-Universit\u00e4t unterrichtet. Die Zeit in Berlin war f\u00fcr mich in vielerlei Hinsicht pr\u00e4gend. Es war definitiv eine sehr formative Phase meines Lebens \u2013 durch die Freundschaften, die ich geschlossen habe, und weil ich mich selbst besser kennengelernt habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Berlin war f\u00fcr mich ein Ort der Offenheit und M\u00f6glichkeiten. Ich habe dort gelernt, dass es viele verschiedene Wege gibt und dass es in Ordnung ist, sich Zeit zu lassen, um Entscheidungen zu treffen \u2013 und weiter auf der Suche zu sein. Au\u00dferdem habe ich dort meine kreative Seite wiederentdeckt: Ich habe viel geschrieben, war im Austausch mit kreativen Menschen \u2013 all das hat mich sehr inspiriert.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\"><strong>Du hast bereits erw\u00e4hnt, dass du w\u00e4hrend deines Studiums im Bereich deutsch-polnische Beziehungen t\u00e4tig warst. Wie erlebst du den interkulturellen Austausch in Oppeln \u2013 insbesondere im Kontakt mit der deutschen Minderheit und der polnischen Mehrheitsgesellschaft?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war ehrlich gesagt \u00fcberrascht, als ich meine Arbeit aufgenommen habe und Menschen aus der polnischen Mehrheitsgesellschaft erz\u00e4hlte, was ich mache. Es hat mich erstaunt, wie stark manche Vorurteile noch immer vorhanden sind und welche Assoziationen viele mit \u201eden Deutschen in Polen\u201c verbinden. Es gibt nach wie vor viele Klischees \u2013 und nat\u00fcrlich ist die Beziehung durch den Zweiten Weltkrieg nachhaltig gepr\u00e4gt. Aber das ist nicht das einzige Thema, mit dem wir hier arbeiten.<br \/>\nF\u00fcr viele scheint es fast selbstverst\u00e4ndlich: Wenn man von der deutschen Minderheit spricht, denken sie sofort an den Krieg. Das ist zwar nachvollziehbar, aber mir war vorher nicht bewusst, wie pr\u00e4sent dieses Narrativ nach wie vor ist. Deshalb versuche ich immer wieder zu erkl\u00e4ren, worum es in unserer Arbeit eigentlich geht \u2013 was unsere Schwerpunkte sind, unsere Mission und welche Ziele wir verfolgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die deutsche Minderheit ist f\u00fcr mich eine neue Gemeinschaft, und ich finde es sehr beeindruckend, wie stark ihr Zusammenhalt ist. Es gibt tats\u00e4chlich Menschen, die regelm\u00e4\u00dfig zu uns kommen, die unsere Arbeit verfolgen und sich aktiv beteiligen \u2013 unsere Stammg\u00e4ste sozusagen. Man sp\u00fcrt bei ihnen ein echtes Bed\u00fcrfnis, sich mit der eigenen Geschichte und Kultur auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sehe meine Rolle darin, diese Gemeinschaft zu st\u00e4rken \u2013 aber auch darin, neue Themen einzubringen und zus\u00e4tzliche Perspektiven aufzuzeigen. Zum Beispiel habe ich versucht, \u00fcber Literatur zu arbeiten. Ich denke, das ist ein guter Weg, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen \u2013 auf eine offenere, zug\u00e4nglichere Weise, die auch Menschen anspricht, die nicht zur Minderheit geh\u00f6ren.<\/p>\n<div id=\"attachment_63084\" style=\"width: 2058px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-63084\" class=\"size-full wp-image-63084\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Katie-Workshop.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"1365\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Katie-Workshop.jpg 2048w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Katie-Workshop-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Katie-Workshop-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Katie-Workshop-768x512.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Katie-Workshop-1536x1024.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 2048px) 100vw, 2048px\" \/><p id=\"caption-attachment-63084\" class=\"wp-caption-text\">Der Workshop im Rahmen der Veranstaltungsreihe &#8222;Die Frau und der Krieg&#8220; mit Dr. Katherine Stone er\u00f6ffnete neue Perspektiven auf ein schmerzhaftes Kapitel der Geschichte.<br \/>Quelle: Iga Nowicz\/DAZ<\/p><\/div>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\"><strong>Ich finde, deine Position als geb\u00fcrtige Polin mit starker Bindung zur deutschen Sprache macht dich zur idealen Br\u00fcckenbauerin zwischen zwei Kulturen. Gibt es ein Projekt, eine Ausstellung oder Veranstaltung, auf die du besonders stolz bist? Was war dir dabei wichtig zu vermitteln?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders stolz bin ich auf das Projekt \u201eDie Frau und der Krieg\u201c, das wir im April durchgef\u00fchrt haben. Es drehte sich um Erinnerungen von Frauen rund um das Jahr 1945 \u2013 insbesondere um das Schweigen oder die Schwierigkeit, \u00fcber bestimmte Erlebnisse zu sprechen, etwa \u00fcber Gewalterfahrungen. F\u00fcr mich ist das ein gutes Beispiel f\u00fcr kulturelle Bildung: Ein historisches Thema wird aufgegriffen, das bis heute in Familien und Gemeinschaften nachwirkt \u2013 und doch oft aus verschiedenen Gr\u00fcnden lange verschwiegen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zentrum stand das Buch Eine Frau in Berlin, das wir gemeinsam mit der Literaturwissenschaftlerin Dr. Katherine Stone aus Gro\u00dfbritannien besprochen haben. Erg\u00e4nzt wurde das durch eine Podiumsdiskussion mit Historiker:innen und eben auch der Literaturwissenschaftlerin. Ich fand die Kombination aus Literatur und Geschichtswissenschaft sehr gelungen \u2013 einerseits die fachliche Einordnung, andererseits ein pers\u00f6nlicher Zugang \u00fcber den Text.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders wichtig war mir der offene Austausch mit dem Publikum: In einem Workshop hatten die Teilnehmenden die M\u00f6glichkeit, \u00fcber das Gelesene ins Gespr\u00e4ch zu kommen, ihre eigenen Gedanken zu teilen oder einfach zuzuh\u00f6ren. Viele sprachen davon, dass es in ihrer Familie \u00e4hnliche Geschichten gibt \u2013 auch wenn manches nur angedeutet wurde oder bis heute unklar bleibt. Ich denke, gerade hier kann Literatur eine wichtige Rolle spielen, indem sie das Unsagbare oder Verdr\u00e4ngte thematisiert \u2013 und auf indirektem Weg einen Zugang schafft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus dem Projekt hat sich sogar ein weiteres Treffen ergeben. Wir haben k\u00fcrzlich ein Tagebuch aus der Oppelner Region thematisiert \u2013 begleitet von Monika Wittek, die den historischen Kontext eingeordnet hat. Auch hier arbeiteten wir mit einem Text, der den Einstieg erleichtert hat. Es war sch\u00f6n zu sehen, dass viele sich auf das Thema eingelassen haben. Solche Veranstaltungen zeigen f\u00fcr mich ganz konkret, welche Wirkung unsere Arbeit haben kann.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\"><strong>Das DAZ arbeitet ja auch stark erinnerungskulturell. Wie gelingt es dir, Geschichte lebendig zu vermitteln \u2013 besonders, wenn Quellen oder Stimmen lange verschwiegen wurden? Wie gehst du an diese Arbeit heran und wie bringst du dich ein?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein wichtiger Ansatz f\u00fcr uns ist die Arbeit mit Zeitzeug:innen \u2013 Menschen, die ihre Geschichte selbst erlebt haben und dabei unterschiedliche Zielgruppen erreichen k\u00f6nnen, etwa Kinder oder Jugendliche. F\u00fcr \u00e4ltere Zielgruppen laden wir h\u00e4ufiger Expert:innen ein, etwa Autor:innen oder Historiker:innen, die sich intensiv mit bestimmten Themen besch\u00e4ftigt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was f\u00fcr mich Geschichte wirklich lebendig macht, sind die Menschen. Sei es, weil sie eigene famili\u00e4re Verbindungen zum Thema haben oder weil sie sich aus Interesse und \u00dcberzeugung damit befassen. Diese pers\u00f6nliche Verbindung \u2013 und die Begeisterung, mit der sie erz\u00e4hlen \u2013 macht einen gro\u00dfen Unterschied. Spannend finde ich auch den lokalen Zugang zur Geschichte: die Auseinandersetzung mit Orten, Geb\u00e4uden oder topographischen Spuren, die sich ver\u00e4ndert haben, aber dennoch Geschichten in sich tragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade in Oppeln sp\u00fcrt man, dass \u00fcberall Geschichte vorhanden ist \u2013 man muss manchmal nur nachfragen oder nachforschen. Was mir hilft, ist, wenn bereits jemand anders diesen Weg in die Vergangenheit gegangen ist und seine Erfahrungen teilt. Das motiviert und \u00fcberzeugt mich auch selbst.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eIch sehe meine Rolle darin, R\u00e4ume f\u00fcr Begegnung und Austausch zu schaffen.\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zurzeit besch\u00e4ftigt mich besonders die Frage, wie wir die polnische Mehrheitsgesellschaft sowie j\u00fcngere Generationen erreichen k\u00f6nnen. Welche Themen k\u00f6nnen sie ermutigen, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen? Ich denke, es sind vor allem pers\u00f6nliche, allt\u00e4gliche Geschichten, die einen Zugang schaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Veranstaltungen zu Gewalterfahrungen von Frauen haben wir gesehen, dass viele Teilnehmende in der Lage waren, Verbindungen zu heutigen Themen herzustellen \u2013 zu aktuellen Konflikten, zu anderen Regionen der Welt. Diese Parallelen machen die Auseinandersetzung relevant f\u00fcr ganz unterschiedliche Zielgruppen und zeigen, dass Erinnerungskultur auch eine Br\u00fccke zur Gegenwart schlagen kann.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\"><strong>Ich habe den Eindruck, das DAZ erreicht die Mehrheitsgesellschaft relativ gut. Du hast ja im Rahmen des Projekts \u201eDie Frau und der Krieg\u201c auch mit verschiedenen Radiosendern und Zeitungen gesprochen. Wie war das f\u00fcr dich? Hattest du das Gef\u00fchl, du erreichst damit eine breitere Gesellschaft \u2013 vielleicht auch verschiedene Minderheiten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, auf jeden Fall. Nat\u00fcrlich h\u00e4ngt das immer ein wenig vom jeweiligen Projekt ab. Besonders gut angenommen wird hier in Oppeln zum Beispiel unsere Veranstaltungsreihe \u201eMinderheiten im Dialog\u201c. Beim letzten Mal waren Vertreter:innen der tatarischen Minderheit zu Gast. Wir haben ein Gespr\u00e4ch gef\u00fchrt, es gab eine Verkostung der tatarischen K\u00fcche und sogar einen kleinen Kochworkshop. Das kam sehr gut an \u2013 auch, weil es Teil der \u201eNacht der Museen\u201c war. Aber man hat deutlich gesp\u00fcrt, dass das Format selbst \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Beispiel ist die Kinder\u00fcbernachtung, die wir anl\u00e4sslich des Internationalen Kindertags veranstaltet haben. Die war sehr schnell ausgebucht. Es sind Formate, die immer wieder stattfinden und die das Private mit dem \u00d6ffentlichen verbinden. Kochen ist Teil der Alltagskultur \u2013 und weckt Neugier auf andere Menschen. Man merkt, dass solche Begegnungen einen gro\u00dfen Reiz aus\u00fcben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch das Angebot, dass Kinder tats\u00e4chlich im DAZ \u00fcbernachten k\u00f6nnen, schafft eine emotionale und verbindende Erfahrung. Ich glaube, genau das ist der Weg, um eine breitere Zielgruppe zu erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wichtig sind auch Multiplikator:innen \u2013 also Menschen, die in ihrer Community gut vernetzt oder angesehen sind. Wenn man sie erreicht, kommen weitere Menschen hinzu. Es entsteht ein Netzwerkeffekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt viele Wege, neue Zielgruppen zu gewinnen, aber am nachhaltigsten ist immer der pers\u00f6nliche Zugang. Wenn man offen auf die Menschen zugeht, kommen sie gerne \u2013 und sie kommen auch wieder. Viele unserer Besucher:innen sind mittlerweile Stammg\u00e4ste. Ich glaube, das positive Erlebnis z\u00e4hlt oft mehr als das Thema selbst. Nat\u00fcrlich ist auch das Thema wichtig, aber die Emotionen, die damit verbunden sind, spielen eine zentrale Rolle.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\"><strong>Finden derzeit weitere Veranstaltungen im Rahmen von \u201eMinderheiten im Dialog\u201c statt? Und wie gestaltet sich generell eure Zusammenarbeit mit anderen Minderheiten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Jahr haben wir im Rahmen von \u201eMinderheiten im Dialog\u201c bereits eine Veranstaltung umgesetzt. Dar\u00fcber hinaus haben wir auch Kontakt zu anderen Minderheiten: Wir haben beispielsweise die Roma, die Kar\u00e4er oder auch die j\u00fcdische Minderheit eingeladen. Aktuell haben wir eine F\u00f6rderung f\u00fcr ein Projekt erhalten, das unter dem Titel \u201eOpolskie Laboratorium Kultur\u201c l\u00e4uft \u2013 also sinngem\u00e4\u00df \u201eOppelner Laboratorium der Kulturen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Projekt umfasst Veranstaltungen, die verschiedene Minderheiten und Gruppen zusammenbringen und ihre Perspektiven sichtbar machen sollen. Unser Ziel ist es, zu zeigen, dass Oppeln und die Region historisch wie gegenw\u00e4rtig vielf\u00e4ltig sind. Geplant sind Gesangworkshops, Buchvorstellungen sowie eine F\u00fchrung durch den j\u00fcdischen Friedhof in Oppeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dar\u00fcber hinaus laden wir gerne auch Menschen aus anderen L\u00e4ndern ein. Uns ist es wichtig, sowohl international zu arbeiten als auch die historische Vielfalt der Region abzubilden. Auch thematisch wollen wir neue Akzente setzen \u2013 wie zuletzt bei der Reihe \u201eDie Frau und der Krieg\u201c, in der wir gezielt weibliche Perspektiven beleuchtet haben. Das hat sp\u00fcrbar andere Menschen angesprochen als klassische historische Formate.<\/p>\n<div id=\"attachment_63083\" style=\"width: 1450px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-63083\" class=\"size-full wp-image-63083\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Rower-Niewodniki.jpg\" alt=\"\" width=\"1440\" height=\"1920\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Rower-Niewodniki.jpg 1440w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Rower-Niewodniki-225x300.jpg 225w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Rower-Niewodniki-768x1024.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Rower-Niewodniki-1152x1536.jpg 1152w\" sizes=\"auto, (max-width: 1440px) 100vw, 1440px\" \/><p id=\"caption-attachment-63083\" class=\"wp-caption-text\">Fahrradfahren: eine wiederentdeckte Leidenschaft von Iga Nowicz in der Oppelner Gegend.<br \/>Foto: Iga Nowicz<\/p><\/div>\n<p style=\"padding-left: 40px; text-align: justify;\"><strong>Gibt es einen Ort oder ein Hobby, das du in Oppeln f\u00fcr dich entdeckt hast?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich fahre sehr gerne Fahrrad \u2013 das ist zwar kein neues Hobby f\u00fcr mich, aber hier in Oppeln habe ich es definitiv wiederentdeckt. Die Umgebung bietet unglaublich viele sch\u00f6ne Strecken. Besonders gerne fahre ich zur Bolko-Insel oder weiter zu der Badestelle. Auch rund um Oppeln gibt es tolle Routen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztens war ich zum Beispiel bei Dobrze\u0144 \u2013 dort kann man wunderbar entlang der Oder fahren. Die Landschaft ist wirklich beeindruckend. Ein Ziel, das ich mir noch vorgenommen habe, ist Turawa \u2013 auch das m\u00f6chte ich gerne mit dem Fahrrad erkunden. Ich finde, man hat hier wirklich viele M\u00f6glichkeiten, die Natur zu genie\u00dfen und gleichzeitig aktiv zu sein. Das ist etwas, das ich sehr an Oppeln sch\u00e4tze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Entsendeprogramm des Instituts f\u00fcr Auslandsbeziehungen (ifa) unterst\u00fctzt Organisationen der deutschen Minderheiten in Osteuropa und Zentralasien durch den Einsatz von Kulturmanager:innen und Redakteur:innen. 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