{"id":60437,"date":"2025-04-26T17:00:42","date_gmt":"2025-04-26T15:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/wochenblatt.pl\/?p=60437"},"modified":"2026-02-11T20:49:18","modified_gmt":"2026-02-11T19:49:18","slug":"von-heilbronn-nach-oberschlesien-zwischen-heimatgefuehlen-und-interkulturellem-brueckenbau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/de\/von-heilbronn-nach-oberschlesien-zwischen-heimatgefuehlen-und-interkulturellem-brueckenbau\/","title":{"rendered":"Von Heilbronn nach Oberschlesien: Zwischen Heimatgef\u00fchlen und interkulturellem Br\u00fcckenbau"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Entsendeprogramm des Instituts f\u00fcr Auslandsbeziehungen (ifa) unterst\u00fctzt Organisationen der deutschen Minderheiten in Osteuropa und Zentralasien durch den Einsatz von Kulturmanagerinnen und -managern sowie Redakteurinnen und Redakteuren. Mit ihrem Fachwissen helfen sie nicht nur bei Projekten, sondern auch dabei, ein modernes Deutschland- und Europabild zu vermitteln und die kulturelle Vermittlerrolle der Organisationen zu st\u00e4rken. Wir sprechen mit den Entsandten \u00fcber ihre Aufgaben, Ziele und Beweggr\u00fcnde f\u00fcr diese interkulturelle T\u00e4tigkeit. Mit Beate Tur sprach Victoria Matuschek.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Wie bist Du eigentlich zum ifa-Entsendeprogramm gekommen und was hat Dich motiviert, als Kulturmanagerin beim Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) t\u00e4tig zu werden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe in Heidelberg Slavistik studiert und meinen Master in Wien im Bereich Osteuropastudien gemacht, was interdisziplin\u00e4r war. Nach dem Studium war ich auf der Suche nach einem Job und sah die Ausschreibung f\u00fcr das ifa-Entsendeprogramm. Oppeln war f\u00fcr mich als Entsendestelle interessant, da meine Eltern urspr\u00fcnglich aus der N\u00e4he von Neisse\/Nysa kommen. Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, habe aber oft meine Oma in der Region besucht. Wir haben auch noch das Haus mit Garten, in dem mein Vater aufgewachsen ist. Durch die Entsendung kann ich privates Interesse mit dem Sammeln von Arbeitserfahrung mit Osteuropabezug verbinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Deine Familie kommt also aus der Gegend. Geh\u00f6rt sie auch der deutschen Minderheit an?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Teils, ja. Mein Opa m\u00fctterlicherseits war der Grund daf\u00fcr, dass meine Familie Mitte bis Ende der 80er-Jahre als Sp\u00e4taussiedler aus Polen nach Deutschland ausgewandert ist. V\u00e4terlicherseits hat meine Familie keine Verbindung zur deutschen Minderheit; meine Oma v\u00e4terlicherseits stammt aus einer polnischen Familie aus Doma\u017cyr bei Lemberg in der heutigen Ukraine. Meine Oma m\u00fctterlicherseits und mein Opa v\u00e4terlicherseits hingegen kommen aus dem heutigen Ostpolen. W\u00e4hrend meines Studiums interessierte ich mich mehr f\u00fcr Polen und die polnische Seite meiner Familie. Jetzt besch\u00e4ftige ich mich mehr mit der deutschen Minderheit in Polen. Ich habe mich in meiner Masterarbeit mit der Sprach(en)-Politik in Polen und der Ukraine besch\u00e4ftigt, bei der auch Deutsch als Minderheitensprache thematisiert wurde. Jetzt erlebe ich hier direkt, wie die deutsche Minderheit in Polen lebt.<\/p>\n<div id=\"attachment_60442\" style=\"width: 970px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-60442\" class=\"wp-image-60442 size-full\" src=\"https:\/\/wochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beate-Interview-01.jpeg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beate-Interview-01.jpeg 960w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beate-Interview-01-300x240.jpeg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beate-Interview-01-768x614.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><p id=\"caption-attachment-60442\" class=\"wp-caption-text\">Beate Tur (links) organisierte den Fotowettbewerb &#8222;(Post)Deutsch. Wiedergewonnen&#8220; mit einer Ausstellung von Olga \u017bmijewska der Stiftung Kunst der Freiheit (i. d. Mitte) gemeinsam mit dem Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen, vertreten durch Bogna Piter (rechts).<br \/>Quelle: Radio Opole\/Witold Su\u0142ek<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Und wie hast Du die Ausschreibung des ifa f\u00fcr die Stelle als Kulturmanagerin beim VdG gefunden? Kanntest Du das ifa schon vorher?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kannte das ifa vorher nicht, obwohl ich aus Heilbronn bin, was nicht weit von Stuttgart entfernt ist. Ich habe online nach Stellen gesucht und die Ausschreibung zuf\u00e4llig gefunden. Vielleicht war es auch Schicksal. (lacht)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Wie sieht Dein Arbeitsalltag als Kulturmanagerin beim VDG aus?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Arbeitsalltag besteht aus viel B\u00fcroarbeit. Es gibt Phasen, in denen ich Projektantr\u00e4ge schreibe oder Projekte durchf\u00fchre, was bedeutet, dass ich mehr unterwegs bin. Mit der \u201eSupereule\u201c, der Bildungsplattform der deutschen Minderheit in Polen, verbringe ich viel Zeit am PC, um die Seite zu pflegen. Ich komme auch viel herum, um andere Projekte zu unterst\u00fctzen. Am Anfang habe ich mich auf Sprachworkshops in den DFKs und Schulen konzentriert, um alles kennenzulernen und Deutsch als Minderheitensprache zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Highlight meiner Arbeit war der Fotowettbewerb zum Thema (Post)Deutsch im letzten Herbst, der im DAZ stattfand. In dem Rahmen fand auch ein Workshop mit Olga \u017bmijewska von der Stiftung Kunst der Freiheit statt. Der Wettbewerb war eigentlich f\u00fcr Jugendliche gedacht, aber entwickelte sich dann generationen\u00fcbergreifend. Ich fand es besonders sch\u00f6n, dass bei der Diskussion sowohl die j\u00fcngeren als auch die \u00e4lteren Menschen ihre Sicht dargelegt und ihre Perspektiven geteilt haben. Es war wirklich eine angenehme Diskussion, auch wenn man vielleicht anderer Meinung war oder eine andere Sicht hatte, war es nicht emotional aufgeladen, sondern man hat sich eben ausgetauscht. Es waren zum Beispiel auch eine Mutter und ihr Sohn da, die aus der Ukraine stammen und die wegen des Krieges geflohen sind und jetzt beide auch in Oppeln studieren. Sie haben auch nochmal eine andere Perspektive hereingebracht, die man aber auch damit vergleichen kann, was mit der deutschen Zivilbev\u00f6lkerung aus der Region nach dem Krieg passiert ist. Dadurch haben sich das Gestern und Heute erg\u00e4nzt. Ich habe mich auch sehr gefreut, dass alle so eine positive R\u00fcckmeldung gegeben haben. Das ist sch\u00f6n, wenn man \u00fcberlegt: wof\u00fcr mache ich das alles eigentlich? Wenn dann die Leute sagen: ich habe einen Mehrwert f\u00fcr mich mitgenommen, so verleiht das der Arbeit, bei all dem Stress, den man bei den Vorbereitungen hat, auf jeden Fall einen Sinn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber auch das Mint-Projekt \u201e\u00dcber-Schlesien\u201c, das ich mit Johannes Schmidt, meinem ifa-Kollegen beim Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz, und einer 8. Klasse entwickelt und durchgef\u00fchrt habe. Dabei haben die Sch\u00fclerInnen ein Mint-Projekt mit der deutschen Sprache verbunden und einen Wetterballon in die Atmosph\u00e4re geschickt. Sie bauten eine Sonde mit einem Ger\u00e4t, das Temperatur, Luftdruck, Temperatur, etc. misst, einem GPS-Ger\u00e4t und einer Kamera f\u00fcr Aufnahmen vom Flug. Und das alles auf Deutsch. Ich h\u00e4tte nie gedacht, dass ich einmal so ein Projekt auf die Beine stellen w\u00fcrde. Den Sch\u00fclerInnen hat es viel Spa\u00df gemacht und sie waren auch emotional involviert, dass alles klappt bei dem Experiment. Dieses Projekt war eine gro\u00dfe Herausforderung, aber am Ende war es erfolgreich und auch hier die M\u00fche wert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Das ist eine sch\u00f6ne Sache. Da Du das Thema (Post)Deutsch bereits angesprochen hast; ich finde es auch spannend, wie das \u201aDeutsche\u2018 und das \u201aPolnische\u2018 in Schlesien koexistieren. Wie erlebst Du den interkulturellen Austausch zwischen der deutschen Minderheit und der polnischen Gesellschaft?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich hierherkam, war das Thema der Diskriminierung unter der PiS-Regierung aktuell, bei der Deutsch als Minderheitensprache gek\u00fcrzt wurde. Und man hat schon diese anti-deutsche Rhetorik gemerkt, von der die deutsche Minderheit sehr stark betroffen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe aber auch das Gef\u00fchl, dass es mehr Potenzial f\u00fcr einen Austausch zwischen der deutschen Minderheit und der Mehrheitsgesellschaft gibt. Zum Beispiel durch Bekannte wei\u00df ich, dass viele Polen, die in Oppeln leben, keine Ber\u00fchrungspunkte mit der deutschen Minderheit haben, obwohl Oppeln als Hauptstadt der deutschen Minderheit gilt. Die deutsche Minderheit ist zwar einerseits pr\u00e4sent, lebt aber auch ein bisschen in ihrer eigenen \u201eBubble\u201c. Ich habe beispielsweise versucht, mit einem Pubquiz auch die Mehrheitsgesellschaft zu erreichen, was gut ankam. Da haben die Leute dann mitbekommen, dass es die deutsche Minderheit gibt und waren auch an derartigen Veranstaltungen interessiert.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffcc00;\"><strong>\u201eInterkultureller Austausch ist der Schl\u00fcssel f\u00fcr ein Europa, das mehr verbindet als trennt.\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt jedoch auch Menschen, die nach Jahren der Diskriminierung und anti-deutschen Rhetorik durch die Politik wenig Interesse an Kontakten haben. Ich pers\u00f6nlich erlebe zwar keine Feindseligkeit gegen\u00fcber den Deutschen im Alltag, aber ich w\u00fcrde mir mehr Austausch mit der Mehrheitsgesellschaft w\u00fcnschen, dass man auch zeigt, es sind keine Geheimagenten der Bundesrepublik, sondern Menschen, die eben diesen Hintergrund haben und die ihre Kultur und Sprache pflegen m\u00f6chten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zivilbev\u00f6lkerung, die nach dem Krieg hiergeblieben ist, wurde polonisiert. Mein Gro\u00dfvater erlebte das pers\u00f6nlich, als er in die Schule kam und pl\u00f6tzlich einen anderen Namen bekam. Er musste Polnisch erst erlernen, da Deutsch seine Familiensprache war. Als er sp\u00e4ter nach Deutschland zur\u00fcckkehrte, musste er dann erstmal Deutsch wieder lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es w\u00e4re wichtig, dass sich die deutsche Minderheit im Kontext der Minderheiten in Polen st\u00e4rker pr\u00e4sentiert. Es gibt schlie\u00dflich auch andere Minderheiten. Das Thema Minderheiten ist in Polen jedoch nicht sehr pr\u00e4sent oder vielen bewusst. Der Kommunismus trug dazu bei, indem er eine homogene Gesellschaft propagierte und z. B. behauptete, es g\u00e4be keine Deutschen mehr. Dies f\u00fchrte dazu, dass Dialekte und Minderheitensprachen zugunsten des Hochpolnischen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt bis ganz verboten wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gesamte Gesellschaft wurde davon beeinflusst, und es fehlt das Bewusstsein f\u00fcr die Vielfalt der Minderheiten und Sprachen. Eine positive Entwicklung ist jedoch beispielsweise, dass letztes Jahr das Institut f\u00fcr sprachliche Vielfalt (Instytut R\u00f3\u017cnorodno\u015bci J\u0119zykowej Rzeczypospolitej) gegr\u00fcndet wurde, das staatlich unterst\u00fctzt wird. Es f\u00f6rdert die sprachliche Vielfalt im Allgemeinen, was auf jeden Fall auch der deutschen Minderheit zugutekommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Welche Herausforderungen begegnen Dir bei Deiner Arbeit?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Bildungsbereich sind die Folgen der Diskriminierung bzgl. Deutsch als Minderheitensprache vor allem f\u00fcr die Lehrkr\u00e4fte eine Herausforderung, d. h. die Stundenk\u00fcrzungen. Manche Gemeinden finanzierten zus\u00e4tzliche Stunden, andere nicht. Das macht es nun schwierig, ein gleichm\u00e4\u00dfiges Sprachniveau in den Schulen zu erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem scheint Deutsch auch nicht mehr \u201ecool\u201c zu sein und die Sch\u00fclerInnen w\u00e4hlen in den Oberschulen vermehrt Spanisch statt weiter Deutsch zu lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ansonsten gibt es nat\u00fcrlich stressige Phasen und Herausforderungen beim Projektmanagement, die man meistern muss. Da ist das Team beim VdG eine sehr gro\u00dfe Hilfe, mit seinen Erfahrungen und seinem Netzwerk. Mit der Zeit \u2013 ich bin bereits in meinem dritten Jahr hier \u2013 baut man sich selbst ein eigenes Netzwerk auf, sammelt Erfahrungen und kann dann auch anderen ifa-Entsandten \u2013 in Oppeln sind wir mit der Regionalkoordination immerhin 5 Personen \u2013 helfen und unterst\u00fctzen.<\/p>\n<div id=\"attachment_60444\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-60444\" class=\"size-full wp-image-60444\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beate-Interview-02.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beate-Interview-02.jpg 800w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beate-Interview-02-300x200.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beate-Interview-02-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><p id=\"caption-attachment-60444\" class=\"wp-caption-text\">Beim Mint-Projekt \u201e\u00dcber-Schlesien\u201c konnten Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler Physik hautnah und spielerisch erleben \u2013 und als Highlight einen Wetterballon in die H\u00f6hen der Atmosph\u00e4re starten lassen.<br \/>Quelle: Beate Tur<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Apropos, Du bist nun bereits im dritten Entsendejahr, sprich schon mehr als zwei Jahre in Oppeln. Welche Ziele m\u00f6chtest Du noch mit Deiner Arbeit erreichen oder hast Du schon alles geschafft, was Du erreichen wolltest?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich hat man immer die Hoffnung, dass die eigene Arbeit etwas bewirken kann und positive Effekte hat. Das ist aber schwer einzusch\u00e4tzen. Ich denke aber schon, dass die Summe der Arbeit der ifa-Entsandten sicherlich eine Bereicherung und gro\u00dfe Unterst\u00fctzung f\u00fcr die deutsche Minderheit in Polen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Kontext auch anderer Minderheiten ist es mir f\u00fcr die Zukunft wichtig, ein positives Bild der deutschen Minderheit in der polnischen Gesellschaft zu verbreiten; dass Deutsch ein besseres Image hat und nicht nur mit Krieg assoziiert wird und Deutschland und \u201edie Deutschen\u201c mehr sind als die Nazi-Vergangenheit und der Zweite Weltkrieg. Aber auch, welche kulturelle Vielfalt Polen zu bieten hat, und die deutsche Minderheit ist eben auch ein Teil davon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber man muss auch sagen: Viele Deutsche interessieren sich wenig f\u00fcr das, was \u00f6stlich von Deutschland liegt, und haben auch zum Teil negative Bilder davon. Ich bin in einem freien Europa aufgewachsen und nahm w\u00e4hrend meiner Schulzeit beispielsweise an einem europ\u00e4ischen Comeniusprojekt \u201eWe live, learn and work together\u201c teil. Das hat mich sicher auch gepr\u00e4gt, weshalb mir der Frieden, (kultureller) Austausch und Zusammenarbeit auf europ\u00e4ischer Ebene so sehr am Herzen liegen. Leider sehen wir gerade, dass das bedroht ist. Und das sollte man nicht aus den Augen verlieren: friedlich zusammenzuleben und andere Perspektiven kennenzulernen. Aber das zu erhalten, ist eben auch mit Arbeit und M\u00fche verbunden. Man sollte sich bewusst sein und Interesse daran haben, wer die Nachbarn sind, sowohl auf L\u00e4nder- als auch auf lokaler Ebene.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Du hast bereits angesprochen, dass viele Menschen in Deutschland den Blick gen Osten vernachl\u00e4ssigen, obwohl es dort nat\u00fcrlich auch sch\u00f6ne Orte, gutes Essen und vor allem kulturelle Vielfalt gibt. Das ifa-Entsendeprogramm konzentriert sich auf Osteuropa und Zentralasien. Warum w\u00fcrdest Du sagen, sollte man als ifa-KulturmanagerIn t\u00e4tig werden? Was ist das Sinnvolle oder Wichtige daran?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir Entsandten vermitteln in unseren Entsendel\u00e4ndern und Gastinstitutionen ein modernes Deutschlandbild und bringen unsere Perspektiven von au\u00dfen ein. Viele von uns haben famili\u00e4re oder studienbedingte Verbindungen zu Osteuropa. Aber auch, wenn jemand ohne Vorkenntnisse kommt, ist es eine pers\u00f6nliche Bereicherung, die Realit\u00e4t und eine Auslandsperspektive zu erleben. Und diese Bereicherung gilt eben f\u00fcr beide Seiten. Jede Entsendestelle hat einen anderen Schwerpunkt, ob Jugend, Bildung, oder Medien. Das ist nat\u00fcrlich auch spannend, in welchem Bereich man fachliche Erfahrungen sammeln m\u00f6chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die deutsche Minderheit ist es wichtig, dass sie von Deutschland nicht vergessen wird und dass sich Deutschland f\u00fcr ihre Belange interessiert. Mind_Netz, die Social-Media-Kan\u00e4le \u00fcber deutsche Minderheiten in Osteuropa und Zentralasien des ifa, sind dabei ein wichtiges Tor nach Deutschland, um sich zu pr\u00e4sentieren, da viele in Deutschland wenig Bezug zu Osteuropa haben und der deutschen Minderheit im Ausland haben. So k\u00f6nnen unsere Gastinstitutionen zeigen, was sie sowie wir Entsandten hier vor Ort leisten.<\/p>\n<div id=\"attachment_60445\" style=\"width: 2010px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-60445\" class=\"wp-image-60445 size-full\" src=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beate-Interview-03.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1500\" srcset=\"https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beate-Interview-03.jpg 2000w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beate-Interview-03-300x225.jpg 300w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beate-Interview-03-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beate-Interview-03-768x576.jpg 768w, https:\/\/neueswochenblatt.pl\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Beate-Interview-03-1536x1152.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><p id=\"caption-attachment-60445\" class=\"wp-caption-text\">Auch privat ein Team \u2013 die ifa-Entsandten unternehmen ebenfalls in ihrer Freizeit gemeinsame Reisen. V. rechts: Lennard Halfmann (Prag), Beate Tur, Johannes Schmidt (Gleiwitz), Ilyas Zivana (Prag), Miriam M\u00e4hner (Oppeln) und Victoria Matuschek (Oppeln).<br \/>Quelle: Beate Tur<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Projekten freue ich mich immer \u00fcber den Austausch und wenn die Teilnehmenden sich mehr solcher Projekte w\u00fcnschen, dann ist das immer ein super Feedback. Nat\u00fcrlich ist auch immer die Frage, wie viele Leute man erreicht: Aber egal wie klein auch die Gruppe ist, wenn man einen kleinen Fortschritt sieht und einen Mehrwert bei diesen Menschen schafft, weil sie das annehmen und dann auch selbst weiter nach au\u00dfen tragen, was man versucht zu vermitteln, ist das sehr wert- und sinnvoll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Kannst Du auch relativ frei Projekte und Themen, die Dir wichtig sind, umsetzen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, mir wird schon oft freie Hand gelassen, auch zum Beispiel bei der Gestaltung der Webseite der \u201eSupereule\u201c. Nat\u00fcrlich gibt es einen Rahmen, auch vom ifa, das hei\u00dft, man muss einen Weg finden, eigene Ideen mit den Vorstellungen aller Seiten in Einklang zu bringen. Manchmal muss man Dinge ausprobieren und schauen, ob sie \u00fcberhaupt auf Anklang sto\u00dfen, da nicht jede Idee f\u00fcr die Zielgruppe geeignet ist. Es ist spannend, das alles unter einen Hut zu bringen, und man lernt immer dazu. Jedes Projekt ist anders, man sammelt Erfahrungen, wie etwas ankommt oder was man beim n\u00e4chsten Mal anders machen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Letzte Frage: Welcher Ort ist Dein Lieblingsort in der Gegend?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pakos\u0142awice\/B\u00f6sdorf bei Neisse\/Nysa. Da ist mein Vater aufgewachsen und meine Oma hat dort bis zu ihrem Tod 2015 gelebt. Bei sch\u00f6nem Wetter fahre ich oft dorthin, auch mit KollegInnen oder FreundInnen. Wir grillen und verbringen dort auch mal ein Wochenende zusammen. Es ist sch\u00f6n, wenn der Ort dann wieder etwas belebter ist und, dass es auch menschlich zwischen uns Entsandten stimmt, dass wir auch in der Freizeit Zeit miteinander verbringen. Wir sind verschiedene Pers\u00f6nlichkeiten, aber harmonieren super zusammen. Und das w\u00fcnsche ich mir auch mehr f\u00fcr Polen, Deutschland und Europa.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Entsendeprogramm des Instituts f\u00fcr Auslandsbeziehungen (ifa) unterst\u00fctzt Organisationen der deutschen Minderheiten in Osteuropa und Zentralasien durch den Einsatz von Kulturmanagerinnen und -managern sowie Redakteurinnen und Redakteuren. Mit ihrem Fachwissen helfen sie nicht nur bei Projekten, sondern auch dabei, ein modernes Deutschland- und Europabild zu vermitteln und die kulturelle Vermittlerrolle der Organisationen zu st\u00e4rken. 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