Wisente wurden 1865 auf Initiative des Fürsten Hans Heinrich XI Hochberg von Pless in die Wälder von Pless gebracht . In diesem Jahr jährt sich dieses Ereignis zum 160. Bereits am 25. April wird zu diesem Anlass im Schlossmuseum in Pless eine neue Ausstellung eröffnet, die den Titel trägt: „Wisent in den fürstlichen Wäldern von Pless“.
Wisentzucht in Schlesien

Fürst Hans Heinrich XI. von Pless brachte die Wisente nach Pless.
Quelle: Wikipedia
Die Ausstellung „Wisent in den fürstlichen Wäldern von Pless“ ist eine Dokumentation über die Wisentzucht in Schlesien – an einem Ort, an dem die Industrialisierung an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ihre Spuren auch in der Natur hinterlassen hat. Sie zeigt die Tätigkeit des Fürsten bei der Gestaltung der Waldbewirtschaftung und seine Leistungen in der Jagdkultur.
Innovative Idee des Fürsten
Georgij Karcov schrieb 1903 in der Publikation „Bialowiezer Heide“: „Der erste Impuls, den Wald mit Hirschen zu bevölkern, ging von Fürst Pless aus, der in der Jagdwelt bekannt war. Während eines Besuchs im Wald im Jahr 1860 kam dem Fürsten die Idee, in seinem Jagdrevier Wisente zu züchten, und da dieser Wald ein ausgezeichnetes Gebiet für die Organisation der Hirschjagd war, bot der Fürst 1864 über den Förster Strahlborn 20 Hirsche im Austausch gegen 4 Wisente an. Die Erlaubnis für den Tausch wurde eingeholt (…) und 1865 wurden mit höchster Genehmigung vier junge (dreijährige) Wisente, ein Bulle und drei weibliche Wisente gefangen und an das Gut des Herzogs von Pless, an die Emanuelssegen Forstwirtschaft in Schlesien, geschickt. Im Austausch für die Wisente schickte der Herzog 20 Hirsche in den Wald”.
Die großen Leidenschaften von Hans Heinrich XI. waren die Jagd, Jagdwirtschaft und die Reiterei, für die er viel Geld ausgab.
Grandiose Jagden mit Prominenz
Die großen Leidenschaften von Hans Heinrich XI. waren die Jagd, Jagdwirtschaft und die Reiterei, für die er viel Geld ausgab. Der Fürst interessierte sich besonders für die Aufzucht von Rotwild in den Plesser Wäldern, und die Erfolge, die er auf diesem Gebiet erzielte, wurden weit über die Grenzen des Deutschen Reiches hinaus bekannt. Für im großen Stil veranstalteten grandiosen Jagden wurde der Adel, darunter auch gekrönte Häupter, eingeladen. Besondere Gäste der Hochbergs, auch auf dem Jagdschloss Promnitz, waren die deutschen Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II., der österreichische Erzherzog Franz Ferdinand Habsburg oder der dritte Erbprinz von Landshut (Łańcut), Graf Roman Potocki mit seiner Frau Elżbieta (Betka).

Nach der Jagd. In der Mitte Kaiser Wilhelm II Hohenzollern und an seiner rechten Seite Fürst Heinrich Hochberg XV von Pless.
Quelle: Schlossmuseum in Pless
Daisy’s beliebtestes Haus

Daisy von Pless, um 1898
Quelle: Wikipedia
So erinnert sich die Schwiegertochter von Hans Heinrich XI, Fürstin Daisy, an diese Zeit: „Und nun muss ich über die Jagdgesellschaften in Promnitz – dem beliebtesten aller meiner Häuser in Deutschland – berichten. Sie fanden nicht oft statt, weil das Schloss Promnitz im Vergleich zu Fürstenstein oder Pless klein war. Rückblickend scheint es aber, dass wir dort irgendwie eine ganze Reihe von Menschen unterbringen konnten. Die Jagd auf Hirsche war dort besonders schön.“
Aber berühmt wurde der herzogliche Wildpark als Musterjagdgebiet wegen der Wisente. Er galt als das beste in Mitteleuropa und Einladungen zur Jagd waren eine große Ehre.
Wiederbelebung
Im April 1921, kurz vor dem Ausbruch des Dritten Schlesischen Aufstandes, lebten nur noch fünf Wisente in den Plesser-Wäldern. Zwei von ihnen wurden während des Aufstandes erschossen, drei überlebten. Darunter waren zwei Stiere: Der 5 Jahre alte Plebejer und der 2 Jahre alte Platon, sowie die 18 Jahre alte Kuh Planta. Diese Tiere wurden während der schlesischen Aufstände verstümmelt: Plebejer wurde der Schwanz abgeschossen, Platon war ein zuchtuntauglicher Krüppel und Planta wurde in den Oberschenkel geschossen. Dank der Nachkommen von Planta und Plebejer kam es aber zu einer Wiederbelebung der Zucht in Pless, und nur von dem Paar stammt die heutige Plesser Linie, deren Namen mit PL beginnt.
Archivfotos der Wisentherde

Die Wisentzucht begann mit vier Tieren.
Quelle: Wikipedia
In der Ausstellung, die am 25. April eröffnet wird, werden unter anderem ein pleistozänes Fossil eines Präriebisonschädels aus dem Nationalmuseum in Kielce oder ein hölzerner Nashornvogel aus der Sammlung des Schlossmuseums in Pless zu sehen sein, der nur selten der Öffentlichkeit präsentiert wird. Ein wichtiger Teil der Ausstellung ist eine Galerie mit Archivfotos, die die Wisentherde von Pless bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zeigen. Die Fotografien wurden u.a. von den damaligen Mitarbeitern der herzoglichen Verwaltung und der Zoologin Dr. Erna Mohr, Mitglied der Internationalen Gesellschaft zum Schutz des Europäischen Wisents, aufgenommen.
Originalexponate
Die Ausstellung umfasst Originalexponate aus dem Museum im Schloss Pless, sowie Materialien aus dem Staatsarchiv in Kattowitz, dem Białowieża-Nationalpark, dem Institut für Säugetierbiologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Białowieża, dem Historischen Museum in Bielitz-Biala, dem Nationalmuseum in Kielce, dem Porzellanmuseum in Waldenburg, der Warschauer Landwirtschaftsuniversität und privaten Sammlungen.
Anna Durecka/zamek-pszczyna.pl
Öffnungszeiten der Ausstellung:
Mittwoch – Freitag
9.00 – 16.00 Uhr | Eintritt bis 15.00 Uhr
Samstag – Sonntag
10.00 – 17.00 Uhr | Eintritt bis 16.00 Uhr
Begleitveranstaltungen:
Im Rahmen der Ausstellung finden Workshops und kuratorische Führungen statt. Informationen zu den Terminen werden regelmäßig in den Nachrichten und sozialen Medien veröffentlicht.