Mit Pfefferlohn, Königskuchen und Krone
Das allgemein bekannte polnische Sprichwort „Was hat der Pfefferkuchen mit der Windmühle zu tun?“ fügt sich geradezu ideal in eine Frage ein, die mich in den letzten Tagen beschäftigt hat. Nämlich: Was hat es eigentlich mit dem Pfefferkuchen und dem Fest der Heiligen Drei Könige auf sich? Die Antwort ist alles andere als offensichtlich und führt uns sowohl zum Begriff des Pfefferkuchens selbst als auch zu den Bräuchen des zweiten Weihnachtstages und des Dreikönigsfestes.
Der Brauch des Pfefferns
Bereits im Mittelalter war es üblich, Freunde und Bekannte zu „pfeffern“, also sich gegenseitig mit derben Späßen zu überraschen. Eltern weckten ihre Kinder – und nicht selten umgekehrt die Kinder ihre Eltern – aus dem Morgenschlaf, indem sie sie mit Ruten aus Wacholder- oder Ebereschenzweigen schlugen.

Dreikönigskuchen, Quelle: Wikipedia, Eigenes Werk Marianne Casamance
Mädchen und Jungen schlugen sich mit den harten Zweigen, die man Lebensrute oder Pfeffergerte nannte. Der Schlag sollte Kraft, Segen und Gesundheit bringen. Häufig begleiteten diesen Brauch Sprüche:
Ich pfeffere dich aus Herzensgrund,
Gott lass’ dich, junger Mensch, gesund.
Im Gegenzug erwartete man für das Auspeitschen mit der Rute eine Belohnung – den sogenannten Pfefferlohn –, wobei man antwortete:
Pfeffer, Dängel, Durscht – Geld oder ’ne Wurscht!
Die so „Gepfefferten“ überreichten dem Pfefferer den Pfefferlohn, etwa Kuchen oder kleines Gebäck, und revanchierten sich ebenfalls mit einem Reim:
Dieser Kuchen schmecke dir
wie ein süßer Kuss von mir.
Wo zwei Herzen eng und zart,
wird viel Holz und Licht gespart.
Auf diesem Kuchen kannst du lesen:
Ich bin dir immer treu gewesen.
Der oben beschriebene Brauch, dokumentiert im Der Oberschlesische Wanderer (1936, Nr. 355), wurde mit Unterbrechungen noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gepflegt.
Der Dreikönigskuchen und seine Könige
Ein anderer Brauch hingegen, der genau am 6. Januar begann, dauerte deutlich länger – mitunter sogar einen ganzen Monat. In der Katowitzer Zeitung (1924, Nr. 1) lesen wir von Umzügen und Paraden, die zu jener Zeit teilweise verboten waren, aber auch vom Dreikönigskuchen, in den eine Bohne eingebacken wurde.

SDB Deutsches Reichs-Adressbuch für Industrie, Gewerbe, Handel. Bd. IV. Adressen-Verzeichnis 1938
Wer sie in seinem Kuchenstück fand, wurde zum König oder zur Königin gekürt, brachte einen Trinkspruch aus und buk in den folgenden Tagen selbst einen Kuchen – wiederum mit Bohne oder einem anderen Talisman. So wiederholte sich die Geschichte, sodass während der gesamten Karnevalszeit immer neue Könige und Königinnen mit der Gemeinschaft feierten und selbstverständlich den nächsten Dreikönigskuchen backten.
Zwischen Tradition und Vergessen
In der heutigen europäischen Kultur findet sich dieser Brauch unter anderem in Frankreich, Spanien, Italien oder der Schweiz wieder. Nicht immer ist es dabei eine Bohne – es kann ebenso eine Münze, eine Mandel oder eine Porzellanfigur sein. Schwer zu sagen, wo hier die jahrhundertealte Tradition endet, die weltliche, ja beinahe heidnische Elemente mit religiösen verbindet, und wo die Kommerzialisierung beginnt.

Königskuchen
Foto: Pixabay, Bild von anncapictures
Sicher ist jedoch, dass das Feiern und die Karnevalsspiele einst die dunkle Winterzeit und die langen Abende erhellten, heute aber im Zuge kultureller Veränderungen weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Umso spektakulärer werden dagegen die Dreikönigsumzüge von Jahr zu Jahr.
Bereits im Mittelalter war es üblich, Freunde und Bekannte zu „pfeffern“, also sich gegenseitig mit derben Späßen zu überraschen.
Die kulinarische Tradition hingegen ist im Strudel der Geschichte verblasst. Und es bleibt die Frage, welche Variante des Dreikönigskuchens besser zur historischen oder zur heutigen schlesischen Landschaft passt: Pfeffer-, Hefe-, Sand- oder doch der Königskuchen?
Der Königskuchen in Schlesien
Dabei wäre zu bedenken, dass die erste historische Erwähnung des Brauchs, eine Bohne oder Münze in den Königskuchen einzubacken, in einem Werk zu finden ist, das die Sitten, Gesetze und Bräuche aller Völker beschreibt: Johannes Böhms Mores leges et ritus omnium gentium (1541). Vielleicht also doch der Königskuchen? Rezepte finden sich in alten schlesischen Kochbüchern, die sich lediglich in kleinen Details der Zutaten unterscheiden. Die einst tätigen Fabriken, die sich auf die Herstellung dieses Gebäcks spezialisierten, sind ein weiterer Beleg für seine bedeutende Rolle im Alltag der Region. Auch in den Katalogen zahlreicher schlesischer Hersteller von Backformen finden sich spezielle Formen für den Königskuchen. All dies zeigt deutlich, dass er – ähnlich wie der Pfefferkuchen und keineswegs nur zum Dreikönigsfest – ein wesentlicher Bestandteil der Kultur des alten Schlesiens war.
Rezept für den Königskuchen
Zum Backen des Königskuchens benötigen wir:
375 g Butter
375 g Zucker
6 Eigelb und Schnee
2 ganze Eier
250 g Weizenmehl
125 g Kartoffelmehl
½ Päckchen Backpulver
Saft von 1 Zitrone, Schale von ½ Zitrone
2 EL Rum
75 g Mandeln
50 g Zitronat
175 g Korinthen
zusätzlich: 1 Bohne / evtl. 1 Münze
Butter, Zucker, Eier und Eigelb 20–30 Minuten schaumig rühren.
Das mit Mehl gesiebte Backpulver abwechselnd mit Zitronensaft und Rum dazugeben.
Zitronenschale und Mandeln hinzufügen. Den steifen Eierschnee unterziehen. Die mit Mehl bestäubten Korinthen untermischen. Eine Bohne oder Münze in den Teig legen.
Den Teig in der gefetteten Backform 1 bis 1¼ Stunden bei anfangs nicht zu starker Hitze backen.
15–20 Minuten abkühlen lassen, ehe der Kuchen gestürzt wird.
Eine Krone aus Papier auf den Kuchen legen und mit Freunden am 6. Januar den König wählen.