Teil 2
Nach dem historischen Überblick im ersten Teil, schauen wir nun auf die Entwicklungen der letzten Jahre. Dank verbesserte Zusammenarbeit der oberschlesischen Städte nimmt der Bau der S-Bahn seit einigen Jahren Fahrt auf.
Neue Impulse dank EU und Metropolverband
Der EU-Betritt Polens 2004 eröffnete der Woiwodschaft Schlesien neue Möglichkeiten. Pläne für ein wahres S-Bahnsystem nahmen aber erst 2017 Fahrt auf. In diesem Jahr wurde die Oberschlesisch-Dombrowaer Metropole (Górnośląsko-Zagłębiowska Metropolia, GZM) gegründet, deren Hauptaufgabe unter anderem die Organisation des öffentlichen Nachverkehrs im Metropolgebiet ist. Diese begann mit Planungsarbeiten für ein S-Bahnsystem und kleineren Maßnahmen, den Nahverkehr attraktiver zu gestalten. Dazu gehört etwa die die punktuelle Tarifintegration von Bus und Tram mit regionalen Bahnverbindungen durch die Einführung eines Monatstickets im März 2023. Dies war ein Zwischenschritt zu einem einheitlichen Tarifsystem. Die GZM bezuschusst auch Bahnverbindungen der KŚ um eine hohe Taktung in der Region zu gewährleisten. Im Rahmen dessen wurde auch die Verbindung zwischen Beuthen und Gleiwitz nach 8 Jahren wiederaufgenommen. Mit nur 18 Minuten Fahrzeit ist die Bahn auf dieser Strecke deutlich schneller als der Expressbus der Linie M16 (60 Minuten) oder die Fahrt mit dem Auto (26 Minuten).
Das Konzept der Metropolbahn
Im Jahr 2018 erarbeite die Schlesische Technische Universität das Konzept für die GZM Metropolbahn (Kolej Metropolitalna GZM), welche vier, aufeinander aufbauende Varianten vorschlägt. Die bescheidenste Variante W0 sieht zwei Haupttrassen im Rahmen des bestehenden Streckennetzes vor. Eine West-Ost-Achse von Gleiwitz über Kattowitz nach Dąbrowa Górnicza sowie eine Nord-Süd-Achse von Tarnowitz über Kattowitz nach Tichau. Zusätzlich sollen 33 Züge bestellt werden. Die weiteren Varianten sehen unter anderem den Bau separater Gleiszüge, den Anschluss weiterer Städte (beispielsweise Peiskretscham und Myslowitz) samt Modernisierung und Bau von Bahnstationen vor. Sogar den Bau einer direkten Monorailverbindung von Kattowitz zum Flughafen ist Teil dieser Pläne. Insgesamt ist der Bau von 400 km Einsbahntrassen und ca. 130 Bahnstationen vorgesehen. Die Autoren der Studie schätzten damals die Kosten für die Variante W0 auf 8,6 Milliarden PLN und für die teuerste W3 auf 16,2 Milliarden PLN. Diese sollen zu einem großen Teil von der Bahninfrastrukturgesellschaft PKP PLK, EU-Subventionen und dem Metropolverband getragen werden. Offen ist, ob eine eigene Gesellschaft die S-Bahn betreiben wird oder dies die woiwodschaftseigene KŚ übernimmt.

Kolej Plus Förderung in der GZM.
Es wird fleißig gebaut
Ein Herzstück der Infrastrukturinvestitionen für die S-Bahn ist der Umbau des Kattowitzer Eisenbahnknotens. Als eines der größten Bahnprojekte in Polen umfasst es unter anderem den Austausch von etwa 130 km Gleisen für die Trennung des Fern- vom Metropolverkehr, den Umbau von über 150 Brücken sowie den Bau mehrerer S-Bahnhaltestellen in Kattowitz. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2028 geplant und von der EU mitfinanziert.
Die GZM nutzt auch Zuschüsse aus dem polnischen Bahninfrastrukturprogramm “Kolej Plus”. Für insgesamt sechs Projekte im Metropolverband übernimmt die Zentralregierung zwischen 75 und 85% der Gesamtbaukosten. Darunter fällt etwa der Bau eines zweiten Gleises zwischen Kattowitz-Ligota und Orzesche samt zusätzlicher Haltestellen in Nikolai oder die Modernisierung bzw. Reaktivierung der Bahnstrecken Nr. 189 und 132 zwischen Beuthen-Bobrek Ost und Ruda-Morgenroth samt neuer Haltepunkte. Diese Investitionen sollen bis Ende 2028 realisiert werden.
Zu den zahlreichen aktuell umgesetzten Vorhaben gehört wie erwähnt auch der Bau von S-Bahnstationen. Diese sollen einen bequemen Umstieg auf Bus, Straßenbahn und Fahrrad ermöglichen und behindertengerecht sein. Ein Beispiel hierfür ist die Station Beuthen-Strossek. Die alte Station Beuthen-Nord wurde hierfür an die Strzelców-Bytomskich-Straße verlegt.
Der Bau eines leistungsfähigen S-Bahnsystems ist eine Mammutaufgabe, die Zeit und Geld braucht. Für den Moment scheint es, dass der dritte Anlauf für die oberschlesische S-Bahn endlich erfolgreich sein wird.