„Mama, guck mal, eine deutsche Inschrift!“

8 Februar 2026 Geschichte

Małgorzata Makowska: Wahre Reisen beginnen mit der Entdeckung der eigenen Wurzeln

Małgorzata Makowska verbindet ihre Leidenschaft für Geschichte, Reisen und Schlesien. Privat ist sie Ehefrau und Mutter und seit 2022 beruflich mit dem Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz verbunden. Dort vertieft sie ihre Interessen durch die Koordination zweier großer Projekte: „Vergessenes Erbe“ und Deutsches Kulturhaus.

Vergessenes Erbe wiederbeleben

„Vergessenes Erbe“ ist ein Projekt, das die Erinnerung an architektonische Stätten und Objekte wiederherstellt, die jahrelang dem Verfall preisgegeben waren. Leider haben die meisten von ihnen ihre besten Zeiten hinter sich. Angesichts ihres heutigen Zustands ist es manchmal schwer zu glauben, dass sie einst als Aushängeschilder der Region dienten. Für Małgorzata ist dieses Projekt nicht nur Arbeit, sondern auch eine Quelle der Reiseinspiration.

Małgorzata Makowska verbindet ihre Leidenschaft für Geschichte, Reisen und Schlesien.
Foto: privat

„Dank des Projekts hatte ich die Gelegenheit, viele wunderschöne Orte zu entdecken. Bei der Planung von Familienausflügen schaue ich oft auf der Karte von ‚Vergessenes Erbe‘ nach, um nach besonderen Sehenswürdigkeiten Ausschau zu halten. So konnten wir auf unserer letzten Reise das beeindruckende Mausoleum in Wingendorf besichtigen. Ohne die Karte von ‚Vergessenes Erbe‘ hätten wir nie gewusst, dass dieses kleine Grenzdorf ein solches Juwel birgt“, gibt sie zu.

Görbersdorf in Niederschlesien, heute Sokołowsko, beeindruckte Małgorzata am meisten. „Es ist ein wunderschöner Kurort mit einer reichen Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Ein unglaublich charmanter, geheimnisvoller Ort voller stiller Anmut und Magie. Er vereint meine beiden Leidenschaften: meine Liebe zur Geschichte und zur Literatur. In Görbersdorf spielen Olga Tokarczuks Roman Empuzjon und Joanna Bators Roman Gorzko, gorzko.“

Familienreisen und Erziehung durch Geschichte

Małgorzata hat ihre Leidenschaft für das Reisen auch an ihren Mann und ihren Sohn weitergegeben. Wie sie zugibt, lieben sie besonders Niederschlesien, obwohl auch ihre Heimat Oberschlesien viel zu bieten hat.

„Wir lieben Aktivurlaub. Auf unseren Reisen versuche ich immer, etwas Geschichte einzubauen, sei es auch nur in Form von interessanten Fakten. Ich möchte meinen Sohn für die Multikulturalität dieser Region und ihre Geschichte sensibilisieren. Deshalb versuchen wir, ihm auf unseren Reisen so viel wie möglich zu zeigen, was ihn interessieren könnte, damit Geschichte auch seine Leidenschaft wird.“

„Ich könnte jede Woche dorthin fahren. Ehrlich gesagt, ich glaube, ich sollte in Niederschlesien leben. Es ist wirklich mein Platz auf der Welt.“
Małgorzata Makowska

Und ist es seine Leidenschaft geworden? Laut Małgorzata ja, oder zumindest hofft sie es.

„Ich denke: jung gewohnt, alt getan. Unser Sohn liebt das Reisen, er genießt unsere Ausflüge. Ich denke, es ist vor allem auch eine schöne familiäre Zeit.“

Małgorzata Makowska hat ihre Leidenschaft für das Reisen auch an ihren Mann und ihren Sohn weitergegeben.
Foto: privat

Małgorzatas Sohn hat nicht nur die Reiselust seiner Mutter geerbt, sondern auch ihr Interesse an der lokalen Geschichte.

„Mein Kind ist sich bewusst, womit sich seine Mutter beschäftigt und wofür sie sich interessiert. Meine langjährige Leidenschaft gilt unter anderem der Suche und dem Fotografieren deutscher Inschriften, die oft schüchtern unter dem Putz hervorkommen. Dieses Thema ist eng mit dem Projekt ‚Vergessenes Erbe‘ verbunden. Wir schauen uns oft Archivfotos an und planen Reisen zu Orten, an denen solche Zeugnisse der Vergangenheit zu finden sind. Mein Sohn ist mittlerweile so begeistert davon, dass er beim Autofahren ruft: ‚Mama, guck mal, eine deutsche Inschrift!‘ Damit wissen alle, dass es unsere Familienleidenschaft ist. Ich möchte, dass ihm die Geschichte seiner Heimat, seine unmittelbare Umgebung, wichtig ist.“

Wurzeln und Flügel: Aufwachsen im Geiste der Geschichte

Auf die Frage, warum sie ihrem Sohn diese Werte mitgeben möchte, erklärt Małgorzata, dass sie selbst ähnlich erzogen wurde. Ihrer Meinung nach sollte jedes Elternteil seinem Kind sowohl Wurzeln als auch Flügel geben.

„Natürlich wünschen wir uns, wie die meisten modernen Eltern, dass unser Kind ein Weltbürger wird. Deshalb unternehmen wir viele Reisen mit ihm, möchten, dass es Fremdsprachen lernt und eine gute Ausbildung erhält. Aber ich denke, dass neben diesen Flügeln auch die Wurzeln wichtig sind. Zu wissen, woher wir kommen, wer unsere Vorfahren waren, das sind unsere Wurzeln, die uns in der Zukunft wachsen lassen. Ich wünsche mir sehr, dass mein Kind eine emotionale Verbindung zu seiner Heimat, der Heimat seiner Eltern, zu unseren Traditionen, unserer Geschichte und der wunderbaren Multikulturalität der Region entwickelt. Das ist ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Erziehung.“

Małgorzata Makowskas Sohn hat nicht nur die Reiselust seiner Mutter geerbt, sondern auch ihr Interesse an der lokalen Geschichte.
Foto: privat

Um ihrem Sohn mehr als nur diese Wurzeln zu zeigen, reist die Familie Makowski gerne durch Europa. Sie versuchen, ihre Reisen lehrreich zu gestalten. Sie gehen viel zu Fuß, erkunden die Gegend und tauchen in die Kultur der besuchten Orte ein.

„Wir lachen immer darüber, dass wir nicht zum Ausruhen gekommen sind. Wir laufen täglich etwa ein Dutzend Kilometer und versuchen, es abwechslungsreich zu gestalten, denn unser Sohn spielt, wie jedes Kind, einfach unheimlich gern. Da ich von Beruf Lehrerin bin, versuche ich, für jede Reise kurze Lernmaterialien vorzubereiten. Es ist nicht immer einfach, Mutter zu sein.“

Man könnte meinen, Małgorzata verbringe Stunden mit der Recherche nach Reisezielen, aber in Wirklichkeit geht die Familie pragmatischer vor.

„Wir entscheiden meist spontan und suchen nach passenden Angeboten. Man könnte sogar sagen: nach Billigflügen. Wir suchen Orte, an denen wir noch nicht waren. Wir reisen nicht gern zwei Mal an denselben Ort.“

Kürzlich besuchten die Makowskis Spanien, Schweden, Italien und Schottland, und ihre letzte Reise war ein Kurztrip nach Berlin. Niederschlesien zählt jedoch weiterhin zu den schönsten Orten, an denen sie sich am wohlsten fühlen.

„Ich könnte jede Woche dorthin fahren. Ehrlich gesagt, ich glaube, ich sollte in Niederschlesien leben. Es ist wirklich mein Platz auf der Welt.“

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