Als Gleiwitz Fußballgeschiche schrieb
In den letzten Wochen haben wir unseren Lesern zwei schöne Fußballgeschichten aus Oberschlesien vorgestellt. Zuerst über den sensationellen polnischen Meister von 1980, GKS Szombierki Beuthen, eine Mannschaft, die damals zu über 90 Prozent aus Oberschlesiern bestand und vom Oberschlesier Hubert Kostka trainiert wurde. Als Nächstes erschien in unserer Zeitung eine kurze Geschichte über den SV 03 Ratibor, den ältesten von Deutschen gegründeten Fußballverein in Oberschlesien. Und heute?
Wir nehmen unsere Leser mit nach Gleiwitz, das in der Vorkriegszeit ein sehr starkes und dynamisches Fußballzentrum war. Dies wird unter anderem durch die Tatsache belegt, dass es in Gleiwitz mit dem SC Teutonia Gleiwitz den zweitältesten Verein in Oberschlesien gab, gegründet 1905, also zwei Jahre nach dem SV Ratibor 03. Auch dieser Verein wurde von Deutschen gegründet. Ähnlich war es 1910, als der VfB 1910 Gleiwitz auf der Fußballlandkarte erschien und noch im selben Jahr schlesischer Meister wurde. Vor dem Zweiten Weltkrieg war jedoch Vorwärts-Rasensport Gleiwitz der stärkste Verein in der Stadt, der 1926 aus dem Zusammenschluss von SC Vorwärts Gleiwitz und Rasensportverein 09 Gleiwitz hervorgegangen war. Die Fußballer von Vorwärts-Rasensport Gleiwitz spielten im „Jahn-Stadion“ an der Leipzigerstraße, das laut Quellen aus dem Jahr 1941 Platz für 15.000 Zuschauer bot.
Der Weg in die Play-offs
In der Saison 1923/1924 gewann der Verein, damals noch unter dem Namen Vorwärts Gleiwitz, die Meisterschaft des deutschen Teils von Oberschlesien, konnte aber in der Meisterschaft Südostdeutschlands nicht überzeugen und landete auf dem letzten Platz. In der Saison 1926/1927 gewann er jedoch erneut die Meisterschaft des deutschen Teils von Oberschlesien und belegte in der Meisterschaft Südostdeutschlands einen Platz im Mittelfeld, was bereits ein Erfolg war. Dieser Erfolg war so motivierend, dass sich der Gleiwitzer Verein noch dynamischer entwickelte und die Ergebnisse nicht lange auf sich warten ließen.
Die Fußballer von Vorwärts-Rasensport Gleiwitz spielten im „Jahn-Stadion“ an der Leipzigerstraße, das laut Quellen aus dem Jahr 1941 Platz für 15.000 Zuschauer bot.
In der Saison 1931/1932 gewann Vorwärts-Rasensport Gleiwitz erneut die Meisterschaft des deutschen Teils von Oberschlesien und belegte in der Meisterschaft Südostdeutschlands einen hervorragenden dritten Platz. In der Saison 1932/1933 belegten die Gleiwitzer im „Wettlauf“ um die Meisterschaft des deutschen Teils von Oberschlesien den zweiten Platz, schafften es aber dennoch in die weitere Runde, was ihnen den Vizemeistertitel Südostdeutschlands einbrachte. Dieser Titel verschaffte Vorwärts-Rasensport Gleiwitz die Teilnahme an den Play-offs und dem Kampf um die deutsche Meisterschaft. An diesen Spielen nahmen sechzehn Mannschaften teil, die Sieger der regionalen Gauligen. Das Team aus Gleiwitz unterlag jedoch Fortuna Düsseldorf und musste sich von seinen Träumen vom Triumph verabschieden. Die bloße Teilnahme an den Play-offs motivierte aber die Verantwortlichen von Vorwärts-Rasensport Gleiwitz und die Spieler selbst, noch härter zu arbeiten, um ihren Fans auch in den folgenden Jahren viel Freude und sich selbst viel Zufriedenheit zu bereiten.
Ein Grund zum Stolz
Das Ergebnis war wirklich gut. Noch in der Saison 1933/1934 belegte Vorwärts-Rasensport Gleiwitz den 4. Platz in der Gauliga Schlesien, obwohl die Konkurrenz stark war, aber bereits in der Saison 1934/1935 gewann der Verein die Meisterschaft des deutschen Teils Schlesiens. Leider lief es danach nicht mehr so gut, und letztendlich konnten die Fußballer aus Gleiwitz im Weiteren keine Erfolge mehr erzielen. In der Saison 1935/1936 wurde Vorwärts-Rasensport Gleiwitz allerdings zum zweiten Mal Meister des deutschen Teils Schlesiens und qualifizierte sich für die nationalen Wettbewerbe. Dort spielten sie in Gruppe 2, wo sie Werder Bremen mit 5:2 und 4:2 besiegten, gegen Eimsbütteler TV mit 0:3 verloren und dann mit 4:1 gewannen. Der nächste Gegner der oberschlesischen Mannschaft war Viktoria Stolp, den die Gleiwitzer zweimal, 5:0 und 3:1, schlugen. Dank dieser Ergebnisse belegte Vorwärts-Rasensport Gleiwitz den ersten Platz in Gruppe 2 und stieg ins Halbfinale auf. Auf dieser Ebene konnten sie sich jedoch nicht gegen die damals hervorragende Mannschaft von Fortuna Düsseldorf durchsetzen und verloren mit 1:3. Diese Niederlage bedeutete, dass die Gleiwitzer um den dritten Platz gegen den damaligen Angstgegner FC Schalke 04 spielen mussten. Das Spiel gegen den Stolz Gelsenkirchens und des Ruhrgebiets endete ebenfalls mit einer Niederlage für die Oberschlesier, aber dennoch hatten sie allen Grund zur Freude. Sie konnten sogar stolz sein, denn es war der größte Erfolg eines Vereins aus Oberschlesien in deutschen nationalen Wettbewerben.
Die folgenden Jahre
Nach einer für die oberschlesische Mannschaft hervorragenden Saison 1935/1936 belegte Vorwärts-Rasensport Gleiwitz den zweiten Platz in der Gauliga Schlesien und wurde in der Saison 1937/1938 zum dritten Mal Meister des deutschen Teils Schlesiens. Man hoffte sehr, dass die Oberschlesier weitere Siege erringen würden. Dies geschah jedoch nicht, der Verein war in den weiteren Wettbewerben nicht erfolgreich. Ein Jahr später (1938/1939) wurde Vorwärts-Rasensport Gleiwitz zum vierten Mal Meister des deutschen Teils Schlesiens, aber auch diesmal führte dies nicht zu Erfolgen in den weiteren Wettbewerben. Ähnlich war es in der Saison 1939/1940, als die Gleiwitzer den ersten Platz in der Gruppe „Oberschlesien“ der Gauliga Schlesien belegten und anschließend keine nennenswerten Erfolge in den deutschen Nationalwettbewerben erzielten. Abschließend sei noch erwähnt, dass der Verein aus Gleiwitz in der Saison 1940/1941 den zweiten Platz in der Gauliga Oberschlesien belegte, in der Saison 1942/1943 den fünften Platz und in der Saison 1943/1944 den achten Platz. Wie die meisten schlesisch-deutschen Vereine in Schlesien beendete auch Vorwärts-Rasensport Gleiwitz seine Tätigkeit mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs