Aus Liebe zur Heimat

7 Dezember 2025 Kultur/Bildung

 

 

Fast drei Jahrzehnte lang war Monika Wittek für Kulturprojekte des VdG zuständig. Sie hat ihre Aufgaben vorbildlich erfüllt. Seit über 30 Jahren ist sie zudem im DFK Zelasno aktiv, aktuell als Vorsitzende. Auch hier arbeitet sie mit Volldampf an der Pflege der deutschen Kultur. All dies tut sie ehrenamtlich, mit Herz und voller Hingabe, wie sie im Gespräch mit Krzysztof Świerc erzählte.

Als Vorsitzende des DFK Zelasno widmen Sie einen Großteil Ihrer Zeit der Organisation von Veranstaltungen, die u.a. der Integration der Einwohner dienen. Was treibt Sie zu diesem enormen Engagement in der gemeinnützigen Arbeit, die Sie seit vielen Jahren freiwillig mit vollem Einsatz, Eifer und Leidenschaft ausüben?

Ich liebe ganz einfach diese Arbeit. Allein das Bewusstsein, dass ich etwas Positives für Menschen tue, die dadurch zu unserem DFK kommen können, um sich zu unterhalten, Meinungen, Freuden oder Sorgen zu verschiedenen Themen auszutauschen, beflügelt meine Kreativität. Darum vereisen wir auch oft gemeinsam an unterschiedliche Orte und entdecken jedes Mal etwas Neues. Das ist nicht nur angenehm, sondern auch lehrreich, was mir besonders wichtig ist. Die Menschen mögen unsere Ausflüge sehr – sie sind zufrieden und fröhlich, und damit bin ich es auch. Und das ist mein Antrieb für weitere Aktivitäten.

Monika Wittek
Foto: Tomasz Chabior

Sie sind dafür bekannt, dass Sie großen Wert auf die Pflege der deutschen Kultur legen.

Ja, und deshalb werden bei unseren DFK-Ausflügen immer Orte gezeigt, die einst zu Deutschland gehörten. Also fahre ich mit der Gruppe nicht nach Tschenstochau oder Kalisch, denn da kann ja jeder individuell hin. Ich zeige lieber Gebiete und Orte, die für uns Deutsche wichtig und in unseren Herzen stets lebendig sind.

Zum Beispiel?

Dank eines großartigen Projekts der Oppelner SKGD, bei dem ich als Gruppenbetreuerin tätig war, sind wir dieses Jahr zum 80. Jahrestag der Oberschlesischen Tragödie nach Lamsdorfund Neiße gefahren, wo ich übrigens im Juni auch mit meinem DFK gewesen bin. Das war mir nämlich sehr wichtig. Aber auch z.B. in Falkenberg, Tillowitz, Brieg oder weiter in Richtung der deutschen Grenze, etwa in Bunzlau, gibt es viel zu zeigen. Mit meinem DFK war ich schon an etlichen Orten, wo man deutsche Kultur atmen kann. Und wir bleiben nicht stehen. Unser Appetit wächst!

Monika Wittek
Foto: Tomasz Chabior

Apropos Lamsdorf. Als Sie am 15. August 1994 Ihre Arbeit beim VdG aufnahmen, beauftragte Sie der damalige Geschäftsführer Joachim Niemann sofort mit einer Reise nach Lamsdorf mit einer Gruppe aus Deutschland. War das für Sie stressig?

Ein wenig schon, denn das war für mich etwas ganz Neues. In der Schule waren schließlich polnische Nachkriegslager kein Thema. Bei meinem ersten Besuch gab es dort nur ein von Ortsbewohnern aufgestelltes Holzkreuz für die Kriegsopfer. Später habe ich mich aber ausgiebig über das Thema informiert.

Das Lamsdorfer Lager hat Sie dann während Ihrer gesamten Zeit beim VdG begleitet…

Richtig. So nahm ich dort 1995 an der Errichtung eines Bußkreuzes (am 30. September dieses Jahres war es genau 30 Jahre her) und der Einweihung des Friedhofs für die Nachkriegsopfer des Arbeitslagers teil. Im Namen des VdG organisierte ich in Lamsdorfzudem Gedenkfeiern für die Opfer der Oberschlesischen Tragödie. Darüber hinaus war mein letztes VdG-Projekt vor meiner Pensionierung, nämlich die Pilgerfahrt nach Warta am 9. Juli, ebenfalls mit einem Besuch in Lamsdorf verbunden. Kurzum: Meine Mitarbeit beim VdG begann und endete in Lamsdorf.

Monika Wittek
Foto: Tomasz Chabior

Als ich den Spuren Ihrer Leidenschaft folgte, stieß ich auf die Information, dass Sie sich auch mit der Geschichte Ihres Heimatortes beschäftigen.

Das stimmt, und ich teile mein Wissen gern mit anderen Menschen, denn es handelt sich um unsere Wurzeln in Zelasno, die Zugehörigkeit zu unserem kleinen geliebten Heimatort. So war es u.a. als es mir gelang, Informationen über einen weiteren Priester aus Zelasno zu gewinnen.

Neben Ihrer Tätigkeit beim DFK Zelasno haben Sie interessante Bücher herausgegeben. Wann denn? Und welchem Thema oder wem sind sie gewidmet?

Wir haben einige dieser Publikationen als DFK und später gemeinsam mit unserem Dorfrat herausgegeben. Wir hatten zunächst einmal eine Menge Fotos von unserer Ortschaft. Diese haben wir zusammengetragen und ein Erinnerungsalbum erstellt, auf das wirsehr stolz sind. Es war mühsame Arbeit, aber es hat sich absolut gelohnt. Denn es ist eine Geschichte über uns Bewohner von Zelasno. Und als wir 2018 ein Treffen für ehemalige Bewohner von Zelasno organisierten, die aus Deutschland zu uns kamen, haben wir jedem unserer Gäste diese Geschichte „serviert”. Nach dieser Veröffentlichung bekamen wir richtig Wind in unsere Segel und haben schließlich zum 30-jährigen Jubiläum unseres DFK einen Bericht darüber publiziert, was bei uns in diesen drei Jahrzehnten los war. Das Ganze war natürlich mit passenden Fotos „gewürzt”.

Monika Wittek
Foto: Tomasz Chabior

Vor zwei Jahren, anlässlich des 800-jährigen Jubiläums von Zelasno, haben Sie mit nur zwei anderen Personen eine umfangreiche Publikation über Zelasno realisiert, und das sogar zweisprachig.

Ja, zweisprachig! Für mich sind zweisprachige Publikationen sehr wichtig – auf Deutsch für diejenigen, die kein Polnisch sprechen, und auf Polnisch für diejenigen, die kein Deutsch verstehen. Im Übrigen konnten wir dank unseres sehr engagierten Naturforschers aus Eisenau, der alle uns umgebenden Lebewesen fotografiert, auch eine zweisprachige Publikation mit dem Titel „Natur in Żelazna” herausbringen. Außerdem haben wir in unserem Verlags-CV eine Publikation über Bildstöcke und Kreuze in Zelasno und Niewodnik, natürlich zweisprachig, sowie eine sehr bewegende Publikation mit dem Titel „Vor der Front und nach der Front”. Dieses Buch wurde vor fünf Jahren zum 30-jährigen Jubiläum unseres DFK herausgegeben und enthält Erinnerungen einer Frau, die mit ihren Eltern und Schwestern in Zelasno lebte, an den Januar 1945. Die Autorin hat sie niedergeschrieben und wir haben sie übersetzt und veröffentlicht.

Monika Wittek Foto: Tomasz Chabior

Sie haben fast drei Jahrzehnte lang beim VdG gearbeitet und dabei zahlreiche Erfolge erzielt. Wofür waren Sie konkret zuständig?

Ich habe genau 29 Jahre als Kulturreferentin des VdG gearbeitet. Das größte Projekt, das ich mitorgansiert habe und dasein Stolz des VdG ist, war das Kulturfestival der Deutschen Minderheit. Es fand alle drei Jahre in der Breslauer Jahrhunderthalle statt, mit Ausnahme des zweiten Festivals, das in Kandrzin-Cosel ausgetragen wurde. Jedes Mal gab es Tausende Besucher, die die kulturelle Vielfalt der deutschen Minderheit und ihrer Partner sowie das Bühnenprogramm sehen wollten. Die Organisation bedeutete nicht nur enorme finanzielle Aufwendungen, sondern auch viel Arbeit und Stress. Aber es hat sich gelohnt. Davon bin ich auch heute noch überzeugt, wenn ich auf meinen Reisen durch die DFKs Menschen begegne, die mir erzählen, dass es ein fantastisches Erlebnis war. So manche sprechen mit Tränen in den Augen darüber.

Auch kleinere Projekte, für die Sie während Ihrer Tätigkeit beim VdG zuständig waren, werden von den Menschen gern in Erinnerung behalten.

Eines davon war sicherlich das Mini-Projekt zum 25. und 30. Jahrestag des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags. Zu beiden Jubiläen luden wir unsere Nachbarn ein, zuerst in die ul. Krupnicza und fünf Jahre später in die ul. Słowackiego, damit sie zusammenkamen und einander kennenlernten. Begleitet wurde dies von einem Plakat, das zwei Hände in freundschaftlicher Umarmung zeigte – eine Hand mit der polnischen Flagge und die andere mit der deutschen. Damals besuchten uns viele Menschen. Es kamen auch Großeltern mit ihren Enkeln und Enkelinnen. Diese Initiative war vielleicht klein, aber sie drückte aus, dass wir hier sind und offen für andere Menschen sind. Es gab aber noch weitere ähnliche Projekte, u.a. dasjenige zum 20-jährigen und 25-jährigen Jubiläum des VdG. Damals organisierten wir das ganze Jahr über verschiedene Konzerte, soin Danzig, Köslin, Stettin, Grünberg, Kattowitz und Oppeln.

Monika Wittek
Foto: Tomasz Chabior

Und dann kam der Tag, an dem Sie vom VdG Abschied nahmen und in den Ruhestand gingen. Welche Gefühle hatten Sie dabei?

29 Jahre sind eine lange Zeit. Genug, um mit der Firma und ihren Mitarbeitern gut vertraut zu werden. Zumal ich meinen Aufgabenmit Freudenachging und große Kulturprojekte realisierte. Mir war klar, dass ich damit gute Arbeit leistete. Doch letztlich wurde es Zeit, meinen Platz jemandem zu überlassen, der jünger ist. Deshalb habe ich mich eigentlich gefreut, in den Ruhestand zu gehen. Ich wusste auch, dass ich dadurch mehr Zeit für die gemeinnützige Arbeit in meinem Heimatort haben würde, wo ich mich sehr wohl fühle, mich selbst finde, fleißig arbeite und neue Ziele verfolge.

Die Folge: Sie sind quasi nicht im Ruhestand…

Genau so habe ich es mir auch erträumt! Von Ausruhen kann keine Rede sein. Als Vorsitzende des DFK Zelasno bin ich weiterhin aktiv. Ich organisiere Projekte für die Mitglieder unseres Vereins und arbeite für die Minderheit. Dadurch pflege ich Kontakte zu Menschen in Schlesien und außerhalb der Region sowie zu Mitgliedsorganisationen, denn das würde mir sonst am meisten fehlen. Ich habe mir auch vorgestellt, dass ich im Ruhestand genug Zeit haben würde, um meine Nachbarn zu besuchen, mit dem Dorfrat zusammenzuarbeiten und Zeit für andere Aktivitäten in meiner Ortschaft zu haben. All das ist wahr geworden. Es ist wunderbar. Ich habe mir auch vorgestellt, dass ich im Ruhestand Zeit finden würde, Menschen aus anderen DFKs zu besuchen, die ich einmal kennengelernt habe, und genau das passiert jetzt.

Monika Wittek
Foto: Tomasz Chabior

So wie jetzt, denn es giltja jetzt, z.B. das HDPZ-Projekt „Stärkung der Strukturen der deutschen Minderheit” zu realisieren.

Und meine Aufgabe ist es, die DFKs zu besuchen, zu beraten und Vorschläge zu machen, was man tun kann. Natürlich werde ich mich dabei auf das Wissen stützen, das ich während meiner Arbeit beim VdG erworben habe, und gleichzeitig präsentieren, wie wir ein bestimmtes Thema in unserem DFK umsetzen. Derzeit bin ich im Bezirk Kattowitz, es ist super.

Welche weiteren interessanten Projekte werden Sie in nächster Zeit realisieren?

Noch in diesem Jahr koordiniere ich eine Reise zum Weihnachtsmarkt in Zittau und Umgebung. Wir tun dies als DFK Zelasno in Zusammenarbeit mit dem DFK Mechnitz. Mitfahren können nicht nur Mitglieder der Minderheit – wir sind offen für alle Interessierten. In diesem Jahr planen wir auch Besichtigungen der Jubiläumskirchen in Mallnie, Kupferberg und Chorulla, und für 2026 habe ich im Rahmen der Aktivitäten des DFK Zelasno einen Ausflug zum Theater in Teschen geplant, um die Aufführung „Der erwartete Gast“ zu sehen. Außerdem ist ein Neujahrstreffen in unserem DFK mit einem Konzert geplant. Wenn wir noch weiter in die Zukunft blicken, erwartet uns im März nächsten Jahres ein Berichtstreffen im DFK Zelasno, und dann werden wir weitere Ziele, Träume und Ausflüge verwirklichen. Und so wird es weitergehen, solange ich die Kraft dazu habe.

Was erwarten Sie für diese enorme Anstrengung?

Ein Lächeln und ein Dankeschön. Früher fuhr eine Frau mit uns zu Ausflügen, die mir aus Dankbarkeit immer Süßigkeiten schenkte. Das war sehr nett, das reichte mir.

Schlesien Aktuell – das Magazin 07.12.2025
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