Im Herzen Ostpreußens oder am Rand der Woiwodschaft?

23 Dezember 2025 Kultur/Bildung

Adventswerkstatt des BJO

 Der Bund Junges Ostpreußen BJO feiert seit Jahren zum ersten Advent an einem langen Wochenende in Ostpreußen. Die traditionellen Werkstätten unter anderem zu Gesang, Tanz und Backen fanden dieses Mal vom 27. bis zum 30. November in einer neuen Umgebung statt. Für die 35. Ausgabe waren die Organisatoren auf der Suche nach einem Veranstaltungsort im Dworek Dębówko, dem Gutshof in Eichenbruch bei Bartenstein fündig geworden.

Bartenstein/Eichenbruch. Ein neuer Ort war nötig geworden, weil die bisherigen Quartiere nicht mehr zur Verfügung standen. Das Hotel „Sajmino“ bei Osterode hat seine Tore geschlossen und das Hotel in Allenstein im letzten Jahr hat nicht gerade überzeugt. Eichenbruch hingegen ist für die einen quasi das Ende der Welt. Nicht weit hinter dem nahe gelegenen Bartenstein kommt man zur Grenze zum heute russischen Teil Ostpreußens, zu Königsberg (Królewiec), und die Verkehrsanbindung ist bei weitem nicht so gut wie nach Osterode oder Allenstein. Für die anderen ist der Gutshof in Eichenbruch zwar auf dem Land, aber bei einem Blick auf historische Landkarten beinahe im Herzen Ostpreußens gelegen.

Zwei Pfarrer auf dem Weg zum Adventskranz, um die erste Kerze zu entzünden.
Foto: Uwe Hahnkamp

Erfahrung gut, Werkstatt positiv

Die Entscheidung für den Veranstaltungsort fiel wegen zweier positiver Erfahrungen. Der langjährige Gast und Mitorganisator Damian Kardymowicz aus dem nahe gelegenen Heilsberg (C) hatte sich dafür ausgesprochen, außerdem hatte die Tanzgruppe „Saga“ aus Bartenstein dort vor Jahren eine erfolgreiche Werkstatt durchgeführt. Das größte Plus ist jedoch das Platzangebot des Gutshofs. Neben den einzelnen Gebäuden gibt es einen großen Ballsaal, in dem so gut wie alle geplanten Aktivitäten zusammen ablaufen konnten und nicht wie vor einem Jahr in Allenstein auf einzelne Räume zersplittert waren. Der Fußboden dort erlaubte auch die Durchführung der traditionellen Feuerzangenbowle, die im letzten Jahr Sicherheitsbedenken zum Opfer fiel. Nicht zuletzt bietet der große Hof Raum für Bewegung im Freien.

„Wir hatten gerade einige zögernde Personen angefragt, ob sie die ganze Zeit bleiben wollen; zwei Tage später konnten wir sie nur noch zur offiziellen Feier am Samstag einladen, weil es keine Übernachtungsplätze mehr gab.“
Christoph Stabe, Vorsitzender der Landesgruppe Bayern der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen (LOW)

Einzig die Gesangsproben waren in diesem Jahr ausgelagert, da sie traditionsgemäß mit der Musik der Tanzgruppe kollidieren. Traditionell war insgesamt auch das Programm mit Singen, Tanzen, Basteln und Backen, das den Teilnehmern aber wie üblich genügend Freiheiten für verschiedene Aktivitäten bot. Vorgegeben war lediglich die ebenfalls immer stattfindende Erkundung der näheren Umgebung, die die Teilnehmer dieses Mal nach Bartenstein zur Burg des Deutschen Ordens, dem Bahnhof und dem Stadttor führte. Ergänzt wurde die Veranstaltung durch die Ausstellung des Kulturzentrums Ostpreußen in Ellingen zum deutschen Widerstand, dem Attentat auf Hitler und der Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Ostpreußen. Sie war in der Wolfsschanze/Wilczy Szaniec präsentiert worden und wurde im Hotel und im großen Saal gezeigt.

Generationen feiern gemeinsam

Das Interesse an der Adventswerkstatt des BJO ist groß, noch dazu, weil sich ihr Charakter von einer reinen Jugendbegegnung ein wenig hin zu einem Treffen junger Familien verschoben hat. Die Gründergeneration der Werkstatt kommt inzwischen mit eigenen Kindern verschiedenen Alters; die jüngste Teilnehmerin war gerade ein paar Monate alt und verschlief den größten Teil der Adventsfeier am Samstagabend. Offiziell waren es 120 Personen, davon 20 bis 30 Kinder, für die eine professionelle Betreuung organisiert wurde. Wie die Hauptorganisatoren Friedrich Mudzo aus Posen und Christoph Stabe, der Vorsitzende der Landesgruppe Bayern der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen LOW, erklären, gingen die Plätze weg wie warme Semmeln.

Stammgast Rafael Brzuski mit der jüngsten Teilnehmerin.
Foto: Uwe Hahnkamp

„Wir hatten gerade einige zögernde Personen angefragt, ob sie die ganze Zeit bleiben wollen; zwei Tage später konnten wir sie nur noch zur offiziellen Feier am Samstag einladen, weil es keine Übernachtungsplätze mehr gab“, gibt Christoph Stabe zu und ergänzt: „Wie viele Gäste letztendlich genau zum Adventsabend vor Ort waren, ist daher schwer zu schätzen.“ Es war jedenfalls ein Gewusel von kleineren und größeren Kindern, von aufgeregten Jugendlichen und jungen Eltern ganz zu schweigen. Ruhepol im Saal war – auch das ist eine Tradition – das Ehepaar Böld von der Landesgruppe Bayern.

Feuerzangenbowle, Kerzenlicht und Wunsch nach Frieden

Die Anwesenheit so vieler Gäste aus Bayern ist gewünscht und kein Zufall, ist doch die Landesgruppe Bayern der LOW offiziell Veranstalter und sorgt für finanzielle Unterstützung über das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Die Organisation ist dann Sache des BJO. Ein feuriges Element des Samstagabends ist die Feuerzangenbowle, die am Nachmittag als Glühwein vorbereitet und gewürzt, und dann spektakulär von Damian Kardymowicz fertiggestellt wird. In diesem Jahr war dieser Programmpunkt zur großen Freude vor allem der Stammgäste des BJO-Advents wieder möglich.

Tradition des BJO-Advents: Damian Kardymowicz und die Feuerzangenbowle.
Foto: Uwe Hahnkamp

Das zweite Feuer wurde nach den geistlichen Worten des Seelsorgers der Katholiken der deutschen  Minderheit im Ermland Domherr Andre Schmeier und des Bischofs der Diözese Masuren der evangelisch-augsburgischen Kirche in Polen Paweł Hause am Adventskranz entzündet, der auf der Werkstatt am Samstag entstand. Der Vorabend des ersten Advent braucht das Licht der Kerze und die Welt braucht das hoffnungsvolle Licht des Friedens – und des Friedensfürsten aus dem Alten Testament bei Jesaja, dessen Text zufälligerweise beide Geistliche als Basis ihrer Worte gewählt hatten.

Die Vertreter der Gruppe SAGA, in der Mitte Dorota Cieklińska.
Foto: Uwe Hahnkamp

Das dritte Feuer ist das der Hoffnung auf weitere friedliche, gemeinsame Stunden im Kreise von Menschen, die man gerne wiedersehen und mit denen man über die Jahre älter werden möchte. Die nächste Adventswerkstatt des BJO winkt im nächsten Jahr, möglicherweise wieder am selben Ort, der bei den Teilnehmern gut ankam. Wahrscheinlich ist dann ein neuer Erdenbürger mit dabei, denn bei einer langjährigen Teilnehmerin kündigt sich Zuwachs in der Familie an. Die größere Gemeinschaft der Gäste des BJO-Advents freut sich schon auf das neue Gesicht.

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