Im Jahr 2025 veranstaltete das Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit eine Reihe von Treffen unter dem Motto „Kleine Gespräche über große Themen“. Das Projekt schuf einen Raum für den Dialog zwischen Experten, Praktikern und Menschen, die an der Schnittstelle verschiedener Kulturen leben. Es griff Themen auf, die für die heutige deutsche Minderheit in Polen von Bedeutung sind.
Politik und Dialog über Grenzen hinweg
Die Reihe begann mit einer Präsentation des Konzepts für das in Berlin entstehende Deutsch-Polnische Haus, das Robert Parzer vorstellte. Anschließend fand eine Debatte zum Thema „Deutschland nach den Bundestagswahlen 2025: Analyse der politischen Neuordnung und Perspektiven für die Zukunft“ statt. Die Diskussion befasste sich mit der Bedeutung der Wahlen für die deutsche Politik und ihren Auswirkungen auf die Beziehungen zu Polen.

Das nächste Treffen mit dem Titel „Kommunen im Dialog – über lokale und internationale Zusammenarbeit“ unter Beteiligung von Paulina Kleiner aus dem Landkreis Dahme-Spreewald zeigte die Rolle der lokalen Selbstverwaltungen bei der Entwicklung grenzüberschreitender Beziehungen auf. Die Beispiele unterstrichen die Bedeutung von Konsequenz, professioneller Koordination und einem langfristigen Ansatz beim Aufbau von Partnerschaftsinitiativen.
Identität zwischen Erfahrung und Narrativ
In Gleiwitz fand ein Treffen zum Thema „Euer Deutscher über deutsche Identität und Minderheiten in Polen“ mit Vincent Helbig statt – Autor des Buches „Euer Deutscher. Wie ich Polen lieben lernte“ und Internetkünstler. Das Gespräch eröffnete eine Diskussion über das heutige Deutschsein, das Leben zwischen den Kulturen und die Rolle individueller Geschichten bei der Gestaltung der Vorstellungen über Minderheiten.
„Identität ist nicht eine einzelne Antwort, sondern ein Prozess – ein Dialog zwischen Sprache, Erinnerung und Lebenserfahrung zwischen den Kulturen.“
Bei der Veranstaltung „Minderheiten in der öffentlichen Debatte – Stimme, Dialog, Verständnis“ diskutierten Experten von Team Europe Direct, wie die Medien das Bild nationaler Minderheiten prägen. Die Diskussion befasste sich mit dem Einfluss von Algorithmen, Vereinfachungen und Desinformation sowie der Verantwortung in der öffentlichen Debatte.
Sprache, Erinnerung und Erfahrung der Umsiedlungen
Die von Prof. Helena Krasowska geleitete Veranstaltung „Zweisprachigkeit und Identität – Sprache im Dialog der Kulturen“ zeigte die Rolle der Sprache bei der Bewahrung der Erinnerung und der Bildung von Bindungen in mehrsprachigen Gemeinschaften auf. Die Analyse alltäglicher Sprachpraktiken zeigte, wie Sprache das Zugehörigkeitsgefühl und die Art und Weise, wie Identität erlebt wird, beeinflusst. Prof. Krasowska verwies auch auf die Erfahrungen anderer Minderheiten in Europa, z. B. der deutschen Minderheit in Rumänien, und zeigte die Vielfalt der Schicksale von Gemeinschaften in kulturellen Grenzgebieten auf.
Den Abschluss der Reihe bildete das Gespräch „Identität, Erinnerung, Umsiedlungen – ein Gespräch mit Prof. Ryszard Kaczmarek“, das sich mit den Nachkriegsmigrationen und dem Schicksal von Menschen befasste, die zwischen Polen, der BRD und der DDR lebten. Das Treffen zeigte, wie Erinnerung – familiäre und kollektive – das heutige Verständnis von Geschichte und den Erfahrungen von Minderheiten beeinflusst.

Foto: HDPZ
Die Reihe „Kleine Gespräche über große Themen“ ermöglichte einen Blick auf Themen, die sich oft einfachen Narrativen entziehen: Sprache, Erinnerung und Leben zwischen den Kulturen. In vielen Gesprächen kam immer wieder der Gedanke zum Ausdruck, dass Identität nicht eine einzelne Antwort ist, sondern eine Ansammlung von Schichten, Geschichten und Emotionen. Für viele Teilnehmer war sie vor allem eine Quelle der Kraft – ein Raum des Dialogs und nicht des Konflikts.

Foto: HDPZ
An der Umsetzung der Reihe beteiligten sich Institutionen, die sich mit Dialog, Bildung und Erinnerung befassen, darunter die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Friedrich-Ebert-Stiftung, der Landkreis Dahme-Spreewald, Team Europe Direct, die Universität Oppeln, das Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen und die Woiwodschaftsbibliothek in Gleiwitz. Ihre Beteiligung ermöglichte es, dass die Diskussion über Identität und Erfahrungen von Minderheiten ein breiteres Publikum erreichte – in Räumen, in denen Geschichten, Sprachen und Erzählungen der Region gesammelt werden.
Das Projekt wird vom Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) über den Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) finanziert.
Kontakt:
Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit
www.haus.pl